Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Anbau Kita Wiegelsweg, Schwalmstadt Treysa

Preisträger

1. Preis: Roller Architekten GmbH, Kassel

4.000 € (netto)

Friedemann Roller
Mitarbeit: Astrid Nolte, Christin Ansorge-Sautner, Jana-Isabell Werner

2. Preis: RJ-Planungsbüro GbR, Kassel

3.500 € (netto)

Thomas Georg
Mitarbeit: Julia Kayser

3. Preis: K. Baumunk + J. Engel Architekten, Schwalmstadt

2.500 € (netto)

Kurt Baumunk
Mitarbeit: Jörg Engel, Leonie Brandner

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 25.05.2018
Ort Schwalmstadt-Treysa
Auslober Magistrat der Stadt Schwalmstadt
Betreuung Stadtbauamt Schwalmstadt
Preisrichter Susanne Wartzeck (Vorsitz), Prof. Philipp Krebs, Mario Lang, Stefan Pinhard, Lothar Ditter

Konzept mit Zukunftsperspektive
Anbau an die KiTa Wiegelsweg in Schwalmstadt-Treysa

Nicht nur in Großstädten fehlen Kindergartenplätze. Auch im nordhessischen Schwalmstadt werden dringend weitere Plätze benötigt. Um den gestiegenen Bedarf zu decken, plant die Stadt Schwalmstadt nun einen zweigruppigen Anbau an die Kindertagesstätte Wiegelsweg im Stadtteil Treysa.

Die Kindertagesstätte wurde von RJ Architekten aus Kassel im Jahr 2012 geplant und 2013 als Krippeneinrichtung gebaut. Bis zu 24 Kinder unter drei Jahren werden hier betreut. Die Erweiterung soll nun Räume für zwei Kindergartengruppen mit insgesamt 50 Kindern schaffen sowie einen Multifunktionsraum, der auch von den Krippenkindern mitgenutzt werden kann. Das Raumprogramm, das weitgehend ebenerdig umzusetzen ist, sieht zudem einen Ruhe- und Werkraum vor sowie eine Küche, in der gemeinsam oder in kleineren Gruppen gegessen werden kann. Darüber hinaus wurde ein Besprechungsraum/Büro gefordert, der Eltern in der Eingewöhnungsphase auch als Warte- und Rückzugsmöglichkeit dienen soll. Der Anbau soll eine freundliche und phantasieanregende Atmosphäre schaffen und architektonisch ansprechend, funktional und wirtschaftlich sein. Dabei ist die Erweiterung so auf dem 2.800 Quadratmeter großen Grundstück zu platzieren, dass der Freiraum seine Qualität und die hochwertige Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeit nicht verliert. Das Wettbewerbsverfahren wurde vom Stadtbauamt betreut. Unter den acht eingereichten Arbeiten vergab das Preisgericht, dem Susanne Wartzeck aus Dipperz vorsaß, drei Preise.

Der Siegerentwurf der Roller Architekten GmbH aus Kassel besticht durch seine „hohe innen- und außenräumliche Qualität“, so das Preisgericht. Die Verfasser positionieren den Neubau in Holzbauweise „geschickt“ auf der Nordseite des Bestandsgebäudes, wodurch eine zusammenhängende Spielfläche im Westen mit Blickbeziehungen in den angrenzenden Landschaftsraum entsteht. „Die Erschließung des Anbaus ist logisch an der Südwestecke verortet und verknüpft beide Gebäudeteile“, lobten die Preisrichter. Auch der überdachte Gang um das Gebäude überzeugte, ebenso wie der baulich gefasste, in Teilen witterungsgeschützte Spielhof. Dieser werde eine „einzigartige Atmosphäre mit großen Aneignungsmöglichkeiten“ schaffen, waren sich die Preisrichter sicher. Als besonders gelungen erachteten sie die Gliederung in den gemeinschaftlich genutzten Eingangsbereich mit Windfang, Büro, Elterncafé und Multifunktionsraum, der auch von den Krippenkindern genutzt werden kann, und den eher „privateren“ Bereich der Gruppenräume mit zugehörigen Funktionsräumen. Die Lage der Räume im Norden wurde kontrovers diskutiert, jedoch aufgrund der gelungenen Beziehung zum Spielhof für positiv befunden. Eine Chance für die Zukunft stelle zudem die Erweiterbarkeit des Konzeptes nach Westen dar, hieß es in der Urteilsbegründung.

Der zweite Preis ging an die RJ-Planungsbüro GbR aus Kassel. Der als Massivbau geplante Erweiterungsbau orientiert sich am Motiv eines Dorfplatzes: Über einen separaten Eingang von der Südseite (Wiegelsweg) erreicht man den großzügigen Spielraum in der Mitte des „Dorfplatzes“. Von hier aus sind alle Funktionen gut erschlossen. Neben dem Eingang befindet sich der Personal- und Besprechungsraum; der Multifunktionsraum im Herzen des Gebäudes kann zu den anderen Räumen abgeschlossen werden. Besonders positiv bewerteten die Preisrichter die nach Westen orientierten Gruppenräume mit zusätzlicher Spielebene und vorgelagerter Terrasse. Die Terrasse biete „gute Möglichkeiten zur Bespielung“ und verbinde darüber hinaus die Gruppenräume mit der Küche. Auch die Verbindung von Küche und Werkraum und die damit einhergehende Flexibilität wurden gelobt.

Mit einem dritten Preis wurde der Entwurf der K. Baumunk + J. Engel Architekten aus Schwalmstadt bedacht. Die Verfasser präsentieren einen kompakten, eingeschossigen Flachdachbau im Nord-Westen des Grundstücks, der „leider in seinem architektonischen Ausdruck hinter der Grundrissqualität zurückbleibt“, so die Preisrichter. Sie begrüßten sowohl die Lage von Ruheraum und zentralem Büro, als auch den Zusammenschluss von Werkraum und Küche und das zusätzliche Angebot einer davorliegenden Terrasse. Die nach Süden orientierten Gruppenräume seien gut proportioniert; eine zusätzliche Spielebene wünschenswert. Zwar liege der Multifunktionsraum ganz im Norden, er sei aber „direkt und geradlinig an die Krippe angebunden“.

Das Preisgericht empfahl dem Auslober, die mit dem ersten Preis prämierte Arbeit zur Grundlage der weiteren Bearbeitung zu wählen. Neben einer Überarbeitung der Zugangssituation – diese solle von Südwesten erfolgen, um die Fläche des Spielbereiches U3 und den Ruheraum U3 nicht einzuschränken – sollten auch die großen, aufwendigen Glasflächen überprüft werden.

Lena Pröhl