Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Friedensplatz bis Löwenplatz, Rüsselsheim

Preisträger

1. Preis: Raumwerk Gesellschaft für Architektur & Stadtplanung mbH, Frankfurt/Main

10.500 € (netto)

Thorsten Wagner, Jon Prengel, Sonja Moers
Mitarbeit: Daniela Merten, Isabella Baum, Jan Fritz, Keri Rappold

2. Preis: Thomas Schüler Architekten Stadtplaner, Düsseldorf

6.800 € (netto)

Thomas Schüler

3. Preis: bK | bueroKleinekort architecture | urbanism | research, Düsseldorf

3.700 € (netto)

Prof. Volker Kleinekort
Mitarbeit: Sascha Lehrnhardt, Kilian Paterson, Gabriel Sander

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger, städtebaulicher Ideenwettbewerb
Preisgerichtssitzung 18.04.2018
Ort Rüsselsheim am Main
Auslober Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Johann Eisele (Vorsitz), Nils Kraft, Peter Bitsch, Heike Eberts-Schad, Prof. Jean Heemskerk, Prof. Kerstin Molter, Prof. Christa Reicher, Thekla Sturm, Gisela Conrad-Rothengatter, Heinz Jürgen Krug, Michael Ohlert, Torsten Regenstein, Ralph Römbach, Frank Tollkühn, Christian Vogt

Zentrum im Wandel
Entwicklung des Quartiers Friedensplatz bis Löwenplatz in Rüsselsheim

Die Stadt Rüsselsheim am Main befindet sich im Wandel. Zahlreiche Bauvorhaben wurden bereits realisiert, weitere angestoßen. Handlungsbedarf besteht insbesondere im zentralen Innenstadtbereich, der durch äußerst heterogene Baustrukturen bestimmt ist und als Einzelhandels-, Wohn- und Arbeitsstandort gestärkt werden soll.

Ideen für eine großflächige städtische Neuentwicklung lieferte nun ein nichtoffener, einphasiger, städtebaulicher Ideenwettbewerb, der von der Stadtbauplan GmbH aus Darmstadt betreut wurde.

Das Wettbewerbsgebiet liegt im nordöstlichen Teil des strukturbestimmenden Innenstadtdreiecks zwischen Markt-, Bahnhof- und Frankfurter Straße, das zugleich Haupteinkaufsbereich ist. Im Norden wird es durch die Frankfurter Straße, im Osten durch den Friedensplatz und die Bahnhofstraße und im Südwesten durch den Löwenplatz begrenzt, der abseits der Hauptwegeverbindung in introvertierter Lage liegt. Im Fokus des Wettbewerbs stand die städtebauliche Neuordnung des ehemaligen Karstadt-Areals an der Frankfurter Straße 11-15. Gewünscht war ein Konzept für gemischtes Wohnen mit qualitativ hochwertigen, halböffentlichen Räumen als Treffpunkt der Bewohnerschaft. Der neue Gebäudekomplex sollte sich in die Umgebung einfügen und im Erdgeschoss mit stark publikumsfrequentierten Nutzungen wie Einzelhandel oder Gastronomie versehen werden. Als Langzeitperspektive war zudem eine Neuordnung des weiteren Wettbewerbsgebiets gefordert, wobei sich die Grundstücke in vielfältigem privatem Eigentum befinden. Das Preisgericht, dem der Darmstädter Architekt Prof. Johann Eisele vorsaß, vergab unter den fünf eingereichten Arbeiten drei Preise.

Als Sieger setze sich die Raumwerk Gesellschaft für Architektur & Stadtplanung mbH aus Frankfurt/Main durch. Die Verfasser streben eine Arrondierung des Blockes zwischen Löwenstraße und Bahnhofstraße an. Mit der Neubebauung des Karstadt-Areals und der Revitalisierung des Löwenplatzes werde eine Initialzündung für das gesamte Areal erzeugt, waren sich die Preisrichter sicher. Auch lobten sie das differenzierte Nutzungsangebot mit Einzelhandel, Gastronomie, Ateliers und Coworking sowie zum Innenhof orientiertem Wohnen. Im Blockinnenbereich bestimmen vielfältig nutzbare Freiflächen den grünen Charakter des Raumes. Der Löwenplatz wird als zentraler öffentlicher Raum des Löwencarrées gefasst. Die Erschließung erfolgt über die Löwenstraße; der ruhende Verkehr ist in zwei Tiefgaragen untergebracht. Insgesamt, so das Fazit der Preisrichter, reagiere das Konzept angemessen auf den Ort, gewährleiste in der Umsetzung höchste Flexibilität und verspreche dank der vielfältigen Nutzungsangebote ein lebendiges Quartier.

Auf dem zweiten Platz landete das Düsseldorfer Büro Thomas Schüler Architekten Stadtplaner. Die Verfasser gliedern das Areal in drei Blöcke mit einer Durchwegung in Ost-West-Richtung. An der Frankfurter Straße entwickeln sie eine viergeschossige Bebauung; die Ecke zum Friedensplatz ist sechsgeschossig ausgebildet. Der nördliche Block steht auf einer eingeschossigen, unterirdischen Tiefgarage. Der Innenraum wird überdeckelt, begrünt und den Wohngeschossen zur Verfügung gestellt. Die vorgeschlagene Bepflanzung mit Bäumen wurde jedoch hinterfragt. Als besonders gelungen erachtete das Preisgericht die Ost-West-Seiten jedes Blockes: Diese werden als dreigeschossige Stadthäuser ausgebildet und zu den Innenhöfen hin orientiert und würden damit gutes Wohnen ermöglichen. Das Konzept sei klar erkennbar und planerisch konsequent umgesetzt; das gesamte Areal neu zu bebauen jedoch schwierig.

Der dritte Preis ging an bK | bueroKleinekort architecture | urbanism | research aus Düsseldorf, deren Entwurf durch eine klare städtebauliche Haltung bestach. Die Verfasser regen zwei große, meist viergeschossige Blöcke sowie die Gestaltung eines neuen Löwenplatzes zwischen Bahnhofstraße und Löwenstraße an. Durch weitere viergeschossige Anbauten werden die beiden südlichen Bereiche ebenfalls als Blöcke geschlossen. Dadurch ergebe sich eine großzügige Querverbindung zwischen Markt- und Bahnhofstraße. Optimierungsbedarf sahen die Preisrichter jedoch im Blockinnenbereich, der verlängerten Ochsengasse.

Das Preisgericht empfahl dem Auslober einstimmig, den Entwurf des ersten Preisträgers dem anschließenden Verfahren zu Grunde zu legen.

Lena Pröhl