Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Städtebaulicher Ideenwettbewerb Waidesgrund, Fulda

Preisträger

1. Preis: Deffner Voitländer Architekten, Dachau

46.956 € (netto)

Prof. Dorothea Voitländer, Prof. Konrad Deffner
Mitarbeit: Marcel Schäfer, Paul Metzger, Meng Li, Bernadette Brandl, Simon Baader
Fachplaner: Ursula Hochrein Landschaftsarchitektin, Stadtplanerin, München

2. Preis: Post Welters + Partner mbB Architekten & Stadtplaner, Dortmund

35.217 € (netto)

Prof. Hartmut Welters
Mitarbeit: Esther Weischede, Thorsten Weber, David Rohde, Anne Jentgens
Wolfram Gothe, München (Perspektiven)
Mijalski + Nasarian GmbH, Dortmund (Modellbau)

3. Preis: roedig . schop architeken PartG mbB, Berlin, mit Stadt Land Fluss Büro für Städtebau und Stadtplanung, Berlin und Mettler Landschaftsarchitektur, Berlin

23.478 € (netto)

Christoph Roedig, Ulrich Schop, J. Miller Stevens, Marek Langner
Mitarbeit: Dominik Schad, Annette Haubner, Cemre Bayatlier, Johanna Pütz, Georg Börsch-Supan, Claudio Bertelli, Cian Hansen-Ennis, Daniel Platon.
Katrin Helmbold, Berlin (Modellbau)

4. Preis: Scheffler & Partner, mit TobeSTADT, Frankfurt/Main

11.739 € (netto)

Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Torsten Becker
Mitarbeit: Eva Menges, Maddalena Cassani, Sascha Lehnhardt, Carolin Morell, Paul Richter

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener, städtebaulicher Ideenwettbewerb mit vorgeschaltetem qualifizierten Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 14.12.2017
Ort Fulda
Auslober Magistrat der Stadt Fulda
Betreuung Magistrat der Stadt Fulda, Stadtplanungsamt
Preisrichter Barbara Ettinger-Brinckmann (Vorsitz), Prof. Zvonko Turkali, Thomas Wirth, Dr. Michael Denkel, Barbara Hartmann, Daniel Schreiner, Dr. Heiko Wingenfeld, Dag Wehner

Neues Quartier im Herzen der Stadt
Städtebauliche Entwicklung der Kleingartenanlage Waidesgrund in Fulda

Der Wohnungsmarkt ist seit Jahren angespannt, bezahlbarer Wohnraum knapp. Fulda will nun die Möglichkeit zur Nachverdichtung  nutzen und die zentral gelegene Kleingartenanlage Waidesgrund in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof städtebaulich entwickeln. Zu diesem Zweck hatte die osthessische Stadt einen nichtoffenen, städtebaulichen Ideenwettbewerb mit vorgeschaltetem qualifiziertem Auswahlverfahren ausgelobt, der vom Stadtplanungsamt betreut wurde.

Vorrangiges Ziel war es, im südlichen Bereich des Wettbewerbsgebietes bezahlbaren Wohnraum mit gemischten Wohnformen zu schaffen. Nördlich davon sollten – angrenzend an das Kultur- und Kongresszentrum Hotel Esperanto – Erweiterungsflächen für Kongresse und Messen vorgesehen werden. Darüber hinaus waren Vorschläge für weitere Stellplatzflächen zu erarbeiten, um den gestiegenen Stellplatzbedarf zu decken. Neben einer Erweiterung des bestehenden Parkhauses wäre auch der Neubau eines Parkhauses auf der Ochsenwiese denkbar, so die vorliegende „Parkraumstudie Ochsenwiese“. Die Freiflächen östlich der Kleingartenanlage sollten als Naherholungsflächen integriert werden.

Aus den zwölf eingereichten Arbeiten wurde der Beitrag der Deffner Voitländer Architekten aus Dachau zum Sieger gekürt wurde. Der Entwurf zeige eine „klare und gleichermaßen nachvollziehbare räumliche Gliederung zwischen Wohnen, Kongresszentrum, Parken und Waidesgrund“. Nördlich der Erschließungsstraße sind vier u-förmige Wohnhöfe geplant, die sich Richtung Park und Waides öffnen. Das vielfältige Angebot an unterschiedlichen Wohntypologien, vorwiegend Geschosswohnungsbau mit Tiefgaragen, verspreche eine durchgängig „hohe Wohnqualität“, lobten die Preisrichter. Auch das neue, achtgeschossige Parkhaus mit integriertem Supermarkt sowie das Erschließungskonzept, welches eine gute Orientierung im Quartier unterstütze, stachen positiv hervor. Insgesamt, so das Preisgerichtsurteil, biete der Beitrag – sowohl unter städtebaulichen, als auch architektonischen und landschaftsplanerischen Gesichtspunkten –  „ein hohes Potential für die Entwicklung eines Quartiers mit eigener Identität und hoher Aufenthaltsqualität.“

Auf dem zweiten Platz landeten die Post Welters + Partner mbB Architekten & Stadtplaner aus Dortmund, die ebenfalls vier u-förmige, zum Park hin geöffnete  Wohnhöfe  vorschlagen. Die höhengestaffelten Wohngebäude ermöglichen dabei unterschiedliche Gebäudetypologien in lockerer Reihung, von Mehrfamilienhäusern über Stadtvillen bis hin zu Laubengangshäusern. Auch das Erschließungs- und Freiraumkonzept überzeugte. Im Zentrum des Plangebietes wird eine neue Fläche – der Waidespark – vorgeschlagen, die als freiräumliches Gelenk für das neue und alte Umfeld dient. Markant für den Entwurf ist das Parkhaus an der Ochsenwiese mit rund 1.1000 Stellplätzen: Der abgerundete, viergeschossige Gebäudekörper mit grünem Innenhof bilde „eine starke neue Kante gemeinsam mit dem Kongresszentrum“.

Mit ihrem „angenehm unaufgeregten“ Beitrag sicherte sich die Bewerbergemeinschaft roedig . schop architeken PartG mbB / Stadt Land Fluss Büro für Städtebau und Stadtplanung / Mettler Landschaftsarchitektur aus Berlin den dritten Platz. Ihr Konzept folgt der Leitidee des „Wohnens im Stadtgarten“ und biete „hohe Wohnqualität“, vor allem durch die Öffnung der Cluster zur Aue hin. Die Verfasser präsentieren einen Wohnungsmix aus Geschosswohnungen, Mehrfamilienhäusern und Town houses, wobei die geforderten Stellplätze im Wesentlichen in „gut dimensionierten und richtig verorteten, eingeschossigen Tiefgaragen“ nachgewiesen sind. Als gelungen erachteten die Preisrichter zudem die „gut ablesbar(en)“ Eingänge in das Quartier, den zentralen Quartiersplatz sowie die Organisation des Areals der Ochsenwiese mit neuem Parkhaus im Westen und einer Freifläche auch als Option für unterschiedliche künftige Entwicklungen im Osten.

Der Entwurf der Viertplatzierten Scheffler & Partner mit TobeSTADT aus Frankfurt hebt sich von den übrigen preisgekrönten Arbeiten durch die streng orthogonale, kleinteilige Struktur ab. Die Arbeit, so die Preisrichter, stelle einen „interessanten und konsequent gedachten Wettbewerbsbeitrag dar, dem man (jedoch) gewünscht hätte, dass die alles dominierende orthogonale Ordnung öfter eine Störung erhält und somit besondere Raumbildungen mit differenzierten Raumqualitäten ermöglicht würden.“

Das Preisgericht, dem auch Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Stadtbaurat Daniel Schreiner und Stadtverordnetenvorsteherin Magarete Hartmann angehörten, empfahl einstimmig, die weitere Bearbeitung des Projekts  auf Grundlage des Entwurfes des ersten Preisträgers vorzunehmen. Vorsitz hatte die Präsidentin der Bundesarchitekten Kammer, Barbara Ettinger-Brinckmann.

Lena Pröhl