Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Kita mit Freianlagen in Mühlheim/Main

Preisträger

1. Preis: Franke Seiffert Architekten, Stuttgart, mit Koeber Landschaftsarchitektur, Stuttgart

€ 10.400 (netto)

Michael Franke, Katja Seiffert, Jochen Köber
Mitarbeit: Simon Schmitt

2. Preis: Ramona Buxbaum Architekten, Darmstadt, mit Michael Palm, Weinheim

€ 7.800 (netto)

Ramona Buxbaum, Michael Palm
Mitarbeit: Jens Beck, Navina Groß, Nadine Ressel, Nina Münzel

3. Preis: Architektengruppe ses, Mühlheim, mit Burghammer Landschaftsarchitektur, Wetzlar

€ 5.200 (netto)

Steffen Ehnes, Matthias Burghammer
Mitarbeit: Jürgen Ehnes, Bianca Ehnes, David Renz

Anerkennung: AG5 Architekten + Stadtplaner PartGmbB, Darmstadt, mit Götte Landschaftsarchitekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 2.600 (netto)

Joachim Klie, Stefan Kappes
Mitarbeit: Christoph Kornmayer, Andres Krause, Jochen Silbermann

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb mit freiraumplanerischem Anteil und vorgeschaltetem Teilnahmeauswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 15.08.2017
Ort Mühlheim/Main
Auslober Stadt Mühlheim/Main
Betreuung UmbauStadt GbR Urbane Konzepte . Stadtplanung . Architektur, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Dieter Gick, Gerald Marx, Marie-Theres Deutsch, Ute Wittich, Petra Hopfgarten, Brigitte Makko, Daniel Tybussek, Harald Winter

Platz zum Spielen und Toben
Neubau einer Kita mit Freianlagen in Mühlheim / Main

Die Nachfrage nach Kita-Plätzen wächst, insbesondere im Ballungsraum Rhein-Main. Auch in Mühlheim am Main steigen die Anmeldezahlen. Die Stadt plant daher, das Betreuungsangebot durch den Neubau einer Kindertagesstätte weiter auszubauen.

Hierfür hatte sie einen nichtoffenen, einphasigen Realisierungswettbewerb mit freiraumplanerischem Anteil und vorgeschaltetem Teilnahmeauswahlverfahren ausgelobt, den die UmbauStadt GbR Urbane Konzepte . Stadtplanung . Architektur aus Frankfurt betreute. Der Neubau für sechs Betreuungsgruppen (zwei U-3-Gruppen zu je 12 Kindern und vier Ü-3-Gruppen zu je 20 Kindern) soll auf dem Gelände des Spielplatzes Wilhelm-Busch-Straße inmitten eines Wohngebiets errichtet werden: Am Westrand des Grundstücks liegt die Erschließungsstraße; auf der Nord-, Ost- und Südseite schließen unmittelbar Wohnbebauungen an. Neben den Gruppenräumen werden eine Küche mit Lager, Verwaltungsräume, Schlafräume und ausreichend Stellplätze benötigt. Bei dem Wettbewerb war eine bindende Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten gefordert.

Die mit dem ersten Preis prämierte Arbeit der Stuttgarter Büros Franke Seiffert Architekten und Koeber Landschaftsarchitektur sieht einen kompakten, zweigeschossigen Gebäuderiegel entlang der Wilhelm-Busch-Straße vor. Mit der Wahl der Gebäudestellung, so das Preisgericht, sei es den Verfassern in hervorragender  Weise gelungen, die vorhandene topografische Struktur zu berücksichtigen und in das neue Freiraumkonzept zu integrieren. Der Entwurf besteche insbesondere durch den „einfachen, klaren und guten“ Grundriss, der trotz aller Wirtschaftlichkeit den Nutzern eine großzügig angelegte Kindertagesstätte biete: Im Westen entlang der Straße befinden sich die Gemeinschaftsflächen, Garderoben, Technik- und Personalräume, während im Osten, dem ruhigeren Freibereich zugewandt, die Gruppenräume liegen. Diesen sind jeweils ein Balkon bzw. eine Terrasse vorgelagert. Für die Kleinsten gibt es eine Spielinsel;  für die Kindergartenkinder steht ein großer Außenspielbereich „zum Spielen und Toben“ zur Verfügung.

Die Zweitplatzierten, das Darmstädter Büro Ramona Buxbaum Architekten in Zusammenarbeit mit dem Weinheimer Landschaftsarchitekten Michael Palm, präsentieren einen kompakten, rechteckigen, zweigeschossigen Neubau entlang der Wilhelm-Busch-Straße. Der Entwurf konnte primär durch die Integration der vorhandenen Freiraumanlagen überzeugen: Als einzige der prämierten Arbeiten weist er dem angrenzenden öffentlichen Spielplatz eine etwa gleichwertige Fläche wie dem Kindergarten zu. Der Eingangsbereich im Nordwesten sei zwar gut auffindbar, habe jedoch lange Verkehrswege im Gebäudeinneren zur Folge, so die Preisrichter. Besonders positiv bewerteten sie den an die Eingangshalle angegliederten Mehrzweckraum, der auch an „Schlechtwettertage“ gut bespielbar sei, sowie die konsequente Blickbeziehung aller Gruppenräume zum Freibereich. Die innere Organisation wurde in weiten Teilen gewürdigt; lediglich die Anordnung der Küche mit Lager sowie die Breite der Erschließungsflure seien zu überprüfen.

Die mit dem dritten Preis ausgezeichnete Arbeit der ortsansässigen Architektengruppe ses in Zusammenarbeit mit Burghammer Landschaftsarchitektur aus Wetzlar zeigt, dass eine vorwiegend erdgeschossige Organisation der Kindertagesstätte möglich ist, dies jedoch auf Kosten der Größe und Nutzung des Freiraums geht. Die Verfasser schlagen ein in Nord-Süd-Richtung ausgerichtetes Gebäude in Holzbauweise vor, das nach Süden geschoben ist. Markant für den Entwurf ist die zentrale, natürlich belichtete Halle, die zum Spielen einlädt. Sie liegt zwischen Krippe und Kindergarten, die über getrennte Eingänge verfügen. Über das gemeinsame, großzügige Vordach entstehe ein „offenes Foyer“, welches sich zu einem „informellen Kommunikationsraum“ entwickeln könnte, hieß es in der Urteilsbegründung.

Eine Anerkennung vergaben die Preisrichter zudem an die AG5 Architekten + Stadtplaner PartGmbB aus Darmstadt mit Götte Landschaftsarchitekten GmbH aus Frankfurt, die ebenfalls eine vorwiegend erdgeschossige Nutzung anregen. Der Grundriss des „filigran und leicht“ anmutenden Gebäudes ist dabei als Winkel ausgebildet; Kindergarten und Krippe sind räumlich getrennt in den beiden Gebäudeflügeln untergebracht. Über einen zentralen Eingangsbereich sowie den Gemeinschaftsraum als Gelenk sind sie miteinander verbunden.  Alle Gruppenräume verfügen über einen direkten Zugang zu den Freiflächen, was die Preisrichter besonders lobten.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali aus Frankfurt  empfahl  der Stadt Mühlheim einstimmig, die Umsetzung auf Grundlage der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit zu realisieren.

Lena Pröhl