Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohngebiet "Quartier am Ostpark", Rüsselsheim

Preisträger

1. Preis: Die Landschaftsarchitekten. Bittkau Bartfelder und Ing. GbR, mit A-Z Architekten, beide Wiesbaden

20.420 € (netto)

Prof. Dr.-Ing. Friedrich Bartfelder, Petra Bittkau, Holger Zimmer
Mitarbeit: Antonia Piesk, Christoph Duckart

2. Preis: AG5 Architekten + Stadtplaner PartGmbB, Darmstadt, mit Götte Landschaftsarchitekten GmbH, Frankfurt/Main

12.780 € (netto)

Joachim Klie, Martin Schaper
Mitarbeit: Christoph Kornmayer, Andres Krause, Jochen Silbermann

Anerkennung: bb22 | architekten und stadtplaner / maheras, nowak, schulz, wilhelm Part mbB, Frankfurt/Main, mit LRM Architekten, Hochheim

5.000 € (netto)

Jan Schulz, Jan Muschuiol
Mitarbeit: Abdullah Yilmaz, Tuan Minh Nguyen
Fachberater: Matthias Adolph, Berlin (Landschaftsarchitektur)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Offener, einphasiger, städtebaulicher Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 20.02.2018
Ort Rüsselsheim
Auslober Magistrat der Stadt Rüsselsheim am Main
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Rolf Egon Westerheide (Vorsitz), Prof. Dr. Maren Harnack, Dr.-Ing. Harald Heinz, Prof. Ulrike Kirchner, Prof. Volker Kleinekort, Nils Kraft, Prof. Jens Metz, Prof. Christa Reicher, Tobias Mann, Uwe Bausch, Ionannis Kalaitzis, Birgit Steinborn, Karl-Heinz Schneckenberger, Ralph Römbach, Thorsten Weber, Frank Tollkühn, Robert Adam-Frick

Ein Quartier, das verbindet
Entwicklung des Wohngebiets „Quartier am Ostpark“ in Rüsselsheim

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine der Boomregionen Deutschlands. Immer mehr profitiert auch Rüsselsheim von der steigenden Einwohnerzahl. Über 60.000 Menschen nennen die Opelstadt bereits ihr Zuhause. Die Menschen schätzen die verkehrsgünstige Lage zu Frankfurt und Mainz und die gute Infrastruktur. Durch die Entwicklung des Wohngebiets Blauer See hat die Stadt attraktive Grundstücke für private Bauherren geschaffen. Da der Bedarf weiter groß ist, sollen nun auch kleinere Wohngebiete wie das Quartier am Ostpark entwickelt werden.

Für dessen Gestaltung war ein offener, einphasiger, städtebaulicher Realisierungswettbewerb ausgelobt worden, der von der Stadtbauplan GmbH aus Darmstadt betreut wurde. Konkretes Ziel war es, für das ehemalige Gelände des SC Opel eine langfristige städtebauliche Entwicklung zu einem modernen, durchgrünten Wohnquartier mit hochwertigen öffentlichen Räumen aufzuzeigen: Gewünscht waren innovative Wohnkonzepte, die insbesondere auf eine langfristige Bindung der zukünftigen Mieter und Eigentümer am Standort abzielen sollen. Neben Flächen für den sozialen Wohnungsbau sollten auch eine Kita sowie Gewerbeeinheiten entlang der Adam-Opel-Straße ausgewiesen werden. Das Gebiet sollte funktional und flexibel entwickelt werden können.

In dem EU-weit ausgeschriebenen Wettbewerb setzte sich die Wiesbadener Bewerbergemeinschaft Die Landschaftsarchitekten. Bittkau Bartfelder und Ing. GbR mit A-Z Architekten als Sieger durch. Der Entwurf besticht durch seine Klarheit: Die Verfasser schlagen ein Quartier mit vier Wohnhöfen und zentralem Platz vor. Dieser biete aufgrund seiner Größe „hervorragende Möglichkeiten für differenzierte Nutzungen", so die Preisrichter.  Die vier Baufelder können abschnittsweise, auch von unterschiedlichen Bauträgern, realisiert werden und ermöglichen eine Vielzahl an Wohnformen und Typologien. Besonders angetan zeigte sich das Preisgericht von den differenzierten Wohnhöfen mit „vielfältige(n), private(n) und gemeinschaftliche(n) Nutzungsmöglichkeiten sowie der „differenzierte(n)“, „hochwertige(n)“ Freiraumplanung. Auch die Ausgestaltung des Entrées „Die vier Höfe“ an der Adam-Opel-Straße überzeugte, ebenso der Standort der Kita.

Auf dem zweiten Platz landete die AG5 Architekten + Stadtplaner PartGmbB aus Darmstadt in Zusammenarbeit mit Götte Landschaftsarchitekten GmbH aus Frankfurt. Ihre Arbeit sieht eine aufgelockerte, im Wesentlichen aus vier differenzierten Clustern bestehende Bebauung vor. Die einzelnen Mikroquartiere werden geprägt durch gemeinschaftliche Höfe, eine Vielfalt von Wohntypologien sowie eine differenzierte Baukörperstellung. Als besonders gelungen erachtete das Preisgericht den zentralen, „gut proportionierte(n) Quartiersplatz“, der wie ein Gelenk zwischen den unterschiedlichen Richtungen fungiere und durch angrenzende Erdgeschosse mit gemeinschaftlichen Nutzungen, Gastronomie und Marktständen belebe. Die Vernetzung in Ost-West-Richtung gelinge über eine mittige Ostpark-Promenade; die Nord-Süd-Vernetzung durch eine Abfolge von Quartierspark, Spielplatz und Quartiersplatz. Auch die Lage der Kita an der Georg-Jung-Straße sei gut gewählt. Der Entwurf, so das Preisgerichtsurteil, erfülle „die gestellten Anforderungen in hohem Maße“ und liefere „eine überzeugende Antwort auf die Herausforderungen eines neuen Quartiers“.

Eine Anerkennung erhielten bb22 | architekten und stadtplaner / maheras, nowak, schulz, wilhelm Part mbB aus Frankfurt mit LRM.Architekten aus Hochheim für ihren konzeptionellen Ansatz, das Quartier in sechs Baufelder aufzuteilen und einen zentralen Quartiersplatz auszubilden. Dadurch ergeben sich Querungen in Ost-West- wie auch in Nord-Süd-Richtung, die eine gute Durchlässigkeit und Verknüpfungen in die Nachbarquartiere bieten. Die vorgeschlagenen Typologien seien prinzipiell vorstellbar; der Punkthaustyp konnte jedoch nicht überzeugen, zumal die Anzahl der geforderten Wohneinheiten unterschritten wurde. Die Lage der Kita in den unteren Geschossen eines Wohnbaus wurde „ausdrücklich“ begrüßt. Insgesamt zeichne sich das Projekt durch eine „klare städtebauliche Struktur“ aus und erscheine „problemlos in Abschnitten, auch mit unterschiedlichen Bauträgern, umsetzbar“, lobten die Preisrichter.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Rolf Egon Westerheide aus Aachen empfahl der Stadt Rüsselsheim einstimmig, den Entwurf des ersten Preisträgers mit den weiteren Planungen zu beauftragen. Die Lage der Kita auf dem vorgesehenen Grundstück solle ebenso überprüft werden, wie eine Verbreiterung des Baufeldes gegenüber der Großsporthalle und eine entsprechende Verengung des Quartiersplatzes.

Lena Pröhl