Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Dorfgemeinschaftshaus, Grünberg

Preisträger

1. Preis: T. Möhlendick Architekten, Braunschweig

€ 6.400 (netto)

Thomas Möhlendick
Mitarbeit: Florian Raabe
Fachberater: Thomas Krautwald

2. Preis: SCHMEES I WAGNER Partnerschaftsgesellschaft mbB, Gießen

€ 4.800 (netto)

Heiner Schmees, Klaus Wagner
Mitarbeit: Monika Weisel, André Lara, Patrick Weier
Fachberater: IB Rempe + Polzer, Martin Polzer, Gießen (Haustechnik)

Anerkennung: Architekturbüro Archidee, Gießen

€ 1.600 (netto)

Ingo Drommershausen, Christian Böhme
Mitarbeit: Orcin Kurtar, Nadine Garcia, Denise Gerhardt
Fachberater: pitPlan GmbH, Andreas Piechotta, Fernwald (HLS)
BPG Landschaftsarchitekten, Norbert Kerl, Biebertal (Landschaftsarchitektur)

Anerkennung: Tusker Ströhle Freie Architekten, Stuttgart

€ 1.600 (netto)

Matthias Tusker, Andrea Ströhle
Mitarbeit: Xiaowei Nan, Rocco Puoppolo
Fachberater: IWP Ingenieurbüro für Systemplanung GmbH, Stuttgart

Anerkennung: Michael Schoener und Fabian Panzer Architekten GbR, Leipzig

€ 1.600 (netto)

Michael Schoener, Fabian Panzer
Mitarbeit: Mathias Pelli

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 01.11.2017
Ort Grünberg, Ortsteil Harbach
Auslober Magistrat der Stadt Grünberg
Betreuung PlanES, Elisabeth Schade, Gießen
Preisrichter Susanne Wartzeck (Vorsitz), Jörg Blume, Wolfgang Ott, Christopher Unger, Frank Ide, Bärbel Lotz, Oliver Schäfer

Moderner Multifunktionsbau im ländlichen Raum
Neubau des Dorfgemeinschaftshauses in Grünberg-Harbach

Das 1973 errichtete Dorfgemeinschaftshaus in Harbach, einem der dreizehn Stadtteile von Grünberg, erfüllt nicht mehr die heutigen Standards an Barrierefreiheit, Energieeinsparung, Brand- und Schallschutz. Auch die Größe des Saales und der Lagerflächen sowie die Parkplatzsituation sind unzureichend. Da eine Sanierung unwirtschaftlich erscheint, soll nun ein neues Bürgerhaus mit angegliedertem Jugendzentrum errichtet werden.

Die Stadt Grünberg hat zu diesem Zweck einen nichtoffenen, einstufigen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt. Als Wettbewerbsbetreuer agierte das Gießener Büro PlanES. Gefordert war ein Multifunktionsbau für Veranstaltungen mit bis zu 200 Besuchern auf dem Sportplatzgelände am Südrand des Ortes. Das Sportheim bleibt bestehen – Zufahrt und Parkplatz sollen künftig gemeinschaftlich genutzt werden –; das frühere Vereinsheim des örtlichen Kleintierzuchtvereins hingegen wird abgerissen und kann überplant werden. Der maximal zweigeschossige Neubau soll u.a. einen großen Saal mit integriertem/abteilbarem kleinen Saal, Bühne mit Umkleiden, Küche, Sanitäranlagen, Technikraum sowie ein Sitzungszimmer für die örtlichen Vereine und den Ortsbeirat beherbergen. Für das Jugendzentrum, das sowohl als Anbau als auch als eigenständiger Bau realisiert werden kann, sind ein Jugendraum sowie Teeküche und Nebenräume vorzusehen. Besonderen Wert wurde auf Barrierefreiheit gelegt, im Innen- wie Außenbereich. Das Preisgericht, dem Susanne Wartzeck aus Dipperz vorsaß, vergab unter den fünfzehn eingereichten Arbeiten zwei Preise sowie drei Anerkennungen.

Der Siegerentwurf von T. Möhlendick Architekten aus Braunschweig sieht zwei separate Baukörper in Holzkonstruktion vor, die geschickt angeordnet sind und mit dem bestehenden Sportheim einen „gut proportionierten öffentlichen Platz“ ausbilden, so das Preisgericht. Das Dorfgemeinschaftshaus mit Veranstaltungssaal orientiert sich in Richtung Dorfeingang; der Jugendclub liegt geschützter im Grünen. Vor allem Grundriss und Raumprogramm des Gemeindehauses überzeugten: Über einen überdeckten Vorbereich gelangt der Besucher in ein großzügiges Foyer. Dieses ist an Theke und Küche angebunden und könnte daher auch separat als Veranstaltungsraum genutzt werden. Angetan zeigte sich das Preisgericht zudem von den raumhohen Verglasungen an Eingang/Foyer und entlang des Saals, die das Dorfgemeinschaftshaus zum neuen Platz hin öffnen.  

Die mit dem zweiten Preis prämierte SCHMEES I WAGNER Partnerschaftsgesellschaft mbB aus Gießen präsentiert einen markanten, dunklen Hauptbaukörper mit Satteldach, der den Saal beherbergt, und einen diesen umschließenden, eingeschossigen Sockel, in dem der Jugendraum integriert ist. Besonders positiv bewerteten die Preisrichter die Ausrichtung des Saals und des Jugendzentrums nach Südosten. Der Entwurf korrespondiere gut mit dem dörflichen Charakter Harbachs; lediglich die vorgeschlagene Klinkerfassade wurde als nicht ortstypisch abgelehnt. Optimierungspotenzial sah das Preisgericht im Bereich Küche, Garderobe und Foyer und dem Zugang zum Jugendbereich.

Anerkennungen gingen an das Gießener Architekturbüro Archidee sowie Tusker Ströhle Freie Architekten aus Stuttgart, die beide einen L-förmigen Baukörper vorschlagen. Eine weitere Anerkennung erhielt die Michael Schoener und Fabian Panzer Architekten GbR aus Leipzig für ihren „unkonventionellen Lösungsansatz“. Dieser sieht zwei unterschiedlich große, zylinderförmige Gebäude vor, die zurückgerückt vom Festplatz interessante Zwischenräume bieten würden. Insgesamt handele es sich um eine „sehr anspruchsvolle Arbeit, die bei sorgfältiger Planung ein architektonisches Juwel werden könnte“, jedoch nicht unbedingt „die richtige Architektur für den Ort ist“, lautete das Fazit der Preisrichter.   

Das Preisgericht empfahl einstimmig, den Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit zu beauftragen.

Lena Pröhl