Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau Bürgerhaus, Birkenau

Preisträger

1. Preis: STUDIOBORNHEIM Unger Ritter Architekten Partnerschaftsgesellschaft mbB, Frankfurt/Main

€ 12.000 (netto)

Christopher Unger, Peter Ritter
Mitarbeit: Anne Mertins, Jörg Kallmeyer (Modellbau)
Fachberater: B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, NL Frankfurt/Main, Andreas Rutschmann, Frankfurt/Main

2. Preis: Günter Hermann Architekten, Stuttgart

€ 9.500 (netto)

Günter Hermann
Mitarbeit: Julia Maisch

3. Preis: Gerhard Feuerstein, Lindau

€ 7.500 (netto)

Gerhard Feuerstein
Mitarbeit: Bastian Fink
Fachberater: Harsch + Herbrik, Holzmaden (Tragwerk)
Fensterbau Feuerstein, Oberstaufen (Fassade)

4. Preis: gernot schulz : architektur GmbH, Köln

€ 5.000 (netto)

Prof. Gernot Schulz, André Zweering
Mitarbeit: Zoe Reber, Roman Beier

Anerkennung: DREI ARCHITEKTEN Haffner Konsek Streule Vogel Partnerschaft mbB, Stuttgart

€ 2.000 (netto)

Harald Konsek
Mitarbeit: Martin Berlin, Jan-Henrik Schwarzer, Felix Haas
Fachberater: Rehle Ingenieure GmbH, Stuttgart (Tragwerk)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 06.10.2017
Ort Birkenau
Auslober Gemeinde Birkenau
Betreuung Architekturbüro Thiele, Freiburg
Preisrichter Prof. Gerd Gassmann (Vorsitz), Gregor Bäumle, Dea Ecker, Michael Jockers, Joachim Raab, Michael Sonek, Susanne Wartzeck, Bernd Zimmermann, Helmut Morr, Volker Schäfer, Volker Buser, Klaus Elflein, Bernd Brockenauer, Peter Lindner, Dr. Thilo Storch

Synergien bündeln
Neubau Bürgerhaus in Birkenau


Die Gemeinde Birkenau im Odenwald hat seit der Schließung ihres bisherigen Vereinshauses aufgrund statischer Mängel im Jahr 2011 keine Versammlungsstätte mehr. Das soll sich ändern. Bereits 2016 wurden im Rahmen einer Standortanalyse unter Bürgerbeteiligung Überlegungen zur Sanierung des bestehenden Vereinsheims verworfen und verschiedene Standorte für einen Neubau diskutiert.

In einem nichtoffenen Realisierungswettbewerb suchte die Gemeinde Birkenau nun nach Konzeptionsvorschlägen für den Neubau des Bürgerhauses. Dieses soll auf dem Grundstück des sanierungsbedürftigen Freibads an der Ortsdurchfahrt von Birkenau errichtet werden, um kommunale Funktionen an einem Standort zusammenzuführen und dabei entstehende Synergien zu nutzen. Gewünscht war eine reine Veranstaltungshalle für bis zu 500 Personen, die von Gemeinde und Vereinen für vielfältige Veranstaltungen wie Konzerte der Musikvereine, Versammlungen und Sitzungen, Feste und Empfänge genutzt und darüber hinaus auch für private Veranstaltungen angemietet werden kann. Neben dem Saal mit Foyer, Garderoben und Sanitäranlagen waren ein Bühnenbereich sowie eine Cateringküche zur Bewirtung (reine Essensausgabe, keine Zubereitung von Speisen) vorzusehen.

Das innerhalb des Wettbewerbsareals liegende Schwimmbadgebäude sollte in die Überlegungen mit einbezogen werden und konnte durch einen Neubau ersetzt werden. Für Bürgerhaus und Schwimmbad  waren adäquate Vorbereiche gefordert, ob als gemeinsamer Vorplatz oder getrennte Vorbereiche; darüber hinaus Zufahrten für Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge und die Anlieferung von Küchen- und Kioskbereich, ausreichend Stellplätze (mindestens 120 PKW- sowie und 60 Fahrradabstellplätze) sowie ein großer Festplatz.

Der Siegerentwurf von der STUDIOBORNHEIM Unger Ritter Architekten Partnerschaftsgesellschaft mbB aus Frankfurt sieht einen eingeschossigen, quadratischen Gebäudekörper vor. Der Hauptzugang erfolgt über einen vorgelagerten Vorplatz von Westen. Mit Betreten des Gebäudes erhält der Besucher über die Raumfolge von Foyer, Saal und daran angrenzenden Innenhof einen Blickbezug in den Landschaftsraum. Der Innenhof bildet die Schnittstelle zwischen den zentralen Funktionen der Versammlung und dem Freibad und ermöglicht ein zusätzliches Raumangebot mit hoher Aufenthaltsqualität, so die Preisrichter. Besonders lobten sie die Anordnung der Parkplätze auf der Südseite des Gebäudes in Verlängerung zur Festwiese, die diverse Nutzungsmöglichkeiten biete.

Die mit dem zweiten Preis ausgezeichneten Günter Hermann Architekten aus Stuttgart präsentieren einen „einfachen und schlüssigen“ Entwurf. Dieser besteche vor allem durch die „Ausarbeitung eines zentralen Platzes“, dem die Preisrichter hohe Aufenthaltsqualitäten bescheinigen. Auch die Übergänge aus den Teilsälen über das knappe Foyer zum Vorplatz konnten überzeugen, wenngleich eine großzügigere Eingangssituation wünschenswert wäre, so das Preisgericht. Angetan zeigte es sich zudem von dem Schwimmbad, das als aufgeständerter Neubau ausgeführt wird und sich über Treppen und Plattformen zum Festplatz fortsetzt.

Der dritte Platz ging an den Architekten Gerhard Feuerstein aus Lindau. Der Verfasser schlägt einen kompakten Baukörper mit einem „angenehm proportionierte(n) (Vor-)Platz“ vor, „der für Fußgänger, Fahrräder und Autofahrer gleichermaßen den Haupteingang markiert“. Vor allem das großzügige Foyer, das zum großen Festsaal und an den Seiten zum Wirtschaftsgang bzw. über den Wandelgang zum Gartenfoyer führt, lobten die Preiserichter.  Durch eine Abtrennbarkeit werde hier ein hoher Mehrwert geschaffen sowie ein vorbildlicher Übergang zum Freibereich mit Blick auf die Weschnitz, hieß es in der Urteilsbegründung.  

Das Kölner Architekturbüro gernot schulz : architektur GmbH erhielt für seinen „freiräumlich und architektonisch“ überzeugenden Entwurf den vierten Preis. Positiv bewerteten die Preisrichter  vor allem die Anordnung der beiden  Baukörper sowie die „angenehme“ Zonierung der Freiflächen, die eine gute Nutzbarkeit erwarten ließe. Darüber hinaus lobten sie „die skulpturale Ausarbeitung der Baukörper“ und „die simple Holzfassade“ als „angemessene Architektur für den Ort“.  Auch die Grundrissorganisation des Bürgerhauses konnte überzeugen; die Grundrissorganisation des Freibads hingegen müsse noch stärker den Abläufen angepasst werden. 

Anerkennungen vergaben die Preisrichter zudem an das Stuttgarter Architekturbüro DREI ARCHITEKTEN Haffner Konsek Streule Vogel Partnerschaft mbB sowie die ap88 Architekten Partnerschaft mbB Bellm | Löffel | Lubs | Trager aus Heidelberg.

Das Preisgericht, dem der Karlsruher Architekt Prof. Gerd Gassmann vorsaß, empfahl der Gemeinde Birkenau einstimmig die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit bei der Umsetzung des Gesamtprojekts zugrunde zu legen. Betreut wurde das Verfahren vom  Architekturbüro Thiele aus Freiburg.

Lena Pröhl