Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Rathaus Hainburg

Preisträger

1. Preis: STUDIOBORNHEIM, Unger Ritter Architekten, Frankfurt/Main

11.400 € (netto)

Christoph Unger, Peter Ritter
Mitarbeit: Anne Mertins, David Lüken, Jörg Kallmeyer
Fachberater: B+G Ingenieure, Bollinger und Grohmann GmbH, Frankfurt/Main (Tragwerksplanung)

2. Preis: Dannheimer & Joos Architekten GmbH, München

7.125 (netto)

Tilman Joos, Veronika Dannheimer
Mitarbeit: Lukas Naumann, Lea Kimminich, Eva Beham, Tatjana Abbenseth
Fachberater: Ingenieur- und Sachverständigenbüro Möws, Wolgast

3. Preis: Muffler Architekten, Tuttlingen

4.275 € (netto)

Michael Muffler
Mitarbeit: Heidrun Muffler, Petra Messmer, Nathalie Bischoff

Anerkennung: Bau EINS Architekten, Kaiserslautern

2.850 € (netto)

Denis Andernach, Nicolas Bahnemann
Mitarbeit: Andrea Rappold, Alexander Koschnick, Robert Weber

Anerkennung: wittfoht architekten, Stuttgart

2.850 € (netto)

Prof. Jens Wittfoht
Mitarbeit: Benjamin Wedig, Bianca Radu, Paula Noack, Zhitao Cong
Fachberater: Bobran Ingenieure (Akustik und thermische Bauphysik)  

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einphasiger, nichtoffener, hochbaulicher Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 17.04.2018
Ort Hainburg
Auslober Gemeinde Hainburg
Betreuung Freischlad + Holz, Architekten, Planung und Architektur, Darmstadt
Preisrichter Ferdinand Heide (Vorsitz), Detlev König, Andreas Krawczyk, Claudia Meixner, Monika Weber-Pahl, Holger Zimmer, Alexander Böhn, Manfred Tilsner, Cliff Hollmann, Christian Spahn, Jürgen Harrer

Modernes Dienstleistungszentrum
Neubau des Rathauses in Hainburg

Im Kreis Offenbach, ca. 30 km östlich von Frankfurt entfernt, liegt die 14.000 Einwohner starke Gemeinde Hainburg. Sie ging 1977 aus den heutigen Ortsteilen Klein-Krotzenburg und Hainstadt hervor. Die dezentral untergebrachte Gemeindeverwaltung entspricht nicht mehr zeitgemäßen Anforderungen. Die Gemeinde plant daher den Neubau eines Rathauses als modernes Dienstleistungszentrum, in dem sich Besucher gut zurechtfinden und Ämter über kurze Wege miteinander verbunden sind.

Vorschläge lieferte nun der einphasige, nichtoffene Realisierungswettbewerb, den das Darmstädter Büro Freischlad + Holz, Architekten, Planung und Architektur betreute. Das im Eigentum der Gemeinde Hainburg befindliche Wettbewerbsgrundstück liegt im Ortsteil Klein-Krotzenburg in markanter Lage zur Landstraße L 3065 und Kirchstraße. Es wird umgeben von Grünflächen, Gemeinbedarfseinrichtungen, Wohngebäuden und Gewerbe. Das neue Rathaus soll die dezentralen Teile der Verwaltung zusammenführen – darunter die Rathäuser Hainstadt und Klein-Krotzenburg, das Bauamt Hainstadt, die Verwaltungen des Müllabfuhr-Zweckverbands und der Volkshochschule sowie die Gemeindewerke. In Maßstab und Proportion soll sich der Neubau in die Umgebung einfügen und zugleich als identitätsstiftender Ort für die gesamte Gemeinde fungieren. Auf die EU-weite Bekanntmachung hatten sich 80 Büros gemeldet, 20 davon wurden zum Wettbewerb zugelassen. Das Preisgericht unter Vorsitz von Ferdinand Heide vergab drei Preise und zwei Anerkennungen.  

Der Siegerentwurf des Frankfurter Büros STUDIOBORNHEIM Unger Ritter Architekten sieht einen zweigeschossigen, quadratischen Baukörper vor, der sich selbstbewusst zur Kirchstraße orientiert. Leicht zum Bankgebäude zurückgesetzt, bildet er einen kleinen Vorplatz aus, der zum Rathaus führt. Die wichtigsten öffentlichen Funktionen sind im Erdgeschoss angeordnet; das Trauzimmer, das Büro des Bürgermeisters und weitere Büros im Obergeschoss. „Kurze Wege und Bürgernähe sind durch zwei Treppenhäuser und eine Freitreppe gegeben“, lobten die Preisrichter. Besonders positiv hoben sie die beiden Innenhöfe hervor, die eine energiesparende, natürliche Belichtung sowie Querlüftung ermöglichten. Auch die Materialwahl – vorwiegend Beton, Glas und Holz – konnte überzeugen, zumal die großzügige Verglasung dem Gebäude „ein modernes, strukturiertes und klar gegliedertes Erscheinungsbild“ verleihe. Insgesamt handle es sich um einen „sehr stimmigen, ausgewogenen Entwurf, der Offenheit ausstrahlt und die Anforderungen an ein zukunftsfähiges Rathaus durch sparsamen Umgang mit allen zur Verfügung stehenden Ressourcen gewährleistet“, so das Urteil.

Die zweitplatzierte Arbeit der Dannheimer & Joos Architekten GmbH aus München schlägt als einzige der prämierten Arbeiten eine Viergeschossigkeit vor. Dadurch setze sich „das Rathaus städtebaulich klar von der lapidaren Umgebungsbebauung ab“. Von der Kirchstraße aus gelangt man über einen großzügigen Platz ins Gebäude. Über eine zentrale Halle mit offenen Treppen, Galerien und natürlicher Belichtung sind alle Funktionsbereiche räumlich verbunden: Im Erdgeschoss sind um den zentralen Erschließungsraum die Bürgerbüros angeordnet; im 1. Obergeschoss der Multifunktionsraum und das Trauzimmer. Weitere Büroräume befinden sich im 2. und 3. Obergeschoss. Besonders angetan zeigten sich die Preisrichter von den Balkonen zum Platz und Grünraum hin, die vielfältige und reizvolle Nutzungsmöglichkeiten für das Gemeindeleben bieten würden. Den Verfassern sei es gelungen, einen „selbstbewusste(n), elegante(n) Baukörper (zu entwickeln), der das Potential hat, ein neues Rathaus für Hainburg mit Strahlkraft zu verkörpern“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Der dritte Preis ging an Muffler Architekten aus Tuttlingen. Die Verfasser präsentieren einen zweigeschossigen Massivbau mit vorgehängter dunkler Klinkerfassade und Fensterbändern, dessen „unprätentiöse und selbstverständliche Setzung“ auf dem Grundstück überzeugte. Die Erschließung des Rathauses vom westlichen, zur Landstraße orientierten Platz wurde dagegen kontrovers diskutiert. Als besonders gelungen erachtete das Preisgericht den üppigen zweigeschossigen Hallenraum, da er nicht nur Orientierung biete, sondern dank des Dachoberlichts auch als helle Mitte des neuen Rathauses fungiere. Das am Passivhaus orientierte Energiekonzept sei zu komplex, die architektonische Ausarbeitung zu wenig aussagekräftig.

Anerkennungen erhielten Bau EINS Architekten aus Kaiserslautern für ihren „baukörperlich interessanten Beitrag“ – einen rechteckigen, zwei- in Teilen auch dreigeschossigen Baukörper – sowie wittfoht architekten aus Stuttgart, deren vorgeschlagener Stadtbaustein ebenfalls durch eine „stringente“, „logische“ Grundrissorganisation besteche.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit der weiteren Planung zu betrauen. Frühestens im Frühjahr 2019 wird dann der erste Spatenstich für das neue Rathaus auf der „Postwiese“ in Klein-Krotzenburg erfolgen.

Lena Pröhl