Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Kita "Wurzelzwerge", Hohenahr

Preisträger

1.Preis: berger röcker gork architekten partgmbb, Stuttgart

7.650 € (netto)

Daniel Berger
Mitarbeit: Peter Röcker, Tim Gork

2. Preis: H. Gies Architekt GmbH, Mainz

5.950 € (netto)

Prof. Heribert Gies
Mitarbeit: Daniel Rutic, Andreas Zahn, Christoph Reeh

Anerkennung: A-U-R-A Architecture, Urbanism + Research Agency GbR, Ulm

3.400 € (netto)

Marisol Rivas Velázquez, Christian Schmutz
Fachberater: Sima Breer, landschaftsarchitekten, Winterthur (CH)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 19.12.2017
Ort Hohenahr
Auslober Gemeindevorstand der Gemeinde Hohenahr
Betreuung PlanES, Elisabeth Schade, Gießen
Preisrichter Monika Weber-Pahl (Vorsitz), Wolfgang Ott, Jörg Blume, Jürgen Juli, Armin Frink, Stefan Schaub

Schmetterling für Zwerge
Neubau Kita „Wurzelzwerge“ Hohenahr

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigt, die Wartelisten sind lang. Auch im mittelhessischen Erda, einem der sechs Ortsteile der Gemeinde Hohenahrar am Rande des Aartalsees, fehlen Kita-Plätze. Um das Betreuungsangebot weiter auszubauen, plant die Gemeinde den Neubau einer vierzügigen Kindertagesstätte für 87 Kinder. Eine Sanierung des bisherigen, denkmalgeschützten Kindergartengebäudes aus dem Jahr 1899 war von der Hohenahrer Kommunalpolitik als mögliche Alternative zu dem Neubau verworfen worden.

Für die architektonische Gestaltung der eingeschossigen Kindertagesstätte, die auch einen separat nutzbaren Mehrzweckraum erhalten sollte, hatte die Gemeinde einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt. Als betreuendes Büro agierte PlanEs aus Gießen. Das knapp 5.000 Quadratmeter große Wettbewerbsgrundstück liegt zwischen dem bisherigen Kindergarten im Nordosten und der Dünsbergschule im Südwesten und wird derzeit als Spiel- und Bolzplatz genutzt. Im Südosten wird das Grundstück durch die Schulstraße und im Nordwesten durch die Goßbachstraße begrenzt. Neben den vier Gruppenräumen – drei altersübergreifende-Gruppen á 25 Kinder, eine Krippen-Gruppe á 12 Kinder – mit direktem Zugang zum Außengelände wurden u. a. ein Schlafraum, ein Personalraum, ein Leitungsbüro, mehrere Abstell-, Lager- und Sanitärräume, eine Küche sowie ein Bistro/Elterncafé gefordert. Auch ausreichend Stellplätze für PKWs und Fahrräder waren nachzuweisen. Besonderer Wert wurde auf Barrierefreiheit im Innen- und Außenbereich gerichtet. Das Preisgericht, das unter Vorsitz der Darmstädter Architektin Monika Weber-Pahl tagte, vergab unter den 14 eingereichten Arbeiten einstimmig einen ersten und zweiten Preis sowie eine Anerkennung.

Der Siegerentwurf der berger röcker gork architekten partgmbb aus Stuttgart folgt der Leitidee eines Schmetterlings: Die X-förmige Kita rückt an das bestehende Gebäude heran und lässt einen großzügigen Freibereich nach Süden frei. Die Stellplätze sind funktional an der Straße angeordnet und greifen nicht in den Freibereich ein. Die Gruppenräume sind paarweise abgewinkelt zueinander. Dies lasse eine „schöne Raumwirkung zum Freibereich“ erwarten, so die Preisrichter. Zugleich werde hierdurch auch die stark frequentierte Goßbachstraße abgeschirmt. Sowohl die innere Organisation der Raumaufteilung und -zuordnung als auch die vorgeschlagene vorgefertigte Konstruktion wurden positiv bewertet. „Die zunächst überraschende Gebäudeform“, so das Preisgerichtsurteil, „überzeugt durch hohe Funktionalität und gute städtebauliche Einfügung und stellt sich wie selbstverständlich als einladende Kita in der Außenwirkung dar.“

Die mit dem zweiten Preis bedachte H. Gies Architekt GmbH aus Mainz schlägt einen kompakten, eingeschossigen Riegelbau entlang der Schulstraße vor. Das Gebäude wird vollständig in die vorhandene Grünfläche eingebettet; die verbleibende westliche Freifläche dient als großzügige Außenspielfläche. Über Hecken und Baumpflanzungen erfolgt eine Abschirmung zur Goßbachstraße. Besonders angetan zeigten sich die Preisrichter von der kubenartigen Hervorhebung der Gruppenräume nach Westen mit vorgelagerten Terrassen und Freiflächen. Darüber hinaus lobten sie die „angenehmen Raumproportionen“ sowie die „klare, schlüssige Zuordnung der Funktionen“, die für einen reibungslosen Betrieb sorge. Lediglich der Eingangsbereich müsse noch großzügiger gestaltet werden.

Eine Anerkennung ging an die A-U-R-A Architecture, Urbanism + Research Agency GbR aus Ulm. Die Verfasser präsentieren ein u-förmiges Gebäude mit Innenhof, der sich zum Grünbereich und Hang öffnet. Die Grundrissorganisation der zweigeschossigen Gruppenräume mit großzügigen Galerieebenen, des Eingangsbereiches und des Mehrzweck- und Speiseraumes zum gut gestalteten Innenhof sei schlüssig, die Gestaltung differenziert, urteilten die Preisrichter.

Das Preisgericht empfahl einstimmig der Gemeinde Hohenahr, die erstplatzierte Arbeit mit der Realisierung des Gebäudes zu beauftragen. Dabei sollte der Eingangsbereich in die Kita überarbeitet und ein direkter Zugang vom Foyer zum Freibereich ermöglicht werden.

Lena Pröhl