Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Fröbelschule, Offenbach

Preisträger

1. Preis: architektei mey gmbh ingenieure architekten generalplaner, Frankfurt/Main

€ 32.000 (brutto)

Bernd Mey
Mitarbeit: Ole Brinckmann, Tim Alfers, Viktor Gatys, Lea-Sophie Wörner, Mona Richter, Mark da Silva

2. Preis: v-architekten gmbh, Köln

€ 23.000 (brutto)

Tim Denninger, Jan Hertel, Markus Kilian, Diana Reichle, Michael Scholz
Mitarbeit: Josephine Lüders, Lorena Castell Allegria
Fachberater: Knüvener Architekturlandschaft, Thomas Knüvener, Köln (Landschaftsarchitektur)

3. Preis: Birk Heilmeyer und Frenzel Gesellschaft von Architekten mbH, Stuttgart

€ 10.000 (brutto)

Stephan Birk, Liza Heilmeyer, Martin Frenzel
Fachberater: Studio Grijsbach Landschaftsarchitektur, Bergisch-Gladbach

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 25.09.2017
Ort Offenbach
Auslober GBO Gemeinnützige Baugesellschaft m.b.h., Offenbach/Main
Betreuung Niemann + Steege Gesellschaft für Stadtentwicklung Stadtplanung Städtebau Städtebaurecht mbH, Düsseldorf
Preisrichter Sergei Tchoban (Vorsitz), Annette Schroeder-Rupp, Anna Heep, Prof. Caroline Günther, Prof. Felix Waechter, Prof. Joachim A. Joedicke, Peter Freier, Paul-Gerhard Weiß, Dr. Otto Seydel

Vielfältige Landschaft zum Lernen
Neubau der Fröbelschule in Offenbach mit Bewegungshalle, Lehrschwimmbecken und Therapieräumen


Die  Schüler der Fröbelschule in Offenbach, einer Förderschule für geistige Entwicklung, werden zurzeit in einem mehrstöckigen und schon länger sanierungsbedürftigen Gebäude in der Goethestraße unterrichtet. Da sich das Bestandsgebäude nur mit großem Aufwand behindertengerecht sanieren ließe, soll es nun durch einen Neubau ersetzt werden.

Für dessen Gestaltung hatte die GBO Gemeinnützige Baugesellschaft m.b.h. aus Offenbach einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt. Betreut wurde das Verfahren von der Niemann + Steege Gesellschaft für Stadtentwicklung Stadtplanung Städtebau Städtebaurecht mbH aus Düsseldorf. Gefordert war ein maximal zweistöckiger Schulbau mit angegliederter Turnhalle und Lehrschwimmbecken, in dem Therapie für die Fröbelschüler stattfinden kann, aber auch andere Offenbacher Grundschüler Schwimmunterricht erhalten sollen. Der Neubau soll auf dem 10.100 m² großen städtischen Gelände zwischen Mühlheimer Straße und der Straße Im Eschig errichtet und für 140 - 150 Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen und z. T. auch massiven körperlichen wie geistigen Beeinträchtigungen konzipiert werden. Den damit verbundenen spezifischen Anforderungen an Raumorganisation, Barrierefreiheit und bedarfsgerechte Betreuung ist besonderes Augenmerk zu schenken.

Unter den zehn eingereichten Arbeiten vergab das Preisgericht, dessen Vorsitz Sergei Tchoban inne hatte, einen ersten Preis an die architektei mey gmbh ingenieure architekten generalplaner aus Frankfurt, einen zweiten Preis an die v-architekten gmbh aus Köln sowie einen dritten Preis an die Birk Heilmeyer und Frenzel Gesellschaft von Architekten mbH aus Stuttgart.

Den Verfassern des Siegerentwurfs, so das Preisgericht, sei es gelungen, eine „ vielfältige Landschaft zum Lernen“ zu entwickeln, die die Fragen der Bauaufgabe vorbildlich löse: Konsequent sind alle Klassenräume im Erdgeschoss angeordnet. Nicht Flure, sondern „abwechslungsreiche Begegnungs- und Kommunikationszonen mit Straßen und Plätzen wie in der Stadt dienen der Erschließung“. Sie bieten Aufenthaltsqualitäten für Schüler, Lehrer und Eltern und können zur Differenzierung beim Lernen genutzt werden. Durch die Folge unterschiedlich großer Innenhöfe sind alle Bereiche natürlich belichtet, konzeptionsbedingt fallen die Freiflächen jedoch geringer aus als in den zweigeschossigen Arbeiten. Verwaltung und Therapieräume sind im Obergeschoss angeordnet; der Sportbereich mit Bewegungshalle und Lehrschwimmbecken am Ende der Erschließungsachse. Aus der Mühlheimer Straße ist dieser auch sehr gut für externe Schüler zu erreichen, lobten die Preisrichter. Die gewählte Materialität mit robusten, teilweise auch farbigen Materialien erachtete das Preisgericht als stimmig für das Konzept.

Die Zweitplatzierten präsentieren einen zweigeschossigen Neubau, der sich gut in die Umgebung einfüge und außer der Schwimmhalle alle Nutzungen beherberge. Der Gebäudekubatur und Fassadengestaltung attestieren die Preisrichter eine „hohe architektonische Qualität“. Diese setze sich jedoch nicht durchgängig in der innenräumlichen barrierefreien Gesamtkomposition fort: Die langen Flure seien zu überdenken und durch adäquate Aufenthaltsbereiche vor den Klassenzimmern zu ergänzen. Insgesamt zeichne sich die Arbeit aber durch hohe Qualität aus und stelle einen städtebaulich und architektonisch gelungen Beitrag dar.

Der Entwurf der drittplatzierten Arbeit sieht einen zweigeschossigen Holzbau entlang der Mühlheimer Straße vor. Angetan zeigte sich das Preisgericht vor allem von der sehr kompakten, kammförmigen Bauform: Durch den Wechsel von Gebäudeteilen –  jeweils vier Klassen- und zwei Gruppenräume sind in zweigeschossigen Einheiten zum Innenbereich orientiert – und gut proportionierten Außenräumen entstünden gut belichtbare und benutzbare Innen- wie Außenräume. Besonders lobten die Preisrichter die großzügigen Freiräume, die doch dem Bewegungsdrang der Schüler entsprechen. In seiner „nüchternen, bewusst einfachen Architektursprache“ erfülle der Holzbau ganz die Anforderungen an einen funktionalen Schulbau, so das Preisgerichtsurteil.

Die Preisrichter empfahlen der Ausloberin, das Projekt auf der Grundlage der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit zu realisieren.  

Lena Pröhl