Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohngebiet Dudenhöfer Straße, Rodgau

Preisträger

1. Preis: DE+ Architekten GmbH, Berlin

20.000 € (brutto)

Claudia Euler, Jan Dilling

2. Preis: AG5 Architekten und Stadtplaner PartGmbB, Darmstadt

12.500 € (brutto)

Joachim Klie
Mitarbeit: Christoph Kornmayer, Andres Krause

3. Preis: haus.architekten PartGmbB, Berlin

7.500 € (brutto)

Prof. Hans-Christoph Ernst
Mitarbeit: Oliver Bruns, Susanne Kammermeier

Anerkennung: Hoechstetter und Partner Architekten PartG mbB, Berlin

3.000 € (brutto)

Prof. Rolf Hoechstetter, Rainer Siegel, Aline Herrmann
Mitarbeit: Rick Schneider, Benedikt Goldbach, Andreas Seiler

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einstufiger Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 22.03.2018
Ort Rodgau
Auslober Magistrat der Stadt Rodgau
Betreuung goedeking architekten, Frankfurt/Main
Preisrichter Brigitte Holz (Vorsitz), Marie-Theres Deutsch, Jens Jakob Happ, Tobias Mann, Peter Kämmerling, Christoph Reiß, Jürgen Hoffmann, Michael Schüßler, Winfried B. Sahm, Stefan Flasche, Heiko Freckmann

Wohnungsbau an der Dudenhöfer Straße in Rodgau

Das eine Wohnungsbauprojekt ist noch nicht fertig, da plant die Stadt Rodgau schon das nächste. Denn es wird, wie überall im Ballungsraum Rhein-Main, dringend bezahlbarer Wohnraum benötigt. Im Süden Jügesheims, des mit knapp 12.000 Einwohnern zweitgrößte Stadtteils Rodgaus, sollen nun 30 erschwingliche Wohnungen entwickelt werden.

Für deren Gestaltung war ein nichtoffener, einstufiger Realisierungswettbewerb ausgelobt worden, den die goedeking architekten aus Frankfurt/Main betreuten. Konkretes Ziel war es, für das Wettbewerbsareal an der vielbefahrenen Ecke Dudenhöfer Straße/Mühlstraße eine langfristige städtebauliche Entwicklung zu einem modernen, durchmischten Wohngebiet aufzuzeigen: Gewünscht waren 30 Wohneinheiten mit einer Gesamtwohnfläche von 2.000 Quadratmetern für Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen, sowohl für Familien als auch für Senioren und Singles. Alle Wohnungen sollten über eine Terrasse, Balkon oder Dachterrasse verfügen; die Wohnkomplexe unterkellert und mit Aufzügen versehen werden. Zudem waren Freiflächen mit hoher Aufenthaltsqualität nachzuweisen, die Möglichkeiten zur Kommunikation und Nachbarschaftsbildung bieten.

Der Beitrag der DE+ Architekten GmbH aus Berlin wurde aus den 22 eingereichten Arbeiten zum Sieger gekürt. Der Entwurf sieht eine Reihung von drei baugleichen, viergeschossigen Baukörpern vor, die leicht verdreht zueinander angeordnet sind und über die Mühlstraße erschlossen werden. Neben der Freianlagenplanung, die vielfältige Nutzungsmöglichkeiten verspreche, erachteten die Preisrichter sowohl die barrierefreie Anbindung der Erdgeschosswohnungen als auch die Grundrissgestaltung insgesamt als gelungen. Das Erscheinungsbild der Süd- und Westfassaden mit Balkonen wurde sehr positiv bewertet, ebenso das vorgeschlagene Gründach. Die Lochfassaden der Straßen- und seitlichen Ansichten konnten hingegen nicht überzeugen.

Auf dem zweiten Platz landete die AG5 Architekten und Stadtplaner PartGmbB aus Darmstadt. Die Verfasser schlagen drei freistehende Häuser mit Zwei- und Dreispänner-Grundrissen und einer überschaubaren Anzahl von Wohnungen vor. Die begünstige die Bildung kleiner Nachbarschaften. „Mit möglichst einfachen Mitteln, vom Städtebau bis zur Grundriss- und Fassadengestaltung, (gelingt es ihnen) kostengünstigen Wohnungsbau zu realisieren“, so die Preisrichter. Folgerichtig werde auf Tiefgaragen zugunsten von ebenerdigem Parken verzichtet; die geforderte barrierefreie Erschließung  durch ebenerdige Hauszugänge geschaffen. Auch die nach Süden ausgerichtete Grundrissstruktur, die ein ausreichendes Maß an Variabilität aufweise, überzeugte. Die Erdgeschosswohnungen verfügen über „gut besonnte und gut nutzbare Privatgärten mit Freisitzen ohne direkten Einblick“, lobten die Preisrichter. Überarbeitungsbedarf sahen sie jedoch bei der Fassadengestaltung, wobei insbesondere die Nord- und Ostfassaden zur Dudenhöfer Straße als zu geschlossen empfunden wurden.

Den dritten Preis erhielt die haus.architekten PartGmbB aus Berlin für ihr Konzept „Wohnen auf der grünen Lichtung“. Das „elegante“ dreigeschossige Gebäude ist mittig auf dem Grundstück platziert und verfügt über 30 Wohneinheiten, die alle barrierefrei erreichbar sind. „Die Grundrisse präsentieren sich modern und offen. Die Ausrichtung der Schlaf- und Wohnräume ist optimal“, urteilten die Preisrichter. Angetan zeigten sie sich auch von dem „innovativen“ automatisierten Parksystem im Untergeschoss. Die zusätzlichen Kosten könnten problemlos über eine günstige Erstellung, d. h. einen hohen Vorfertigungsgrad der oberen Geschosse, aufgefangen werden.

Eine Anerkennung ging an die Hoechstetter und Partner Architekten PartGmbB aus Berlin. Die Verfasser präsentieren zwei langgestreckte Baukörper mit Satteldach, die sich an den benachbarten Zeilenbauten der GWH-Gebäude aus den 1960er Jahren orientieren. Neben der barrierefreien Erschließung konnte vor allem die Grundrissorganisation bei den Preisrichtern punkten: „Bäder und Küchen sind zum Laubengang orientiert, so dass die Wohnräume die gewünschte Privatheit aufweisen.“

Das Preisgericht unter Vorsitz von Brigitte Holz empfahl einstimmig die Verfasser der erstplatzierten Arbeit mit weiteren Planungsleistungen zu beauftragen.

Lena Pröhl