Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Kindertagesstätte St. Winfried, Bensheim

Preisträger

1. Preis: mtp architekten gmbh, Frankfurt/Main

6.500 € (netto)

Martin Rudolf, Nana Busch
Mitarbeit: Harald Neumann, Dirk Siebel, Melanie Volkert, Jose Lopez

2. Preis: ELEMENT-A Architekten PartmbB, Taufenbach Speer, Heidelberg

3.250 € (netto)

Christian Taufenbach, Kirsten Staemmler
Fachberater: Kepos Garten & Landschaftsarchitektur, Carola Dittrich, Weinheim

2. Preis: MEURER GENERALPLANER GMBH, Frankfurt/Main

3.250 € (netto)

Prof. Tom Meurer, Kristina Meurer
Mitarbeit: Marco Fitzthum, Yannick Langer

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb als Einladungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 15.03.2018
Ort Bensheim
Auslober Katholische Pfarrgemeinde St. Laurentius mit dem Bistum
Betreuung a:dk architekten datz kullmann, Mainz
Preisrichter Prof. Kerstin Schultz (Vorsitz), Johannes Krämer, Bernhard Poganiuch, Dr. Werner Wolf-Holzäpfel, Stefanie Beetz, Ingo Dörner, Harald Poggel, Rolf Richter

"Entdecken, forschen und experimentieren"
Neubau der Kita St. Winfried in Bensheim

Die katholische Kirchengemeinde St. Winfried in Bensheim an der Bergstraße plant auf ihrem Grundstück an der Ecke Adolf-Kolping-Straße und Tannbergstraße den Neubau einer Kindertagesstätte. Denn das bestehende Gebäude, das im Jahre 1954 als eingeschossiger Baukörper mit einem Souterrain errichtet und in den 1970er Jahren erweitert wurde, ist in funktionaler und technischer Hinsicht nicht mehr zeitgemäß. Auch steigen kontinuierlich die Anmeldezahlen, sodass zusätzlicher Raum benötigt wird.

Für die Gestaltung der maximal zweigeschossigen Kindertagesstätte, die auch einen separat zugänglichen Jugendraum erhalten sollte, wurde ein nichtoffener Realisierungswettbewerb ausgelobt. Die Betreuung des Verfahrens gewährleistete die a:dk architekten datz kullmann aus Mainz. In dem Neubau sollen künftig bis zu 100 Kinder nach dem offenen Konzept „Entdecken, fördern und experimentieren“ in fünf Stammgruppen altersübergreifend von 2 - 6 Jahren betreut werden. Neben den Gruppen- bzw. Erfahrungsräumen wurden u. a. zwei Schlafräume, ein Bistro, ein Büro, ein Besprechungsraum, eine Küche und ein Therapieraum gefordert. Da die Kindertagesstätte viele Kinder mit Migrationshintergrund und aus sozial benachteiligten Familien beherbergt, mit denen das Team der Kita intensiv im Gespräch ist, war zudem ein Elterncafé vorzusehen. Weitere Ziele waren eine vollständige Barrierefreiheit der Räume, eine abwechslungsreiche, anregende Gestaltung, ein offener Gesamteindruck sowie ein starker Bezug der Gruppenräume zum naturnah gestalteten Außenraum. Die Räume sollen langfristig flexibel nutzbar sein und sich wandelnden Funktionen und Bedingungen anpassen können. Zehn Büros waren eingeladen worden, ihre Ideen einzureichen. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Kerstin Schultz vergab einstimmig einen ersten sowie zwei zweite Preise.

Der Siegerentwurf der mtp architekten gmbh aus Frankfurt/Main konnte „sowohl städtebaulich, außenräumlich als auch in Bezug auf seine innere Struktur“ die Preisrichter für sich gewinnen. Der langgestreckte, zweigeschossige Baukörper an der Tannbergstraße schaffe durch eingeschossige Bauteile einen gelungenen Übergang zu den benachbarten Wohnhäusern. Besonders positiv wurde die Eingangssituation bewertet: Über einen Vorhof gelangt man zum Haupteingang. Dieser liegt auf Höhe des gegenüberliegenden Kirchturms und unterstütze dadurch Synergien zwischen den unterschiedlichen kirchlichen Nutzungen. „Sehr gut gelöst“, so das Preisgericht, „ist die ausgesprochen knappe und effiziente innere Erschließung des Gebäudes.“ Das Raumprogramm ist in wesentlichen Teilen nachgewiesen; die Gruppenräume nach Osten orientiert. Auch das Freiraumkonzept überzeugte: Vor Straßenlärm und Einblicken geschützt bilde der Freibereich mit den Nachbargärten einen „optisch zusammenhängenden und dadurch großzügigen Grünraum innerhalb des Straßengevierts.“

Ein zweiter Preis ging an die ELEMENT-A Architekten PartmbB Taufenbach Speer aus Heidelberg. Den Verfassern gelinge es, die „vertraute Qualität des Bestandes in ein neues Gebäude zu übertragen“. Die städtebauliche Disposition des Bestands aufgreifend wird die Kindertagesstätte als winkelförmiges, zweigeschossiges Gebäude entlang der östlichen Grundstücksgrenze und der Adolph-Kolping-Straße angeordnet. Der Eingang befindet sich im Scheitel des Winkels. Die Zugangssituation sei – wie bisher –„relativ offen“. Dennoch sei eine stärkere Strukturierung als klares Gelenk wünschenswert. Die Nebenräume sind nach Osten orientiert, die Gruppenräume wenden sich nach Westen zu den Spiel- und Freiflächen. Obwohl etwas dezentral, verspreche das Bistro in Verbindung mit dem Außenbereich eine gute Akzeptanz und Nutzung.

Mit einem weiteren zweiten Preis wurde die MEURER GENERALPLANER GmbH aus Frankfurt/Main für ihren „starke(n), eindeutige(n) und in sich schlüssige(n) Beitrag“ bedacht. Insbesondere die städtebauliche Setzung der neuen Kita stach positiv heraus: Der kompakte, quadratische Baukörper ist an der südlichen Grundstücksgrenze platziert, wodurch eine „großzügige Freifläche“ entsteht. Der Eingang ist nach Süden zur Adolph-Kolping-Straße orientiert, biete aber auch die Möglichkeit des Zugangs von der Tannbergstraße. Die „ausgesprochen klare und logische Zonierung des Grundrisssystems, das dem Konzept zugleich eine große Kraft wie auch eine hohe Flexibilität“ verleihe, wurde gelobt, ebenso die  „hohen räumlichen Qualitäten des Entwurfs mit seiner großzügigen, den Freiflächen zugewandten Erschließungsachse.“

Das Preisgericht empfahl dem Auslober, mit dem 1. Preisträger für die weitere Bearbeitung in Auftragsverhandlungen zu treten.

Lena Pröhl