Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau Gebäude 7 für den Fachbereich 2, Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-UAS), Frankfurt/Main

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einphasiger, nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb
Preisgerichtssitzung 07.12.2017
Ort Frankfurt/Main
Auslober Land Hessen
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Ulrike Lauber (Vorsitz), Prof. Gesche Grabenhorst, Prof. Thomas Meurer, Inge Laste, Torsten Schmidt, Markus Radermacher, Prof. Dr. Frank Dievernich, Thomas Platte, Prof. Alexander Reichel, Prof. Kirsten Schemel, Stefan Haub

Innovativer Neubau auf beengtem Raum
Neubau Gebäude 7 für den FB 2, Frankfurt University of Applied Science

Seit geraumer Zeit hat sich die kontinuierlich wachsende Frankfurt University of Applied Sciences mit einer angespannten Raumsituation auseinanderzusetzen. Da der Campus Nibelungenplatz im dicht bebauten Nordend keine Expansionsmöglichkeiten bietet, soll nun das sanierungsbedürftige Gebäude des Fachbereichs Informatik und Ingenieurwissenschaften abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Vorgesehen ist ein fünf- bis sechsgeschossiges Bauwerk mit rund 4.000 m² Fläche, das sich in das städtebauliche Gesamtensemble einfügt und das Erscheinungsbild der Hochschule zur Stadtseite hin öffnet.

Vorschläge hierfür lieferte nun der vom Land Hessen ausgelobte einphasige, nichtoffene Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb, der vom Darmstädter Büro Stadtbauplan GmbH begleitet wurde. Aus 45 Bewerbern waren 15 ausgewählt worden, ihre Ideen einzureichen. Dem elfköpfigen Preisgericht saß Prof. Ulrike Lauber aus Berlin vor.

Als Sieger setzte sich die agn Niederberghaus & Partner GmbH aus Ibbenbüren durch. Die Verfasser präsentieren einen „stringente(n), durch sensible Vor- und Rücksprünge gegliederte(n) fünfgeschossige(n) Quader“ mit Aluminiumfassade, der sich „sehr gut“ in das umgebende gründerzeitliche Stadtquartier einfüge. Die „strikte orthogonale Struktur“ ist gestaltgebend. Sie unterstreiche die Nutzung des Gebäudes als technisches Hochschulbauwerk. Positiv bewerteten die Preisrichter insbesondere die Eingangssituationen, die teilweise durch auskragende Bauteile überdacht sind: Das als Gelenk ausgebildete Foyer ermöglicht dabei sowohl einen Zugang von der Nibelungenallee/Kreutzerstraße als auch vom Campus aus. Zudem überzeugten das Nutzungskonzept und der vorgeschlagene, gerasterte Grundriss. Die in der strikten Rasterung angelegte Modularität macht Angebote Raummodule für Büros und Labors vorzufertigen, um kurze Bauzeiten zu erreichen. „Ein städtebaulich selbstverständliches Bauvolumen mit überzeugender Adressbildung und Zugänglichkeit, hoher Funktionalität und guten Aufenthaltsbereichen – dies ist ein überzeugendes Konzept für einen modernen Hochschulbau an diesem wichtigen Standort.“, lautete denn auch das Fazit der Preisrichter.

Ein dritter Preis ging an me di um Architekten Roloff, Ruffing + Partner aus Hamburg. In ihrer städtebaulichen Setzung versuche die Arbeit mit der gelenkartigen Verschränkung von drei Bauvolumina der Eckpunktsituation des Campus gerecht zu werden. Zur Nibelungenallee präsentiert sich der Neubau sechsgeschossig, an der Kreutzerstraße stuft er sich ab und leitet zur niedrigeren Nachbarbebauung über. Besonderes Lob der Preisrichter fand die vorgefertigte Metall-Elementfassade sowie das verglaste Technikum im Eckbereich, das Passanten einen Einblick ins Hochschulgesehen gewähre und zur Adressbildung beitrage. Die Haupterschließung des Gebäudes erfolgt vom Campus aus. Die Büroräume orientieren sich zum Campus, die Laborräume zur Straße hin. Der Entwurf, so das Preisgericht, zeichne sich insgesamt durch „den Vorschlag aus, ausschließlich per Anbau/Weiterbau“ der Gebäude 8 und 9 den Campus zu vervollständigen. Dadurch aber würden andere Optionen für die „Zukunft der baulichen Entwicklung des Campus“ eingeschränkt.

Einen weiteren dritten Preis erhielt das Münchener Büro karlundp: Der Entwurf nimmt die rechtwinklige Struktur des Campus und die Fluchtlinie der angrenzenden Straßen auf. Dadurch entsteht ein trapezförmiger, „zurückhaltender Baukörper, der das Gesamtensemble der Hochschule harmonisch ergänzt.“ Über seine Höhenentwicklung schaffe das kompakte Gebäude einerseits Präsenz, andererseits über eine Reduzierung der Gebäudehöhe nach Norden einen Übergang zur angrenzenden gründerzeitlichen Wohnbebauung. Das zur Nibelungenallee großzügig geöffnete Erdgeschoss verleihe dem Haus mit den gleichförmigen Fensterelementen der Lochfassade einen „angenehmen städtischen Charakter“, so die Preisrichter. Angetan zeigten sie sich zudem von der Idee des Technikums als „Guckkastenbühne“ und zentralem Element des Foyers. Der „architektonische Ausdruck und die Zeichenhaftigkeit des Gebäudes“ wurden jedoch kontrovers diskutiert.

Mit Anerkennungen wurden die Arbeiten von löhle neubauer architekten BDA pmbb aus Augsburg, Schulz und Schulz Architekten GmbH aus Leipzig sowie Hascher Jehle Design GmbH aus Berlin gewürdigt.

Das Preisgericht empfahl dem Auslober einstimmig, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit einer Realisierung zugrunde zu legen. In einem nächsten Schritt werden die Preisträger zum Verhandlungsverfahren nach VgV (Vorschriften für die Vergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen) eingeladen. Das Gebäude soll im Sommer 2019 abgerissen werden; der Baubeginn ist für März 2020 vorgesehen.

Lena Pröhl