Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau Verwaltungszentrum des Werra-Meißner-Kreises in Eschwege

Preisträger

1. Preis: Karl Hufnagel Architekten, Berlin

€ 24.000

Karl Hufnagel
Mitarbeit: Nadine Clauß, Matti Hufnagel

2. Preis: Bernd Albers Gesellschaft von Architekten, Berlin

€ 18.000

Prof. Bernd Albers
Mitarbeit: Anja Dix, Rosaria De Canditiis

3. Preis: raumplantage Architekten, Buchholz

€ 12.000

Bastian Bartz
Mitarbeit: Sebastian Schmidt, Christian Behnke

Anerkennung: ReindersArchitekten, Osnabrück

€ 3.000

Klemens Hölscher, Axel Winter
Mitarbeit: Cordula Theler

Anerkennung: OX2architekten, Aachen

€ 3.000

Ina-Marie Orawiec, Prof. Marcin Orawiec
Mitarbeit: Nicolas Velz, Marketa Soupkowa, Alexandra Nemirowska, Jonas Fell, Prof. Dr. Mike de Saldanha (Energetisches Konzept)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Offener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 30.05.2016
Ort Eschwege
Auslober Werra-Meißner-Kreis, Gebäudemanagement, Eschwege
Betreuung ANP GmbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Prof. Gesche Grabenhorst, Theodor Sternal, Prof. Cyrus Zahiri, Christian Delius, Stefan G. Reuß, Dr. Rainer Wallmann

 

Gleichgewicht zwischen Autonomie und Einbindung

Verwaltungszentrum Eschwege – nichtoffener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb

Die Verwaltung des Werra-Meißner-Kreises hat ihren Sitz am Schlossplatz in Eschwege. Dort ist ein kleinerer Teil der Mitarbeiter im ehemaligen Landgrafenschloss untergebracht. Der größere Teil arbeitet jedoch im sogenannten Verwaltungsgebäude II, einem gegenüberliegenden Gebäudekomplex, dessen einzelne Bauten aus verschiedenen Zeitepochen stammen. Um dem gestiegenen Raumbedarf der Verwaltung Rechnung zu tragen, war zunächst daran gedacht worden, weitere Büros sowie die dafür notwendigen Nebenräume und Erschließungen im Landgrafenschloss unterzubringen. Aufgrund der zu berücksichtigen Vorgaben des Denkmalschutzes und der hohen Kosten verwarf der Kreistag jedoch die entsprechenden Planungen zugunsten der Errichtung eines neuen Verwaltungszentrums auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Für die entsprechenden Entwürfe lobte der Werra-Meißner-Kreis einen nichtoffenen, internationalen, zweiphasigen Realisierungswettbewerb aus. Betreut wurde dieser von ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel. In der ersten Phase waren 74 Vorschlägen eingegangen, aus denen das Preisgericht 15 Entwürfe zur weiteren Bearbeitung ausgewählt hatte. Das annähernd dreieckige Wettbewerbsgrundstück liegt in exponierter Lage am nordwestlichen Rand der Altstadt. Mit dem angrenzenden Schlossplatz und dem im Renaissance-Stil errichteten Landgrafenschloss direkt gegenüber entsteht an dieser Stelle ein wichtiger Stadteingang. Die auf dem Areal bestehenden Gebäude, darunter das Schlosshotel und die als Verwaltungsgebäude II genutzten Bauten, waren in die Planung einzubeziehen. Jedoch stand neben Sanierung und Umnutzung auch ein Abriss zur Disposition. Lediglich der als Kulturdenkmal klassifizierte Eingangsbau des Schlosshotels mit seiner weitgehend bauzeitlich erhaltenen Treppenanlage sollte – bei möglicher Lageveränderung – in das bauliche Konzept integriert werden.

Nach Abschluss der zweiten Phase vergab das Preisgericht, dem der Frankfurter Architekt Prof. Zvonko Turkali vorsaß, drei Preise sowie drei Anerkennungen. Während die erstplatzierte Arbeit einen weitestgehenden Erhalt und die Sanierung der bestehenden Bauten vorsieht, ergänzt der zweitplatzierte Entwurf das Schlosshotel mit Neubauten. Der mit dem dritten Preis gewürdigte Wettbewerbsbeitrag erhält hingegen lediglich Fassade und Treppenanlage des Hotels und schlägt ansonsten eine komplette Neubebauung vor, die sich in mehrere Einzelbauten gliedert.

Der Siegerentwurf von Karl Hufnagel Architekten aus Berlin folge der Leitidee, ein "angemessenes Gleichgewicht zwischen der Autonomie des Gebäudes und seiner Einbindung in die bestehende Struktur der historischen Stadt" herzustellen, so die Preisrichter. Ihrer Ansicht nach gelinge dies "durchgängig überzeugend durch eine geschickte und gleichsam zurückhaltende Ergänzung der Bestandsbauten sowohl im städtebaulichen wie auch im architektonischen Sinne." Die Verfasser schließen mit einem Neubau das Verwaltungszentrum zu einem dreieckigen Gebäudekomplex. Den Zugang zum Blockinnenbereich von der Südseite her wertete das Preisgericht als stadträumlich und funktional sehr gut gelöst. Die mit Kragbändern, vertikalen Elementen und im Material abgesetzten Ausfachungen gestalteten Fassaden fügten sich "in gelungener Weise in den Kontext der Fachwerkstadt Eschwege ein, ohne sich dabei anzubiedern", so das Urteil der Preisrichter. Sie forderten jedoch mehr räumliche Großzügigkeit für den Haupteingang zum Schlossplatz sowie das Foyer des Sitzungssaals im Erdgeschoss.

Die mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Arbeit des Berliner Büros Bernd Albers Gesellschaft von Architekten mbH steht unter dem Motto "Rekonstruktion, Sanierung, Interpretation". Das Schlosshotel soll erhalten werden und ein Neubau mit gut erkennbarem Sockelgeschoss, drei Geschossen sowie einem Steildach die weiteren bestehenden Bauten ersetzen. Mit seiner hellen, großzügigen Lochfassade, den farblich abgesetzten Öffnungen sowie den dunklen Fensterrahmen interpretiere das neue Gebäude die Neo-Barock-Fassade des Vorgängerbaus, befanden die Preisrichter.

Auf dem dritten Rang landeten raumplantage Architekten aus Buchholz mit dem Vorschlag, das Verwaltungszentrum weitestgehend neu zu errichten und das Bauvolumen dabei als Einzelgebäude erscheinen zu lassen. Der erhaltene historische Eingang am Schlossplatz garantiere eine eindeutige Adressbildung, so das Preisgericht. Seiner Ansicht nach beachte die Gliederung des Neubaus zwar die städtebauliche Körnigkeit, jedoch fehle ein gestalterischer Bezug der Gebäudeteile zueinander.

Jeweils eine Anerkennung erhielten zudem ReindersArchitekten aus Osnabrück, OX2architekten aus Aachen sowie Dierks Blume Nasedy Architekten aus Darmstadt.

Das Preisgericht empfahl dem Kreistag des Werra-Meißner-Kreises einstimmig, mit den drei ausgezeichneten Verfassern in das Verhandlungsverfahren einzutreten.


Katja Klenz