Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Landesgartenschau 2023 in Fulda

Preisträger

1. Preis: A24 Landschaft GmbH, mit yellow z BERLIN, beide Berlin

60.000 € (netto)

Steffan Robel, Jan Grimmek, Oliver Bormann
Mitarbeit: Oliver Ferger, Nathalie Esposito, Olivia Grandi, Jean Bonasse-Blanchou
Fachberater: visuz, Mario Zander, Berlin (Visualisierung)

2. Preis: Capatti Staubach Landschaftsarchitekten, Berlin

35.000 € (netto)

Matthias Staubach, Tancredi Capatti
Mitarbeit: Thomas Steinborn, Anne Rohde, Pauline Bolle

3. Preis: geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

20.000 € (netto)

Christof Geskes
Mitarbeit: Stefen Hack, Chiara Bellesi, Steve Raschke
Fachberater: Kolb Ripke Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

3. Preis: hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin

20.000 € (netto)

Barbara Hutter, Stefan Reimann
Mitarbeit: Henning Holk, Lars Schöberl, Martin Langner
Fachberater: MayerWittig Architekten und Stadtplaner GBR, Isabel Mayer, Cottbus

Anerkennung: Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden

11.500 € (netto)

Till Rehwaldt
Mitarbeit: Carolina Keller, Tanja Murko, Isabel Schergaut

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Einphasiger, offener städtebaulicher und freiraumplanerischer Ideen- und Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 29.05.2018
Ort Fulda
Auslober Magistrat der Stadt Fulda
Betreuung arc.grün I landschaftsarchitekten.stadtplaner.gmbh, Kitzingen
Preisrichter Prof. Ulrike Böhm (Vorsitz), Martina Levin, Klaus Bierbaum, Joachim Kaiser, Jürgen Werner, Daniel Schreiner, Werner Krah, Dirk Handwerk

An die Aue
Landesgartenschau 2023 in Fulda

Die nächste Landesgartenschau findet 2023 in Fulda statt. Nach der erfolgreichen ersten hessischen Landesgartenschau 1994 in Fulda soll nunmehr ein weiterer, richtungsweisender Meilenstein in der Stadtentwicklung gelegt werden. Ziel ist es, die vor­handenen Grünanlagen und Freiräume aufzuwerten und künftig noch besser miteinan­der zu vernetzen.

Hierfür hatte die Stadt einen einphasigen, offenen städtebaulichen und freiraumplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgelobt, der von der arc.grün I landschaftsarchitekten.stadtplaner.gmbh aus Kitzingen betreut wurde. Neben der Ausarbeitung einer Ausstellungskonzeption für den Bereich der Landesgartenschau, sollte im städtebaulichen Ideenteil eine mit der Aue verzahnte Stadtkante entwickelt werden. Der Gartenschaubereich im Westen soll künftig den neuen Stadtteil „Fulda-Galerie“ über eine Grünachse mit dem Stadtzentrum und der Fuldaaue verbinden und die peripheren Industrieareale an die Aue heranführen. Die im Osten liegenden Aueweiher sollen als attraktive Wasserflächen gestaltet und als wertvolle Biotopbereiche nachhaltig gesichert werden. Der „Heimattiergarten“ – ein beliebter Familienausflugsort mit erlebbarer Tierwelt – war ebenfalls Teil der Gartenschau und sollte konzeptionell mit eingebunden werden; ebenso der Bereich um das Deutsche Feuerwehrmuseum sowie das zurzeit der Landesgartenschau 1994 entstandene Umweltzentrum, das als „Gelenk“ zwischen den beiden Teilen Ost und West fungiert. Vier der fünfzehn eingereichten Arbeiten wurden prämiert, sie stammen allesamt von Berliner Architekturbüros.

Dem Siegerentwurf der Bewerbergemeinschaft A24 Landschaft GmbH in Zusammenarbeit mit yellow z gelinge eine „wohltuende Balance zwischen dem Erhalt qualitätsvoller Landschaftsräume, der behutsamen Weiterentwicklung vorhandener und charakteristischer Orte im Gelände und der Schaffung einer Abfolge attraktiver Aktions- und Verweilangebote.“ Gestaltgebendes Element ist das Motiv des Wiesenbands mit integriertem Nutzungsangebot: Vogelbeobachtungsstation, Wasserspielplatz, Seeterrasse mit Gastronomie und Strand versprechen auch über die Gartenschau hinaus „attraktive Erlebnisse für die Besucher der Flussaue“, waren sich die Preisrichter sicher. Als besonders gelungen bewerteten sie die Verbindung in die Südstadt über einen neuen Eingangsplatz am Wasser. Auch das Gartenschaukonzept mit den drei thematisch differenzierten Erlebnisrouten Aue Loop, Industrie Loop und Agrar Loop wurde begrüßt.

Der zweite Preis ging an das Büro Capatti Staubach Landschaftsarchitekten. Als wiederkehrendes Element verbinden Plätze mit Hainen bzw. Baumkarrees die verschiedenen Teilbereiche. Besondere Stärke der Arbeit, so die Preisrichter, sei die Wegeführung entlang des Heimattiergartens zur Hauptattraktion des in die Brücke integrierten "Baumwipfelloops". Zudem lobten sie die Raumbildung am Engelshaus sowie die Gestaltung der Flächen am Licht- und Luftbad. Der Bereich wird durch die Einbeziehung von Wehr und Fischtreppe sowie einem Naturtheater „so stärker wieder ein Teil der Aue und verspricht neue Aufenthalts- und Nutzungsqualitäten“, urteilte das Preisgericht. Das Auengelände mit Baumkarree und Kanalpromenade bilde einen gelungenen Auftakt in das Auengelände; der naturnahe Charakter der Ausgleichsfläche bleibe erhalten.

Das bestimmende Thema der drittplatzierten Arbeit der geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH ist die Verbindung der Galerie mit der Fuldaaue: Stadtbalkone auf dem Verbindungsweg mit Sitzplätzen und Gastronomie unterbrechen die lange Strecke und werten die Wegeverbindung auf. „Das um den See verlaufende Wegenetz passt sich der vorhandenen Situation gut an und lässt nach Rückbau der Landverbindung am Auerweiher vielfältige Blickbeziehungen zu“, so die Preisrichter. Darüber hinaus würdigten sie die Gestaltung des Badegartens mit Terrasse zur Fuldaaue hin. Die vorgeschlagene Randbebauung mit sechs Einzelgebäuden hingegen falle zu kleingliedrig aus und könne sich kaum gegen die massive Bebauung des Dura-Geländes abgrenzen.

Mit einem weiteren dritten Platz wurden die hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH bedacht, deren Arbeit insbesondere im westlichen Teil des Wettbewerbsgebiets und im Übergang von dort zur Aue Stärken aufweise. Der Bereich zwischen Brücke und Fulda-Galerie sei ruhig gehalten; die Querung des Heimattiergartens erfolge schlüssig mittels einer Brücke mit Aussichtsplattform und platzartigen Erweiterungen am jeweiligen Brückenende. Die St.-Laurentius-Straße wird verlängert bis zum Altarm der Fulda und bildet dort einen „Uferplatz mit Entdeckerqualitäten“ aus. Der Auepark wird durch einen Rundweg um den Weiher und das Feuerwehrgebäude gekennzeichnet. Auch den Übergang zur Stadt im Süden mit Spiel- und Erholungsflächen erachten die Preisrichter als gelungen. Das städtebauliche Konzept mit einem dichten, viergeschossigen Headquarter vor dem Dura-Gelände konnte nicht gänzlich überzeugen.

Mit Anerkennungen wurden ferner die Arbeiten der Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden und der Götte Landschaftsarchitekten GmbH aus Frankfurt/Main in Zusammenarbeit mit Remo Malnar aus Hohenstein gewürdigt.

Das Preisgericht, unter Vorsitz der Berliner Landschaftsarchitektin Prof. Ulrike Böhm, empfahl übereinstimmend, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit den weiteren Planungen zu beauftragen. Hierbei sollen unter anderem das städtebauliche Konzept sowie das Umfeld und die Erweiterung am Umweltzentrum nochmals überarbeitet werden.

Lena Pröhl