Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Campus Geisenheim (Hochbau)

Preisträger

1. Preis (Hörsaal): Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart

€ 25.000 (brutto)

Martin Bez, Thorsten Kock
Mitarbeit: Jan Elsenhans, Kejun Lou
Fachberater: Merz, Kley Partner, Gordian Kley, Dornbirn (Österreich) (Tragwerksplanung)
Henne & Walter, Heinz Walter, Reutlingen (HLS)
Boris Degen, Esslingen (Modellbau)

1. Preis (Logistik): Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart

€ 14.000 (brutto)

Martin Bez, Thorsten Kock
Mitarbeit: Jan Elsenhans, Kejun Lou
Fachberater: Merz, Kley Partner, Gordian Kley, Dornbirn (Österreich) (Tragwerksplanung)
Henne & Walter, Heinz Walter, Reutlingen (HLS)
Boris Degen, Esslingen (Modellbau)

1. Preis (Getränketechnologisches Zentrum): Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart

€ 40.000 (brutto)

Martin Bez, Thorsten Kock
Mitarbeit: Jan Elsenhans, Kejun Lou
Fachberater: Merz, Kley Partner, Gordian Kley, Dornbirn (Österreich) (Tragwerksplanung)
Henne & Walter, Heinz Walter, Reutlingen (HLS)
Boris Degen, Esslingen (Modellbau)

1. Preis (Praktikum Lebensmittelsicherheit): Glass Kramer Löbbert - G.v.Arch.mbh, Berlin, mit dichter architektur, Berlin

€ 16.000 (brutto)
Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 16.02.2017
Ort Geisenheim
Auslober Land Hessen
Betreuung scheuvens + wachten + planungsgesellschaft mbH, Dortmund
Preisrichter Prof. Gesche Grabenhorst (Vorsitz), Prof. Michael Koch, Volker Giezek, Prof. Jórunn Ragnarsdóttir, Inge Laste, Ulrike Berendsen-Manderscheid, Thorsten Schmidt, Guido Brennert, Frank Kilian, Dr. Hans Reiner Schultz, Thomas Platte

Mehr Raum für Lehre und Forschung
Campus Geisenheim – nichtoffener, hochbaulicher Realisierungswettbewerb

Die Hochschule Geisenheim existiert in ihrer jetzigen Form erst seit 2013. Dennoch hat sie eine lange Geschichte: Freiherr von Lade gründete bereits 1872 die „Königlich preußische Lehranstalt für Obst- und Weinbau“. Ein Jahrhundert später, 1972, wurde sie in die damals neu gegründete Fachhochschule Wiesbaden (heute Hochschule RheinMain) integriert; Geisenheim als Forschungsort blieb weiterhin bestehen.

Im Zuge der Neugründung vor vier Jahren erfolgte mit der Verknüpfung von Lehre und Forschung eine strategische Neuausrichtung. Zudem will die Hochschule bis 2020 auf 1.800 Studierende wachsen, sodass dringender Baubedarf besteht: Neben Ausbildungs- und Lehrflächen werden zusätzliche Flächen für Verwaltung und Serviceangebote benötigt. Das Land Hessen hat daher einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, der von der scheuvens + wachten + planungsgesellschaft mbH aus Dortmund betreut wurde. Im Rahmen des Hochschulbauprogramms HEUREKA und des Hochschulpakts (HSP) 2020 Phase III sollen vier Neubauten realisiert werden: Hörsaalgebäude, Neubau Logistik, Getränketechnologisches Zentrum (GTZ) sowie das Praktikumsgebäude Lebensmittelsicherheit. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Gesche Grabenhorst vergab unter den eingereichten Arbeiten jeweils drei Preise sowie mehrere Anerkennungen.

„Prägnantes Bild für den Campus“ – Das Hörsaalgebäude

Der erste Preis ging an die Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH aus Stuttgart. Ihr Entwurf sieht einen zur Campuswiese ausgerichteten Hörsaal-Neubau vor, dessen seriell anmutende  Holzfassade mit Glas und Holzpaneel-Ausfachungen eine hohe Flexibilität verspreche. Die Preisrichter lobten die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen, die gute Energieeffizienz des Gebäudes sowie die Ergänzung der Stromversorgung über Fotovoltaik. Der Saal mit ausreichender Bestuhlung ist barrierefrei zugänglich, das Obergeschoss mit Seminarbereich über den Aufzug sowie Treppen erreichbar. Die im Obergeschoss liegenden Seminarräume orientieren sich zur Campuswiese, was als „richtig“ und „wohltuend“ empfunden wurde. Bei dem Entwurf handele es sich um „eine geometrisch starke und über die Materialität aufgeladene Architektur, welche ein prägnantes Bild für den Campus darstellen kann.“, so die Urteilsbegründung.

Glass Kramer Löbbert - G.v.Arch.mbh mit dichter Architektur, beide aus Berlin, erhielten für ihren „Entwurf mit einer unverkennbaren Handschrift“ den zweiten Preis zugesprochen. Den Verfassern sei es gelungen, mit dem Hörsaalgebäude eine angemessene Mitte der Hochschule zu gestalten und neu zu definieren. Insbesondere der Bezug zum Freiraum sowie der Einsatz natürlicher Materialien wurden begrüßt. Die vorgeschlagene helle Gebäudefarbe, die sich von den Bestandsbauten absetzt, wurde kontrovers diskutiert. Der mit dem dritten Preis prämierte Entwurf von hks Hestermann Rommel Architekten + Gesamtplaner GmbH & Co. KG aus Erfurt bilde mit dem benachbarten Laborgebäude ein städtebauliches Ensemble mit „spannungsvolle(n) und funktionsdienliche(n) Außenräume(n)“. Eine besondere Qualität liege in der Verknüpfung der unterschiedlichen topographischen Niveaus durch geschickte Anordnung der Zugänge sowie innerräumlichen Erschließungsbereiche. Die Fassade aus Betonfertigteilen und die raumhohe Verglasung im Foyer verleihe dem Gebäude ein hochwertiges Gesamterscheinungsbild, so die Preisrichter. Anerkennungen gingen an Ferdinand Heide Architekt aus Frankfurt, der mit seinem Entwurf primär den Campusplatz beleben möchte, sowie Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten aus Nürnberg, die ein neues zentrales Hörsaalgebäude mit hoher (Eck-)Verglasung vorschlagen.

„In engem Dialog zum Hörsaalgebäude“ – Der Neubau Logistik

Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH aus Stuttgart erhielten erneut den ersten Preis. Das leicht zum Hörsaal versetzte Gebäude mit tiefer gelegenem Vorplatz stehe „in engem Dialog zum Hörsaalgebäude“ und  stelle einen „ruhigen“ wie „angemessenen“ Baukörper dar. Das serielle Erscheinungsbild biete zudem eine hohe Flexibilität für die innere Aufteilung. Besonders lobten die Preisrichter die Aufenthaltsqualitäten in den Kommunikationszonen, etwa im breiten Flur im Erdgeschoss.

Der zweite Preis ging an Glass Kramer Löbbert - G.v.Arch.mbh mit dichter architektur, beide aus Berlin. Ihr Entwurf besteche durch die gelungene innere Organisation ebenso wie durch die äußere Gestalt: Gekonnt in die Umgebung integriert, bilde das Gebäude mit dem benachbarten Bauwerk ein deutlich erkennbares Ensemble. „Die Wahl der Materialien (…) verspricht eine hohe Wirtschaftlichkeit und dauerhafte Schönheit“, so das Preisgerichtsurteil. Ein „außen- und innenräumlich schlüssiges Konzept“ lieferte auch die drittplatzierte Arbeit von hks Hestermann Rommel Architekten + Gesamtplaner GmbH & Co. KG aus Erfurt: Der vorgeschlagene Neubau füge sich gut in die Umgebung ein und biete dank des großen Mittelflurs Aufenthaltsqualität. Die vorgeschlagene Sichtbetonfassade mit rötlich eingefärbten Fertigteilen harmoniere jedoch nicht mit der Umgebung und sei daher zu überdenken. Anerkennungen gingen an Ferdinand Heide Architekt aus Frankfurt sowie an Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten aus Nürnberg, deren Entwurf das Thema der Gabionenfassade aufgreift.

„Spannende Architektur“ – Das neue Getränketechnologische Zentrum (GTZ)

Die Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH aus Stuttgart überzeugten auch mit ihrem Entwurf für den Neubau des GTZ, einem vielschichtigen Baukörper mit „spannende(r) Architektur“: Ein großzügiges, verglastes Foyer mit Schatten spendendem Vordach schaffe eine einladende Eingangssituation hin zum neuen Campusplatz. Vom Foyer aus erfolge eine gute Orientierung  in die Funktions-, Praktikums- und Seminarbereiche im hinteren Bereich des Gebäudes sowie über zwei zentrale Treppenhäuser in das Obergeschoss, wo sich u.a. die Produktionshalle befindet. Die Verfasser, so das Preisgerichtsurteil, reagieren mit ihrem Entwurf „spannungsvoll auf die unterschiedlichen räumlichen Situationen.“

Dem zwei- bis dreigeschossigen Neubau der zweitplatzierten Arbeit von hks Hestermann Rommel Architekten + Gesamtplaner GmbH & Co. KG aus Erfurt attestierten die Preisrichter eine „klare innen- und außenräumlich Haltung“. Auch der mit dem dritten Preis prämierte Entwurf von Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH aus Berlin konnte mit einem „klar gegliederte(n) und funktionale(n) Grundriss“ punkten. Eine Anerkennung erhielten Glass Kramer Löbbert - G.v.Arch.mbh mit dichter architektur aus Berlin, die mit ihrer „eigenwillige(n) architektonische(n) Sprache“ der Hochschule Geisenheim ein „unverwechselbares Gesicht“ verleihen, so die Preisrichter.

„Attraktives Ensemble mit intimem gemeinsamen Freiraum“ – Der Praktikumsbau Lebensmittelsicherheit

Den Verfassern der erstplatzierten Arbeit, Glass Kramer Löbbert - G.v.Arch.mbh mit dichter architektur aus Berlin, sei es gelungen, ein „attraktives Ensemble“ aus neuem Praktikumsbau und angrenzendem, denkmalgeschützten Gebäude mit einem „intimen gemeinsamen Freiraum“ zu entwerfen, urteilte das Preisgericht.

Die mit dem zweiten Preis prämierte Arbeit der Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH aus Stuttgart besteche vor allem wegen der guten, weil logischen Anordnung der Funktionsflächen: Durch den verglasten Haupteingang wird ein großzügiges und übersichtliches Foyer erschlossen. An dieses angeschlossen befindet sich der Seminarraum; im Obergeschoss sind die Labore samt zugehörigen Räumen. Auch der drittplatzierte Entwurf von Ferdinand Heide Architekt aus Frankfurt konnte mit seiner Grundrissgestaltung überzeugen: Im Erdgeschoss liegen an der östlichen Gebäudeseite die Labore mit zugehörigen Räumen, an der westlichen Seite die Nebenräume. Der Seminarraum liege zwar im Obergeschoss, sei nicht zuletzt durch Sichtbeziehungen aber mit dem Foyer verbunden. Eine Anerkennung ging an die Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH aus Berlin, die „bei kleineren funktionalen Mängeln einen überzeugenden Ansatz für eine Realisierung“ bieten würde.

Das Preisgericht lobte die Wettbewerbsergebnisse als gute Grundlage für den weiteren Weg der Realisierung der Bauvorhaben und empfahl einstimmig, die Anmerkungen aus der Vorprüfung bei der weiteren Planung zu berücksichtigen.

Lena Pröhl