Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Feuerwache Bad Soden/Taunus

Preisträger

1. Preis: Jöllenbeck & Wolf Architekten Partnerschaft mbB, Walldorf

26.000 € (netto)

Michael Jöllenbeck, Armin Wolf
Mitarbeit: Nadja Kopp, Benjamin Knopf, Elke Kirsch, Carsten Kamuf, Sabrina Koppert, Sebastian Knopf
Fachberater: HLS Engineering Consult GmbH, Markus Albert, Karlsruhe

2. Preis: Steimle Architekten GmbH, Stuttgart

16.250 € (netto)

Thomas Steimle
Mitarbeit: Manuel Rausch, Chiara Sala
Fachberater: Architektur-Modellbau-Gestaltung, Béla Berec, Esslingen (Modellbau)
 wh-p GmbH, Karsten Held, Stuttgart (Tragwerksplanung)

3. Preis: BAYER & STROBEL ARCHITEKTEN PartGmbB, Kaiserslautern

9.750 € (netto)

Gunther Bayer, Peter Strobel
Mitarbeit: Artur Schäfer, Thorsten Rheinheimer, Maren Richter, Karol Wolczyk, Mohammad Hasanato

Anerkennung: puppendahlarchitektur, Olfen

6.500 € (netto)

Marius Puppendahl
Mitarbeit: Christian Vennemann, Kira Gondrum, Sarah Urbschat

Anerkennung: GEORG SCHEEL WETZEL ARCHITEKTEN GMBH, Berlin

6.500 € (netto)

Tobias Scheel, Simon Wetzel
Mitarbeit: Lisa Herwagen, Leonor Teixeira-Dias
Fachberater: Georg Hana, Berlin (Visualisierung). Fernando Gonzalez, Berlin (Modellbau)

Preisgerichtssitzung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil und vorgeschaltetem Bewerbunsgverfahren
Preisgerichtssitzung 25.06.2018
Ort Bad Soden/Taunus
Auslober Magistrat der Stadt Bad Soden/Taunus
Betreuung a:dk architekten datz kullmann, Mainz
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Helmut Kern, Prof. Peter Karle, Prof. Reinhard Ries, Prof. Kerstin Schultz, Dr. Frank Blasch, Georg Antonius Ohlenschläger, Michael Serba, Nick-Oliver Kromer

Konzept der direkten Wege
Neubau der Feuerwache in Bad Soden am Taunus

Der bisherige Standort der Freiwilligen Feuerwehr Bad Soden am Taunus in der Hunsrückstraße 7-9 weist erhebliche Defizite auf: Vor allem bei der Zu- und Ausfahrtssituation gibt es durch den benachbarten Bau- und Wertstoffhof Einschränkungen. Zudem können die rund 50 Jahre alten Bestandsgebäude den gestiegenen Raumbedarf nicht mehr decken. Da weder eine Sanierung noch ein Neubau auf dem Areal unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll erscheinen, plant die Stadt Bad Soden nun den Umzug der Feuerwache auf das ehemaligen Süwag-Gelände an der Königsteiner Straße.

Auf rund 10.000 Quadratmetern des 12.750 Quadratmeter großen Grundstücks soll künftig die Feuerwache entstehen; die verbleibende Fläche ist als Büro- oder Gewerbefläche zu entwickeln. Zum Raumprogramm zählen neben Räumen für über 100 Aktive einschließlich Jugendfeuerwehr/Minifeuerwehr sowie einer Atemschutzwerkstatt auch zehn Wohnungen. Hinzu kommen Freiflächen wie Stellplätze und Einsatzparkplätze, ein Alarm- und Übungshof sowie ein Zwischenlager für kontaminierte Reststoffe. Nach einer europaweiten Ausschreibung des Bauprojekts wurden 25 Planungsbüros zum Wettbewerb zugelassen; 19 davon reichten ihre Pläne und Modelle ein. Das Preisgericht, dem Prof. Zvonko Turkali aus Frankfurt vorsaß, vergab drei Preise sowie zwei Anerkennungen. Betreut wurde das Verfahren vom Mainzer Büro a:dk architekten datz kullmann.

Der erste Preis ging an die Jöllenbeck & Wolf Architekten Partnerschaft mbB aus Walldorf für ihren „sehr guten Beitrag zum Neubau einer zeitgemäßen Feuerwache“. Die Verfasser schlagen drei Gebäudeteile vor – „zwei Hochpunkte und einen flacheren, leicht zurückspringenden Verbindungsbau“: Die im Süden platzierten Flächen für die Dienstleistungs- und Büronutzung orientieren sich zu einem mit der Feuerwehr gemeinsamen Vorplatz. Den Haupteingang markiert das dreigeschossige Kopfgebäude der Feuerwehr mit Verwaltung und Schulungsräumen. „Sowohl in den gut nutzbaren Außenbereichen“, so die Preisrichter, „als auch im Inneren des Gebäudes ist eine hohe Funktionalität für die Feuerwehr gegeben.“ Diese werde durch die „klare Ordnung“, die „gute Orientierung“ sowie die „kurzen Wege im Gebäude“ noch unterstützt. Auch die „spannungsvolle Raumfolge im Inneren“ überzeugte: Vom Foyer aus, das Blicke in die Fahrzeughalle zulässt, gelangt man in den Multifunktionsraum; die Fahrzeughalle ist zur Hauptstraße gewandt. In einem separaten Gebäude sind die geforderten Wohnungen nachgewiesen, denen die Preisrichter „hohe Wohnqualität“ bescheinigten.

Auf dem zweiten Platz landete die Steimle Architekten GmbH aus Stuttgart, deren Entwurf durch eine „moderne und klare Formensprache“ besteche. „Der großzügige Eingangsbereich, der prägnante Treppenturm sowie die zur Hauptstraße angeordnete Fahrzeughalle machen den Standort bereits aus der Ferne kenntlich“, zumal die gläserner Fahrzeughalle mit den darüberliegenden geschlossenen Fassaden einen „spannungsvollen Kontrast im städtischen Kontext“ bilde. Sowohl die Platzierung als auch die funktionale, innere Erschließung des Gebäudes wurden gewürdigt. Die Anordnung der Wohnnutzungen auf dem Dach verspreche hohe Wohnqualität; der Zugang sei jedoch nicht ausreichend von der Feuerwehrnutzung getrennt. Auch der geforderte Übungshof müsse noch ausgearbeitet werden.

Der drittplatzierten Arbeit der BAYER & STROBEL ARCHITEKTEN PartGmbB aus Kaiserslautern attestierten die Preisrichter „eine hohe städtebauliche Qualität“. Durch die nach West und Ost orientierten Ausfahrten aus der Fahrzeughalle und die versetzt dazu angeordneten Nebenbereichen entstünden differenzierte, vielfältig nutzbare Außenbereiche. Die Wohnungen sind durch ihre Lage im zweiten bzw. dritten Obergeschoss vom Feuerwehrbetrieb separiert; die Orientierung nach Nordosten müsste in Bezug auf die Wohnqualität jedoch überdacht werden. Insgesamt sei es den Verfassern gelungen, einen „ansprechende(n) und repräsentative(n) Baukörper mit qualitativ hochwertiger Anmutung“ zu entwickeln.

Eine Anerkennung ging an puppendahlarchitektur aus Olfen, deren eindeutig zur Straße orientierter Neubau die Integration und Auffindbarkeit der Feuerwehr im städtischen Gefüge unterstütze. Mit einer weiteren Anerkennung würdigte das Preisgericht die interessante Idee der GEORG SCHEEL WETZEL ARCHITEKTEN GMBH aus Berlin, die Feuerwache als „Klinkermonolith“ zu interpretieren.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, den ersten Preisträger mit der weiteren Bearbeitung zu beauftragen.

Lena Pröhl