Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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St. Peter und Paul, Marburg

Preisträger

1. Preis: REITH WEHNER STORCH Architekten PartG mbB, Fulda

24.480 € (netto)

Max Reith
Mitarbeit: Manfred Reith, Carolin Herber, Tamara Krenn

2. Preis: Sturm und Wartzeck GmbH, Dipperz

15.300 € (netto)

Jörg Sturm
Mitarbeit: Ana Conesa Outeda, Hanna Gärtner
Fachberater: [f] landschaftsarchitektur GmbH, Gunter Fischer, Bonn

3. Preis: Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten, Nürnberg

9.180 € (netto)

Friedrich Bär, Bernd Stadelmann, Rainer Stöcker
Mitarbeit: Patrick Werthner, Stephen Balmberger, Frank Riedel, Anton Hahn

Anerkennung: ATELIER 30 Architekten GmbH, Kassel

4.080 € (netto)

Thomas Fischer, Ole Creutzig
Mitarbeit: Yunus Coskun, Gani Ilijazi, Lena Klotzsche, Kristina Mann

Anerkennung: Wandel Lorch Architekten, Saarbrücken

4.080 € (netto)

Prof. Wolfgang Lorch, Andrea Wandel, Florian Götze, Thomas Wach
Mitarbeit: Timo Hornemann-Scheider, Charlotte Knorr, Lena Packert, Michael Schütz, Valerie Kronauer

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs
Preisgerichtssitzung 16.01.2018
Ort Marburg
Auslober Katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul, Marburg
Betreuung BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prov. Zvonko Turkali (Vorsitz), Dr. Burghard Preusler, Prof. Kerstin Schultz, Klaus Nentwich, Dr. Thomas Spies, Gerhard Stanke

Geistig-spirituelles Zentrum als Stadtbaustein der neuen Kulturmeile
Neuordnung der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Marburg

Die Universitätsstadt Marburg liegt in Mittelhessen und erstreckt sich beidseits der Lahn. Das Stadtbild wird von der historischen Altstadt, dem Schloss und den Universitätsgebäuden, aber auch von zahlreichen Kirchen geprägt. In prominenter Lage an der Biegenstraße befindet sich die katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul, die Ende der 1950er Jahre nach Plänen der Stuttgarter Architekten Otto Linder und Erwin Lenz errichtet wurde. Da die bestehenden Kirchengebäude den gewachsenen Ansprüchen nicht mehr genügen, sollen sie nun neu geordnet und um weitere Bauten ergänzt werden.

Vorrangiges Ziel war die Entwicklung eines flexiblen Nutzungskonzeptes für die Kirchengemeinde und die katholische Hochschulgemeinde. Darüber hinaus sollte die Planung auch die Gestaltung der Freiflächen, der Innenräume der Kirche sowie den Neubau einer Kindertagesstätte beinhalten. Angesichts der neuen „Kulturmeile“, die seit einigen Jahren in der Biegenstraße entsteht, sollte ein „geistig-spirituelle(r) Focus im urbanen Kontext“ gesetzt werden. Als Wettbewerbsbetreuer agierte die BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH aus Frankfurt. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali aus Frankfurt vergab unter den 17 eingereichten Arbeiten drei Preise sowie drei Anerkennungen.

Der Siegerentwurf vom Fuldaer Büro REITH WEHNER STORCH Architekten PartG mbB konnte die Preisrichter mit einem „deutlich erkennbare(n), überzeugende(n) stadträumliche(n) Ensemble, das im Inneren einen schönen Hof definiert“ für sich gewinnen. In Höhe und Form gut gewählt, komme der Denkmalwert des Bestands neben dem Neubau aus Weißbeton „gut zur Geltung“ und respektiere die gründerzeitliche Nachbarbebauung. Obwohl die Fassade zur Biegenstraße als „überzogen“ eingeschätzt wurde, lobte das Preisgericht die „einladende Wirkung der gesamten Eingangssituation“. Diese würde von den „unregelmäßig positionierten, zweigeschossigen Stützen und einem hohen Glasanteil“ unterstützt. Gegen Westen in Richtung des großen, belebten Stadtplatzes werde das Kirchengebäude durch einen „gut proportionierten“ Anbau der katholischen Hochschulgemeinde ergänzt. Auch die Kindertagesstätte, die sich zum Freibereich öffnet, sowie der Gemeindesaal überzeugten. Als „besonders gelungen“ bewerteten die Preisrichter die Freiraumgestaltung: Der barrierefrei zugängliche Vorplatz mit Stufenanlage werde das Gemeindeleben, aber auch Begegnungen im öffentlichen Stadtraum fördern, waren sich die Preisrichter sicher.

Mit dem zweiten Preis würdigte das Preisgericht den „zurückhaltenden Auftritt“ des Entwurfs der Sturm und Wartzeck GmbH aus Dipperz. Die Verfasser schlagen drei Neubaukörper vor, die mit der Kirche und dem quadratischen Innenhof ein „schönes Gebäudeensemble“ bilden. Auch hier wurde der gelungene Übergang zur gründerzeitlichen Zeilenbebauung gelobt: Der Baukörper an der Biegenstraße, in dem Foyer/Bistro, Saal und Verwaltung untergebracht sind, ist dreigeschossig, tritt leicht gegenüber der Kirche zurück und ist über eine deutlich ausgebildete Fuge an diese angeschlossen. Die Kindertagesstätte ist ebenfalls dreigeschossig organisiert, was nicht unproblematisch für den Betrieb sei: die Gruppenräume sind im EG nach Süden zum geschlossenen Innenhof orientiert, darüber sind Küche, Essbereich und Räume für die Erzieherinnen angeordnet, im UG ein Turnraum mit Ausgang ins Freie. Der dritte Neubaukörper nimmt die KHG auf.

Der dritte Preis ging an Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten aus Nürnberg, deren Arbeit einen kompakten, L-förmigen Baukörper vorsieht. Der weitgehend zweigeschossige Neubau füge sich gut in den Kontext ein und stelle durch das eingeschossige Foyer einen behutsamen Anschluss an das Kirchengebäude her. Positiv heraus stach das „sehr an den Bedürfnissen orientierte Nutzungskonzept“: Der Gastronomiebereich ist publikumsorientiert im Foyer angesiedelt, der Saal zentral und ebenerdig angeordnet. Der eingeschossige Kindergarten verfügt über einen direkten Zugang zum Freiraum.

Eine der Anerkennungen erhielt die ATELIER 30 Architekten GmbH aus Kassel für eine „geschickt(e)“ Nutzung der Höhenverhältnisse des Grundstücks, ein „differenzierte(s) Raumangebot von Wegen und Plätzen“ sowie die „überzeugend gelöst(e)“ Gliederung der neuen Baukörper. Im Entwurf der Wandel Lorch Architekten aus Saarbrücken wurden die Vorplatzsituation sowie das „interessante Spiel aus Freiräumen und qualitätsvollen Raumabfolgen“ honoriert, in der Planung der BLFP Frielinghaus Architekten Planungs GmbH aus Friedberg insbesondere die gute Anordnung.

Das Preisgericht empfahl dem Auslober, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit den weiteren Planungsleistungen zu beauftragen.

Lena Pröhl