Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neustrukturierung, Umbau und bauliche Ergänzung der Kongresshalle Gießen

Preisträger

1. Preis: Meurer Generalplaner GmbH, Frankfurt/Main

25.000 € (netto)

Prof. Thomas Meurer, Kristina Meurer
Mitarbeit: Marco Fitzthum

2. Preis: PFP Planungs GmbH, Hamburg

12.500 € (netto)

Detlef Junkers
Mitarbeit: Christoff Oltmann, Götz Schneider, Marta Potulska, Francesco Corro

3. Preis: Kister Scheithauer Gross Architekten und Stadtplaner GmbH, Köln

6.250 € (netto)

Prof. Susanne Gross
Mitarbeit: Lisa Cziborra, Lucas Schrader, Alice Mosalova, Doron Stern (Landschaftsarchitekt)
Fachplaner: IDK Kleinjohann, Christian Richert, Köln (Tragwerk), Brenner BERNARD Ingenieure GmbH, Axel Küßner, Köln (Verkehrsplanung), gbm modellbau, Darmstadt (Modellbau)

4. Preis: HPP Architekten GmbH, Leipzig

3.250 € (netto)

Gerd Heise
Mitarbeit: Marina Jostina

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren
Preisgerichtssitzung 18.09.2018
Ort Gießen
Auslober Stadthallen GmbH Gießen
Betreuung goedeking architekten, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Jörn Walter (Vorsitz), Prof. Michael Schumacher, Mikala Holme Samsoe, Prof. Nikolaus Zieske, N.N., Dietlind Grabe-Bolz, Gerda Weigel-Greilich, Astrid Eibelshäuser, Peter Neidel, Sadullah Gülec, André Kramm, Prof. Petra Vondenhof-Anderhalten

Modernes Multifunktionsgebäude
Neustrukturierung, Umbau und bauliche Ergänzung der Kongresshalle Gießen

Seit vielen Jahren versucht die Stadt Gießen ihre Kongresshalle durch Umplanungen oder bauliche Ergänzungen zu optimieren. Doch bisherige Planungen von Investoren, die Ergebnisse von studentischen Wettbewerben, durchgeführte Markterkundungen und aufgezeigte Entwicklungsperspektiven führten zu keinem annehmbaren Ergebnis. Die vom renommierten schwedischen Architekten Sven Markelius 1966 als „offenes Haus für alle Bürger" realisierte Kongresshalle gilt einerseits als hochgelobter Beitrag der Moderne, der 2016 in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen aufgenommen wurde, andererseits stößt die Architektur der sechziger Jahre auf Ablehnung in Teilen der Bevölkerung.

Nachdem die Kongresshalle vor wenigen Jahren brandschutz-, lüftungs- und elektrotechnisch saniert wurde, sollen nun nutzungsspezifische, funktionale, ästhetische und räumliche Defizite aufgrund veränderter Rahmenbedingungen behoben werden. Zu diesem Zweck hatte die Stadthallen GmbH Gießen einen nichtoffenen, zweiphasigen Realisierungswettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren ausgelobt, den die goedeking architekten aus Frankfurt am Main betreuten. Konkretes Ziel war die Neugestaltung des Kongresshallenareals. Dies schloss auch den Vorplatz an der Südanlage, den Eingangsbereich und den Berliner Platz mit ein. Die Funktion der Kongresshalle als zentrales Bürgerhaus und Versammlungsort für Bürgerinnen und Bürger, gleichzeitig aber auch als Ort für kommerzielle und nichtkommerzielle, überregionale kulturelle, soziale und politische Veranstaltungen sowie für Tagungen und Kongresse sollte erhalten und gestärkt werden. Besonderes Augenmerk war auf die kleineren Versammlungs- und Veranstaltungsräume zu legen, die zunehmend von Bürgern, Vereinen, Initiativen und Parteien genutzt werden, auch angesichts fehlender Alternativen im Innenstadtbereich. Das Preisgericht vergab unter den 17 eingereichten Arbeiten vier Preise.

Der Siegerentwurf der Meurer Generalplaner GmbH aus Frankfurt/Main zeichne sich durch „städtebaulich zurückhaltende Eingriffe“ sowie einen „behutsame(n), respektvolle(n) Umgang mit dem Bestand“ aus, lobten die Preisrichter. Den Verfassern gelinge es, „mit relativ geringem Aufwand“ Verbesserungen in der Funktionalität zu erzielen. Vor allem die neue innere Erschließung überzeugte: Eine zusätzliche Treppe und Erweiterung des Foyers unterstütze die Wegebeziehungen im Gebäude und ermögliche zudem eine bessere Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der Kellerräume. Der Innenhof wurde nicht nur erhalten, sondern kann künftig auch als Veranstaltungsbereich genutzt werden. Auch die Kubatur der vorgeschlagenen Hotellösung stieß auf Zustimmung im Preisgericht.

Den zweiten Platz sicherte sich die PFP Planungs GmbH aus Hamburg. Ihr Entwurf stelle „einen guten Beitrag hinsichtlich Klarheit und Neuordnung (dar), um die Kongresshalle zukunftsfähig zu machen“, urteilten die Preisrichter. Besonders gut gelöst seien die Erschließung sowie die Anbindung der einzelnen Bereiche: Der Eingang werde vergrößert und wirke dadurch einladender. Auch die Zonierung des Foyers zum Saalbereich hin, die angemessen dimensionierten Tagungs- und Konferenzräume sowie der Erhalt des Innenhofs wurden positiv bewertet. Die Veränderung im Bereich der ehemaligen Bibliothek (Heute KIZ) sowie das vorgeschlagene Hotel konnten hingegen nicht überzeugen.

Der dritte Preis ging an die Kister Scheithauer Gross Architekten und Stadtplaner GmbH aus Köln. Die Verfasser überdachen den kompletten Innenhof mit einer kreisförmigen Dachtragstruktur und bilden damit eine zentrale Halle aus, die als Foyererweiterung und zusätzliche Ausstellungsfläche bei Kongressen dient. Der Verlust des Freiraums werde zumindest teilweise durch eine neue Freitreppenanlage hin zum Ufer der Wieseck kompensiert, so die Preisrichter. Angetan zeigten sie sich auch vom neuen Nebeneingang zum Kongresszentrum. Zwar liege dieser wenig attraktiv neben der Anlieferung; mit dem gut dimensionierten Flurbereich ermögliche er allerdings eine klare Orientierung im Gebäude. Die weiterhin schmale Haupteingangssituation müsse allerdings überarbeitet werden.

Als „innovativ und zukunftsweisend“ bezeichnete das Preisgericht den Ansatz der viertplatzierten Arbeit der HPP Architekten GmbH aus Leipzig, das Untergeschoss zur Wieseck hin freizulegen. Dies gewährleiste eine natürliche Belichtung der zusammenschaltbaren Tagungs- und Konferenzräume und schaffe neue Flächen für Ausstellungen und Veranstaltungen – „ohne dabei die Qualität des bestehenden Außenraums aufzugeben“, so das Juryurteil. Die neue Erschließung des Tagungsbereichs durch die seitliche Erweiterung des oberen Foyers und die Raumabfolgen „Anlieferung – Catering – Gastrobereich“ wurden gelobt, ebenso die Nähe der gut zu bespielenden Gastronomiefläche zum Innenhof.

Das Preisgericht empfahl dem Auslober, im Falle der Realisierung des 1. Preises zu prüfen, inwiefern die Foyererweiterung Richtung Südanlage zugunsten einer Erweiterung des Foyers im Inneren der Kongresshalle entfallen kann.

Lena Pröhl