Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2018

9. Staatliche Zuschussförderung an Qualitätskriterien binden

Der Staat ist in besonderer Verantwortung, wenn er mit Steuergeldern Projekte fördert. Bei der Verwendung öffentlicher Mittel sollte es sowohl im Städtebau als auch im staatlichen Hochbau Ziel sein, die jeweils beste Lösung einer Planungs- und Bauaufgabe zu ermitteln. Gerade der Planungswettbewerb als Leistungswettbewerb wird dieser Verantwortung des öffentlichen Bauherren gerecht. Bleibt das entwerferische Ringen um die beste Lösung einer Planungs- und Bauaufgabe aus, leiden darunter das Stadtbild ebenso wie die Stadtkasse. Oft erweisen sich die scheinbar kostengünstigeren Beauftragungen, die aus Mehrfachbeauftragungen hervorgehen, schließlich als die teurere Wahl. Die Planungshonorare machen nur zwei Prozent der Lebenszykluskosten eines Gebäudes aus, sie beeinflussen aber 90 Prozent dieser Summe. Es lohnt sich also, in gute Planung zu investieren. Zuwendungsbauten sollten nur dann die volle Förderung erhalten, wenn der Entwurf in einem Wettbewerb ermittelt wurde.

Weiterhin muss bei der zu fördernden Aufgabenstellung darauf geachtet werden, dass der Kreis der Teilnahmeberechtigten mit der Aufgabe harmoniert. Andernfalls entfällt die Förderwürdigkeit des Projekts. Gerade bei der Flächenplanung bzw. der Stadtplanung ist häufig festzustellen, dass zum Beispiel originär stadtplanerische Leistungen für verschiedene Ingenieursdisziplinen geöffnet werden.

Der Erfolg von Bauvorhaben hängt erheblich von einem guten Verhältnis des Bauherren zum Architekten ab. Grundstein für eine gute Beziehung ist eine sorgfältige Bedarfsanalyse als Kernelement der entscheidenden Projektanbahnungsphase. Die Bedarfsermittlung ermöglicht präzise Aufgabenstellungen für Planungswettbewerbe oder andere Vergabearten. Die Bedarfsanalyse kann nach der DIN 18205 erfolgen und ist unter Umständen auf eine Machbarkeitsstudie auszuweiten. Sie stellt die ersten Weichen für eine spätere Risikoanalyse und eignet sich gerade bei städtebaulich relevanten Vorhaben als Grundlage einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung.

Es gilt, einen der größten Risikofaktoren auszuschließen: den Baubeginn noch vor Abschluss der Ausführungsplanung aufgrund von sachfernen Gründen. Baubegleitendes Planen aufgrund sich ändernder Anforderungen im Zusammenspiel mit unklaren Kompetenzzuweisungen auf Bauherrenseite birgt ein erhebliches Risiko, mit einem Projekt Havarie zu erleiden. Es muss sichergestellt sein, dass öffentliches Planungs- und Baumanagement in allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung (Landesentwicklung, Landschaftsplanung, Stadtplanung, Hochbau) an der Spitze von technisch versierten Fachleuten, wie etwa von Architekten, Stadtplanern oder Landschaftsarchitekten, verantwortet wird. Das gilt in besonderem Maße auf Landesebene.

Das sagen die Parteien zu diesem Wahlprüfstein

Zum download der Gegenüberstellung bitte anklicken

Die AKH plädiert für:

  • die Verpflichtung zu städtebaulichen Wettbewerben bei Verwendung öffentlicher Fördermittel,

  • die Verpflichtung zu Architektenwettbewerben bei Zuwendungsbauten,

  • die zwingende Durchführung fundierter Bedarfsanalysen bis hin zu Machbarkeitsstudien als Fundament gelingender Bauprojekte,

  • den Verzicht auf projektbegleitendes Planen,

  • die realistische Bemessung von Planvorlaufzeiten,

  • die Sicherstellung der Bauherrenfunktion durch die öffentliche Hand, indem das Bau- und Projektmanagement an der Spitze von technisch versierten Fachleuten wie Architekten Stadtplanern und Landschaftsarchitekten wahrgenommen wird.

 

 

 

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