Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Deutsches Tapetenmuseum, Kassel

Preisträger

1. Preis: Harry Gugger Studio, Basel

42.000 € (netto)

Harry Gugger
Mitarbeit: Harry Gugger, Furio Montoli, Henriette Gugger, Rita Araujo, Pedro Pereira, Aphrodite Stathopoulou
Fachberater: WGG Schnetzer Puskas Ingenieure, Heinrich Schnetzer, Basel (Statik),
Atelier Gillmann & Co GmbH, Ursula Gillmann, Basel (Szenografie),
Bartenbach GmbH, Daniel Tschudy, Zollikon (Lichtplanung),
Waldhauser Haustechnik, Marco Waldhauser, Münchenstein (Haustechnik),
Tragwerksplanung Ernst & Eitel GmbH, Mark Eitel, Basel (Kostenplanung),
Gartenmann Engineering AG, Samuel Rütti, Basel (Bauphysik),
PPEngineering, Philippe Petignat, Basel (Fassadenplanung),
Fontana Landschaftsarchitektur, Massimo Fontana, Basel (Landschaftsarchitektur),
Rablab, Severin Berchthold, Olten (Visualisierung)

2. Preis: JSWD Architekten GmbH & Co. KG, Köln

30.000 € (netto)

Frederik Jaspert
Mitarbeit: Armin Memic, Asmaa Hithnawi, Florian Gast, Julian Gross, Martin Mellis
Fachberater: Johannes Römer

3. Preis: Heine Mildner Architekten PartG mbB, Dresden, mit Brunhart Brunner Kranz Architekten AG, Liechtenstein

21.000 € (netto)

Mitarbeit: Martin Richter, Max Oelke, Johanna Walzel, Fabian Tschök, Johannes Brunner

Anerkennung: Allmann Sattler Wappner Architekten GmbH, München

9.000 € (netto)

Markus Allmann, Amandus Sattler, Ludwig Wappner
Mitarbeit: Philipp Vogeley (Wettbewerbsleitung), Maximilian Jüngling (Projektleiter), Simon Kochhan, Moritz Niebler, Lukas Kleiten, Carolin Krebber
Fachberater: hhpberlin, Ingenieure für Brandschutz GmbH, Petra Winkler, München (Brandschutz),
Transsolar Energietechnik GmbH, Stefan Holst, München (Gebäudetechnik),
Knippers Helbig GmbH, Thomas Müller, Berlin (Statik),
TOPOTEK1, Gesellschaft von Architekten GmbH, Claudia Magri, Berlin (Landschaftsgestaltung),
Forbes Massie Studio, London (Visualisierung),
Matthes Max Modellbau GmbH, München (Modellbau)

Anerkennung: COBE ApS, Kopenhagen

9.000 € (netto)

Mitarbeit: Maria Aufegger, Greta Tiiedje, Caroline Nagel
Fachberater: Ove Arup & Partners Danmark A/S, Kopenhagen

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem EU-weiten Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 29.11.2017
Ort Kassel
Auslober Land Hessen
Betreuung FALTIN+SATTLER - FSW Düsseldorf GmbH, Düsseldorf
Preisrichter Prof. Gesine Weinmiller (Vorsitz), Prof. Hans Günter Merz, Prof. Volker Staab, Prof. Jörg Aldinger, Prof. José Mario Gutiérrez, Ulrike Berendsen-Manderscheid, Irene Bauerfeind-Rossmann, Jens Markus Offermann, Christof Nolda, Prof. Dr. Bernd Küster, Ullrich Eitel

 

Historische Tapeten bekommen neues Museum
Neubau für das Deutsche Tapetenmuseum – Museum für Raumkunst in Kassel

 

In der Kasseler Museumslandschaft hat sich in den vergangenen Jahren viel getan: 2015 wurde die Grimm-Welt eröffnet, 2016 das Stadtmuseum nach umfangreicher Renovierung. Nun erhält das Deutsche Tapetenmuseum – Museum für Raumkunst mit dem geplanten Neubau am Brüder-Grimm-Platz erstmals adäquate Ausstellungsräume für eine Dauerpräsentation. Bis 2008 war die weltweit einmalige Sammlung mit rund 23.000 Exponaten, welche die Geschichte der Tapete und ihrer Herstellung vom 17. Jahrhundert bis in die Moderne dokumentieren, im Landesmuseum untergebracht; seitdem ist sie eingelagert. 

 

Der Neubau am Eingang zur Kasseler Innenstadt wird das bisherige Gebäude des Verwaltungsgerichtshofs ersetzen und das Museumsquartier nachhaltig stärken. Ziel des vom Land Hessen ausgelobten und von der FALTIN+SATTLER - FSW Düsseldorf GmbH betreuten Wettbewerbs war neben der Konzeption eines modernen Museumsbaus die Integration von teilweise denkmalgeschützten Bestandsgebäuden in das Museumskonzept. So soll die historische Torwache künftig mit einer Rekonstruktion der Wohnung der Brüder Grimm in die Ausstellungsflächen integriert werden. Darüber hinaus sollen auf den rund 3.000 Quadratmetern modular nutzbare Ausstellungsflächen, Flächen für die Museumspädagogik, das Depot und die Haustechnik Platz finden. Der Neubau soll einerseits den Ort komplettieren – besonderer Wert wurde auf die Ensemblewirkung gelegt –, andererseits aber „selbstbewusst am Platze stehen, ohne lediglich als Appendix des Torhauses zu erscheinen“.

 

74 Büros hatten sich bei dem europaweit ausgeschriebenen Realisierungswettbewerb beworben; nach Auswahl nahmen 27 teil. Das Niveau sei durchweg „sehr, sehr hoch“ gewesen, lobte die Berliner Architektin Prof. Gesine Weinmiller, die dem Preisgericht vorsaß. Durchgesetzt hat sich das Baseler Büro Harry Gugger Studio, das im Gegensatz zu allen anderen Entwürfen der Idee widerstand, das Tapetenmuseum mit „Tapeten“ zu umwickeln. Stattdessen greift der Entwurf die Struktur des Fürstenhauses auf, das bis 1943 an dieser Stelle stand. Der Neubau schließe „ganz selbstverständlich den Platzraum (…), ohne die eigene Präsenz am Ort zu negieren.“ Neben der Betonfassade überzeugten auch die Setzung und Organisation des Hauses. Der Eingang liegt an historischer Stelle und mündet über einen geführten Windfang ins Foyer. Die Arbeit liege in der vergleichenden Kostenbetrachtung zwar im erhöhten Bereich – insbesondere aufgrund der verglasten Schrägdächer –, insgesamt handele es sich aber um „einen sehr klugen Entwurf, der der Stadt einen selbstbewussten Museumsbaustein hinzufügt und sich harmonisch in Stadt und Ort einfügt. Das Tapetenmuseum bekäme ein Gebäude, das auf differenzierte Art und Weise die corporate identity des Museums transportiert.“, waren sich die Preisrichter einig.

 

Auf Platz zwei setzte das elfköpfige Preisgericht das Kölner Büro JSWD Architekten GmbH & Co. KG. Die Verfasser schlagen einen kompakten Baukörper vor, der sich weit in die Tiefe des Grundstücks erstreckt. Der als „sehr einladend“ empfundene Eingang befindet sich direkt neben der Torwache. Von hier gelangt man in ein großzügiges, lichtes Foyer, das sich nach hinten über eine Terrasse auf den Schnuddelplatz öffnet. Die Stärke des Entwurfs liege „in der klaren Gliederung des Baukörpers in einen Sockel, eine Mittelpartie und ein Dachgeschoss“. Diese verleihe dem Museum eine „eindrucksvolle Monumentalität“. Foyer und Ausstellungsräume sowie das Depot sind im Neubau untergebracht; WC, Garderobe und Museumspädagogik in der Torwache. Die Ausstellungsfläche ist auf zwei Geschossen in vier Abschnitte unterteilt und biete „viel Potential für verschiedene Displays“,  urteilten die Preisrichter.  

 

Platz drei belegte die Bewerbergemeinschaft Heine Mildner Architekten/Brunhart Brunner Kranz Architekten aus Dresden/Liechtenstein. Den Verfassern sei es gelungen einen „eigenständigen Stadtbaustein in Form eines trapezförmigen Blocks“ zu entwickeln, der an die alte Torwache anschließt. Über eine mit Kolonaden gesäumte Vorhalle gelangen die Besucher in eine offene Haupthalle. Diese erstreckt sich über die gesamte Gebäudehöhe und leitet in die beiden Ausstellungsflügel über. Die Arbeit erfülle die „wesentlichen Rahmenbedingungen der Auslobung“, dennoch erscheine „das Gebäude verhaftet in einer anderen Zeit, indem es die formalen Ansätze nicht in eine zeitgemäße Ausdrucksweise zu entwickeln vermag.“

 

 

Anerkennungen gingen an das Kopenhagener Büro COBE ApS, Waechter + Waechter Architekten BDA aus Darmstadt sowie Allmann Sattler Wappner Architekten aus München. Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit zu beauftragen. Bis 2023 soll das Museum fertiggestellt sein. 

 

 

Lena Pröhl