Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohnquartiere Leukertsweg Süd, Langen

Preisträger

1. Preis: Thomas Schüler Architekten Stadtplaner, Düsseldorf, mit faktorgruen Freie Landschaftsarchitekten, Freiburg

30.000 € (netto)

Thomas Schüler, Martin Schedlbauer
Mitarbeit: Ricardo Patings, Michal Herl

2. Preis: Faerber Architekten GbR, mit BIERBAUM.AICHELE. landschaftsarchitekten Part.GmbB, beide Mainz

22.000 € (netto)

Harald Faerber, Günter Schüller
Mitarbeit: Saskia Aegerter, Dominik Klein, Kevin Grießl, Fabian Faerber, Frank Finger, Franziska Korn

2. Preis: bb22 | architekten + stadtplaner / maheras, nowak, schulz wilhelm PartG mbB, Frankfurt/Main, mit SHK Sommerlad Haase Kuhli Landschaftsarchitekten, Gießen

22.000 € (netto)

Jan Nikolas Schulz, Raimund Haase
Mitarbeit: Johanna Schulte, Enis Özartan, Eva Sydow, Alexandra Camara, Karla Krauss

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger, städtebaulicher Ideenwettbewerb mit Realisierungsteil
Preisgerichtssitzung 28.02.2018
Ort Langen
Auslober Magistrat der Stadt Langen
Betreuung BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Michael Schumacher (Vorsitz), Jörg Acker, Prof. Klaus Overmeyer, Simon Valerius, Frieder Gebhardt, Stefan Löbig, Carsten Weise

Zukunftsorientiertes Wohnen zwischen Stadt und Landschaftsraum
Entwicklung der Wohnquartiere Leukertsweg Süd in Langen

Die Stadt Langen ist durch ihre zentrale Lage zwischen Frankfurt, Offenbach und Darmstadt zunehmend als Wohnstandort gefragt. Da auch künftig zusätzlicher Wohnraum benötigt wird, soll nun die letzte verfügbare Wohnbaufläche im Süden der Stadt entwickelt werden. Schon in den 1960er Jahren gab es entsprechende Pläne, die jedoch verworfen und erst 2011 wieder aufgenommen wurden.

Ideen für eine langfristige städtebauliche Entwicklung zu einem modernen, innenstadtnahen Wohnquartier lieferte nun ein von der Stadt Langen ausgelobter städtebaulicher Wettbewerb: Das rund 33,5 Hektar große Wettbewerbsgebiet liegt am südlichen Stadtrand. Im Osten grenzen Gehölzflächen und Wiesen, im Süden ein Landschafts- und Naturschutzgebiet an. Ziel war die Gestaltung eines vorbildlichen Wohngebiets mit differenzierten Wohn- und Bauformen sowie gemeinschaftlich nutzbaren öffentlichen Freiflächen, welche die vielfältigen Bedürfnisse einer urban vernetzten, sozial heterogenen zukünftigen Bewohnerschaft berücksichtigen (Realisierungsteil A, 10 ha). Die Planung sollte außerdem vorhandene Wegebeziehungen stärken, die Bebauung entlang der Südlichen Ringstraße arrondieren und einen attraktiven Übergang in die freie Landschaft bilden (Ideenteil B, rund 23,4 ha). Die Verfahrensbetreuung lag bei der BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH aus Frankfurt. Die Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten war bindend.

Mit ihrem „zukunftsweisende(n) Quartier“ setzten sich die Thomas Schüler Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf mit faktorgruen Freie Landschaftsarchitekten aus Freiburg unter den zehn eingereichten Arbeiten als Sieger durch. Ihr Entwurf gliedert sich in einzelne Nachbarschaften mit gemischten Wohntypologien und gemeinschaftlich genutzten Freiräumen: Neben dem Baugruppenquartier mit neuen Wohnformen am Quartiersplatz seien auch die Stadthäuser entlang des Leukertsweg sowie die sich zum Landschaftsraum abstufenden Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser städtebaulich eine „überzeugende Antwort“. „Die neuen Nachbarschaften fügen sich schlüssig in die bestehende Stadtstruktur ein und schaffen einen gut vernetzten Übergang in den südlichen Landschaftsraum“, lobten die Preisrichter. Besonders angetan zeigten sie sich vom Quartiersplatz, der eine „gestalterisch gefasste, erste Adresse“ bilde und als zentrales Gelenk fungiere. Der Entwurf überzeuge „sowohl städtebaulich als auch freiraumplanerisch“. Die Verfasser bieten ein „äußerst solides Gerüst, mit dem die Stadt Langen ihren südlichen Stadtrand in Zukunft auch bei sich ändernden Rahmenbedingungen nachhaltig gestalten kann“, hieß es in der Urteilsbegründung. 

Auf dem zweiten Platz landete der Entwurf der Mainzer Büros Faerber Architekten GbR mit BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten Part.GmbB. Inspiriert durch historische, südhessische Hofgüter schlagen die Verfasser acht frei gruppierte Wohnhöfe am Übergang zum Landschaftsraum vor, die je nach Bedarf mit unterschiedlichen Wohnformen versehen werden können. Neben klassischen Wohnformen können so auch Coworking-Bereiche, Werkstätten und Gästewohnungen den jeweiligen Hof bereichern. Die Verbindung zur nördlich Stadtstruktur wird über eine konventionelle Zeilen- und Punktbebauung mit generationsübergreifendem Geschosswohnungsbau geschaffen. Das Preisgericht würdigte den starken konzeptionellen Ansatz: „Die Arbeit möchte einen Bogen spannen, um den Ansprüchen des digitalen Stadtmenschen mit dem Wunsch nach einem naturnahen Lebensumfeld gerecht zu werden. (...) Eine romantische Vorstellung, die sicherlich von vielen gerne gelebt werden will.“

Ein weiterer zweiter Preis ging an die bb22 | architekten und stadtplaner / maheras, nowak, schulz, wilhelm Part mbB aus Frankfurt mit SHK Sommerlad Haase Kuhli Landschaftsarchitekten aus Gießen. Dem Entwurf gelinge die städtebauliche und landschaftsplanerische Einbindung „in hervorragender Weise, indem er den Stadtrand in bestechender Weise arrondiert, dadurch eine klar ablesbare Kante zum angrenzenden Freiraum und zugleich des neuen Quartiers definiert“. Auch die innere, adressbildende Ringerschließung des Quartiers überzeugte, ebenso der zentral gelegene Mobilitätshub. Die Vielfalt der angebotenen Gebäudetypen wurde gelobt, wenngleich Nachbesserungsbedarf hinsichtlich Größe und Ausrichtung der Gebäude bestehe. Insgesamt überzeuge der Entwurf „mit einer soliden städtebaulichen Figur, der auch im Landschaftsraum mit vielfältigen (...) Nutzungszuordnungen angereichert ist.“, urteilten die Preisrichter.  

Das Preisgericht, unter Vorsitz von Prof. Michael Schumacher, empfahl der Stadt Langen, alle drei Preisträger mit einer weiteren Ausarbeitung ihrer Konzepte zu beauftragen. Des Weiteren wurde es als sinnvoll erachtet, dies unter Einbindung weiterer Akteure durchzuführen.

Lena Pröhl