Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2018

5. Gesellschaftlichen Zusammenhalt durch qualitätsvollen und bezahlbaren Wohnungsbau fördern

Wohnen ist ein Grundbedürfnis aller Menschen. Gute Wohnverhältnisse und ein funktionierendes Wohnumfeld sind wesentliche Voraussetzungen für den sozialen Frieden und den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ein ausreichendes und differenziertes Wohnungsangebot ist ein unverzichtbarer Standortvorteil im Wettbewerb der Regionen. In Hessen wird für den Zeitraum von 2014 bis 2040 der Wohnungsbedarf auf rund 517.000 Wohnungen geschätzt. Jährlich sollen 37.000 Wohnungen neu entstehen. Davon entfallen 86 Prozent allein auf Südhessen.

Derzeit bleibt die Realisierungsquote weit hinter den Berechnungen und den konkreten Bedarfen zurück. Insbesondere die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum und besonderen, gemeinschaftsorientierten Wohn- (und Pflege-)formen steigt und findet auf dem Wohnungsmarkt keine adäquate Entsprechung. Die jüngsten Zuwanderungsbewegungen verschärfen den Druck und verstärken die Tendenz zu räumlichen Disparitäten. In der Metropolregion FrankfurtRheinMain wächst die Wohnungsnot. Die Gentrifizierung nimmt zu. Dem steht ein fehlendes Investitionsinteresse in strukturschwachen, peripheren Räumen Nord- und Mittelhessens gegenüber.

Der Wohnungsneubau wird größtenteils durch gewerbliche Anbieter bestimmt, die in der Regel nur im hochpreisigen Wohnungssegment eine rentable Nutzung sehen. Ihr Angebot entspricht standardisierten Lebensformen und wird der Vielfalt an Wohnbedarfen nicht gerecht. Zudem sind immer mehr einkommensschwächere Haushalte nicht in der Lage, die marktüblichen Mieten in den Städten des Ballungsraumes zu bezahlen. So ist im Zeitraum von Juli 2013 bis Juli 2015 im Gebiet des Regionalverbands FrankfurtRheinMain der Quadratmeterpreis für Wohnimmobilien um 23 Prozent gestiegen.

Ein Paradigmenwechsel ist gefragt, der das Thema "Wohnen für alle" als Strukturförderung anerkennt und zum zentralen Politikfeld erklärt. Wohnungsbau, Stadt- und Regionalentwicklung müssen zukünftig noch stärker im Zusammenhang gesehen und mit anderen Politikbereichen, z.B. der Wirtschaftsförderung, der Sozialpolitik und der Liegenschaftspolitik, verzahnt werden.

Das sagen die Parteien zu diesem Wahlprüfstein

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Die AKH plädiert für:

  • die Entwicklung qualitativer Leitlinien einer integrierten Wohnungspolitik,

  • eine Neukonzeption der Wohnungsbauförderung des Landes Hessen, die programmatisch den künftigen gesellschaftlichen und ökonomischen Anforderungen Rechnung trägt, regional justierbar ist und differenzierte Anreize für unterschiedliche Wohnungsmarktakteure schafft,

  • eine Modernisierung der Förderrichtlinien, um veränderten Wohn- und Lebensformen in den Grundrissen Rechnung zu tragen,

  • eine Bundesratsinitiative zur Erhöhung der Abschreibungssätze für den Wohnungsbau sowie zur Schaffung weiterer steuerlicher Anreize, auch für Modernisierungen im Bestand,

  • die Förderung von Modellvorhaben für zeitgemäße Wohn- und Lebensformen sowie ressourcenschonende Bauweisen und nachhaltige Mobilitätskonzepte,

  • mehr Wettbewerb und Qualität im Wohnungsbau durch Konzeptvergabe und Planungswettbewerbe.

 

 

 

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