Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neustrukturierung, Sanierung und Erweiterung Gesamtschule Gießen-Ost

Preisträger

1. Preis: Lamott.Lamott, Stuttgart

46.000 € (netto)

Prof. Ansgar Lamott, Caterina Lamott
Mitarbeit: Lukas Kaufmann, Julius Winklhofer
Fachberater: Schreiber Ingenieure, Dr. Volker Schreiber, Stuttgart, Chris Menzel (Visualisierung), Philipp Villwock (Modellbau)

2. Preis: STUDIO SF, Mannheim

30.000 € (netto)

Simon Fischer
Mitarbeit: Yasin Ugur, Nicola Violano, Melanie Stefke, Juliane Quessel, Maria Haas
Fachberater: Balck+Partner Facility Engineering, Gerhard Kuder, Heidelberg, AN STUDIO, Quang Huy Nguyen, Frankfurt (Visualisierung), gbm Modellbau GmbH, Darmstadt

2. Preis: hkr. architekten gmbh, Gelnhausen

30.000 € (netto)

Andreas Hänsel
Mitarbeit: Sina Berkel, Anika Emge-Ketteniss
Fachberater: Jochen Weber, Judith Lochner

Anerkennung: foundation 5+ architekten, Kassel

9.000 € (netto)

Prof. Philipp Krebs, Matthias Foitzik
Mitarbeit: Lisa-Marie Schmidt, Karoline Neumayer, Finn Cawalla
Fachberater: Karin Haberstroh (Tragwerksplanung), Gerd Reuter (Brandschutz), Innovatec, Joachim Otte (TGA)

Anerkennung: felix schürmann ellen dettinger architekten, München

9.000 € (netto)

Prof. Felix Schürmann, Ellen Dettinger
Mitarbeit: Max Blume, Patrick Fromme, Anna Schulte, Lisa-Marie Sawall
Fachberater: Max Matthes (Modellbau)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener hochbaulicher Realisierungswettbewerb mit qualifiziertem, vorgeschaltetem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 05.06.2018
Ort Gießen
Auslober Magistrat der Stadt Gießen
Betreuung THOMASGRÜNINGERARCHITEKTEN, Darmstadt
Preisrichter Christian Nasedy (Vorsitz), Sascha Buurman, Kristin Dirschl, Prof. Ulrich Hamann, Prof. Jürgen Hauck, Katja Buß, Astrid Eibelshäuser, Dr. Frank Reuber

Offenes Lernraumkonzept
Neustrukturierung, Sanierung und Erweiterung der Gesamtschule Gießen-Ost

Die Gesamtschule Gießen-Ost feiert 2018 ihren 50. Geburtstag – ein Grund zum Feiern. Doch das in die Jahre gekommene Schulgebäude der integrierten Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe für rund 1.500 Schüler ist dringend sanierungsbedürftig; modernes pädagogisches Arbeiten fällt hier schwer.

Die Stadt Gießen plant daher eine grundlegende Sanierung der Schule, die u. a. durch Mittel des Kommunalinvestitionsprogramms des Bundes finanziert werden soll. Neben der energetischen Sanierung der Gebäudehülle mit gestalterischem Gesamtkonzept für Fassade und Dach ist eine Neustrukturierung der zentralen Erschließung und Funktionen mit Mediothek und Räumen für Darstellendes Spiel vorgesehen. Darüber hinaus sollen in einem Neubau künftig Mensa, Aula sowie sechzehn Klassenräume Platz finden. Für die Sekundarstufe 1 und 2 ist dabei ein offenes Lernraumkonzept umzusetzen. Die Maßnahme soll in Bauabschnitten ausgeführt werden. Vorschläge hierfür lieferte nun der nichtoffene hochbauliche Realisierungswettbewerb mit qualifiziertem, vorgeschaltetem Auswahlverfahren, der von den THOMASGRÜNINGERARCHITEKTEN aus Darmstadt betreut wurde. 25 Planungsbüros waren zum Wettbewerb zugelassen; elf reichten ihre Pläne und Modelle ein. Das Preisgericht unter Vorsitz des Darmstädter Architekten Christian Nasedy vergab einen ersten und zwei zweite Preise sowie drei Anerkennungen.

Als Sieger setzte sich das Stuttgarter Büro Lamott.Lamott durch. Die Verfasser schlagen eine pavillonartige Struktur vor: Der lineare Hauptbaukörper wird über Fugen aufgebrochen und in drei Clusterhäuser zurückgebaut. Diesen werden drei neue Baukörper hinzugefügt, sodass drei Innenhöfe unterschiedlicher Tiefe entstehen. Besonders positiv bewertete das Preisgericht die Abfolge von Eingang, Halle, Hof und Mensa. Die Aula werde geschickt – auch von der neuen Eingangshalle aus – erschlossen. Räume der Schulleitung und Verwaltung sind nun zentral im Erdgeschoss angeordnet. Das „Herz der Schule“ ist der „gut proportionierte zentrale Innenhof“ mit angrenzender Mensa, der eine „schöne und identitätsstiftende Atmosphäre im Zentrum der Anlage“ schaffe, waren sich die Preisrichter sicher. Auch die Ansichten, die „einen ruhigen, unaufgeregten Gesamtcharakter“ vermitteln, überzeugten. Die Realisierung in Bauabschnitten wurde nicht als ideal, aber als möglich gewertet.

Ein zweiter Platz ging an das Mannheimer STUDIO SF. Durch geschickte Anordnung von zwei neuen Baukörpern entstehen im Süden neue Freiräume, die von Mensa, Mediathek aber auch vom Schulboulevard und direkt vom Haupteingang zugänglich sind. Im offenen Erdgeschoss bilden Boulevard, Eingangsbereich mit Sekretariat, Mensa, Aula und Mediathek die neue Mitte. Im Obergeschoss werden die Jahrgangsstufen in Clustern abgebildet, die über den Schulboulevard miteinander verbunden sind. Optimierungspotenzial sah das Preisgericht jedoch bei den mittig angeordneten Lernlandschaften, der Organisation der Fachklassen im Neubau sowie der Materialwahl, die für das Bestandsgebäude Faserzementplatten und für den Neubauten Sichtbeton und Aluminium Elementfassaden vorsieht.

Mit einem weiteren zweiten Preis wurde der Entwurf der hkr. architekten gmbh aus Gelnhausen prämiert. Die Verfasser konzipieren die Schule als Campus mit vier Einzel-Volumen: Neben dem langen Bestandsriegel, der zu einem viergeschossigen Lernhaus arrondiert wird, gibt es drei Themenhäuser (Forschungshaus mit Mensa, Musikhaus und Theaterhaus) mit Dachgärten. Alle Bauteile sind über Stege räumlich und inhaltlich vernetzt, wodurch interessante Blickbeziehungen entstünden, so die Preisrichter. Vom Haupteingang gelangt man in eine großzügige Pausenhalle, um die sich Sekretariat, Mediathek sowie Kunst-, Werk- und Schulküche gruppieren. Von hier aus erreicht man auch den zentralen Freibereich mit Zugang zu den Themenhäusern. Eine klare, einfache und übersichtliche Wegeführung unterstützt die Orientierung innerhalb der Anlage. Das angestrebte pädagogische Konzept sei realisierbar; die Lernlandschaften versprechen „ein vielfältiges, flexibles und zukunftsfähiges Lernumfeld“, urteilte das Preisgericht. Der allzu großzügige Umgang mit Flächen sei jedoch zu überdenken.

Anerkennungen gingen an foundation 5+ architekten aus Kassel, felix schürmann ellen dettinger architekten aus München sowie an die sdks architekten partner mbB aus Darmstadt.

Lena Pröhl