Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2018

8. Digitalisierung des Planungs- und Bauwesens mit Augenmaß vorantreiben

Die Digitalisierung findet in beschleunigtem Tempo in allen Bereichen der Wirtschaft statt: Das Bauwesen und die Wertschöpfungskette Bau stehen vor Herausforderungen. Die Methode des sogenannten Building Information Modeling (BIM) soll zusehends Standard werden. Richtig eingesetzt kann sie zu mehr Planungs- und Kostensicherheit führen.

Die Trennung von Planen und Bauen ist dadurch nicht infrage gestellt. Dennoch wird behauptet, ein Mehr an Planungs- und Kostensicherheit lasse sich nur durch ein sogenanntes Design-Build-Konzept erreichen. So lasse sich die nötige Planungssicherheit nur sicherstellen, wenn ausführende Unternehmen bereits zu Beginn der Planung digitaler Gebäudemodelle beteiligt werden. Es besteht jedoch kein Anlass, von vergaberechtlichen Grundregeln und dem Prinzip der Planung und der daran anschließenden, produktneutralen Ausschreibung abzurücken. Architekten können durch die neuen Möglichkeiten ihren bestehenden Aufgaben der Koordination von Fachplanern und Gewerken besser gerecht werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Prozesse im öffentlichen Bau- und Projektmanagement zwischen Bauherren und Auftragnehmern überprüft und fortentwickelt werden.

Bedingung aller BIM-Projekte ist eine kompetente Ausgestaltung der Planung sowie stetige Entscheidungsbereitschaft und -kompetenz des Bauherren. Weiterhin muss der Auftraggeber den erforderlichen Know-How-Schutz vertraglich zusagen und in der Vergabephase technisch umsetzen. Die BIM-Kompetenz von Auftragnehmern darf nicht als Merkmal genutzt werden, das den Kreis der Wettbewerber um öffentliche Aufträge einschränkt.

Die Kammern stellen im Rahmen ihres Auftrags sicher, dass die Befähigung zu BIM durch Kammernachweise und -zertifikate geführt wird, die vom Land Hessen und den Kommunen anzuerkennen sind. Neben der Notwendigkeit, Personal zu qualifizieren, entstehen auch erhebliche Vorlaufinvestitionen, sowohl im Projektmanagement der Bauherrenseite als auch für die jeweilige Bürostruktur von Planungsbüros. Für entsprechende zielgerichtete Investitionen sollten Förderanreize gesetzt werden. Zudem gilt es, Beratungsangebote von Kammern in Zusammenarbeit mit den öffentlichen Auftraggebern zu entwickeln und anzubieten.

Das sagen die Parteien zu diesem Wahlprüfstein

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Die AKH plädiert für:

  • eine von Land und Kommunen im Dialog mit den Planern und ausführenden Unternehmen konzipierte Einführungsphase für BIM von zumindest drei Jahren,

  • die Schaffung von Standards zur Beauftragung digitaler Gebäudemodelle,

  • Open-Book-Projekte zur Ermittlung fairer Standards und auskömmlicher Vergütungsansätze,

  • Beratungsangebote und Förderprogramme für KMU,

  • die Beibehaltung der Grundregeln des Vergaberechts,

  • die Trennung von Planen und Bauen auch bei Einsatz der BIM-Methode,

  • Nachweise über die von der öffentlichen Hand angefragte BIM-Befähigung der Auftragnehmer, für eingetragene Architekten ausschließlich erstellt von den Architektenkammern im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags der Listenführung.

 

 

 

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