Architekten- und Stadtplankammer Hessen

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Altbauten an modernes Wohnen anpassen

Knapp die Hälfte der aktuell auf dem Markt angebotenen, mehr oder weniger sanierungsbedürftigen Häuser stammen aus den Jahren 1949 bis 1978. Diese 49 Prozent lassen sich schwerpunktmäßig in zwei Kategorien einordnen:

Die so genannten Nachkriegsbauten der späten vierziger und fünfziger Jahre wurden mit möglichst sparsamen und einfachen Mitteln errichtet. Die Wohnhäuser mit ihren auf ein Minimum reduzierten Wandstärken und Dachkon­struktionen deckten den damals riesigen Bedarf an Wohnraum. Energieverbrauch spielte seinerzeit keine Rolle, was aus heutiger Sicht eine Sanierung problematisch macht. Aber auch die Bauten der 1960er und 1970er Jahre, de­ren Äußeres oft durch Flachdächer und Fensterbänder geprägt ist, weisen besonders in energetischer, aber auch in konstruktiver Hinsicht eklatante Mängel auf. Ein Abbruch ist aus wirtschaftlicher Sicht dennoch selten sinnvoll: Der Restwert des Hauses ist oft noch zu hoch und die Entsorgungskosten liegen jenseits des Bezahlbaren. Hinzu kommt die fast überall notwendige, teure Baustofftrennung. Die Kosten dafür lassen sich vorab schwer einschätzen, da erst während des Abrisses alle verwendeten Materialien sichtbar werden.

Einfamilienhäuser, die nach dem Krieg errichtet wurden, können häufig relativ einfach familiengerecht oder gar barrierefrei saniert werden. Ein Architekt kann am besten beurteilen, ob die Bausubstanz des jeweiligen Altbaus die konstruktiven Voraussetzungen hierfür erfüllt. Am Anfang der Planung stehen dabei Ihre persönlichen Wünsche als Bauherr. Passen eher offene oder eher geschlossene Räume zu Ihrem Lebensstil? Wird ein abgeschlossener Arbeitsbereich im Haus oder eine separate, abtrennbare Wohnung für ältere Kinder benötigt? Sollen eventuell Untermieter oder pflegebedürftige Eltern mit einziehen? Der Architekt klärt mit Ihnen die Anzahl, Größe und Orientierung der Räume. Er analysiert den aktuellen Zustand des Hauses und die verwendeten Baumaterialien, um die richtige Konstruktionsart für die gewünschten Änderungen zu wählen und den konkreten Charakter des Gebäudes noch zu stärken. Durch genaues Vermessen des Hauses berechnet der Architekt die exakten Flächen und kann damit Kosten eingrenzen. Er prüft, ob sich Raumreserven beispielsweise im Dach oder Keller zum Ausbau eigenen. Der Architekt untersucht außerdem die vorhandene Heizungsanlage auf ihren Wirkungsgrad hin und schlägt Ihnen gegebenenfalls alternative, kostengünstigere Lösungen vor.

Auch viele größere Wohnungsbauten aus den 1950er und 1960er Jahren lassen sich mit relativ geringem Aufwand an die aktuellen Bedürfnisse anpassen. Kleine Räume können zu größeren zusammengelegt, unzureichende Sanitärbereiche grundlegend erweitert und besser organisiert werden. Der Architekt prüft Treppenräume, Wohnungstrennwände und teilweise auch die Zwischenwände auf ihre Schallschutzeigenschaften. Denn Lärm ist der meist beklagte Mangel in Mehrfamilienhäusern. Die Wände können jedoch mit gewissenhafter technischer Aufrüstung durchaus den heutigen Anforderungen an Wohnkomfort gerecht werden. Um beispielsweise schalltechnisch problematische Steigleitungen von Schlafräumen zu trennen, schlägt der Architekt gegebenenfalls sogar eine grundlegende Änderung der Nutzung oder Anordnung von Räumen vor. Oft hilft auch die Erneuerung der Rohrleitungen mit schweren Materialien und guter Dämmung.

Der Wärmeschutz hat entscheidenden und dauerhaften Einfluss auf die Nebenkosten bei der Nutzung eines Gebäudes. Bei einer nachträglichen Dämmung ist viel Feingefühl des Architekten erforderlich, um den typischen Charakter des Hauses zu erhalten. Dies gilt für strukturierte, durch Gesimse gegliederte Fassaden oder für Fassaden, deren Besonderheit im Wechsel der Materialien liegt, ebenso wie für den Austausch von Fenstern. Beim Aufbringen eines neuen Wärmedämmpaketes besteht auch die Gefahr neuer Bauschäden. Ein erfahrener Architekt erkennt diese: Er weiß, ob beispielsweise sämtliche Fenstersimse ausgetauscht oder alle Dachanschlüsse angepasst werden müssen. Werden alte Fenster durch dichte, wärmetechnisch optimierte Fenster ersetzt, kann falsches Lüften zu Schimmelbildung führen. Der Architekt weist hier auf die Möglichkeiten einer sinnvollen mechanischen Lüftung hin.

Ein vom Architekten erarbeitetes Sanierungskonzept berücksichtigt das Erscheinungsbild des Hauses, gliedert die Ausführung der notwendigen Arbeiten in sinnvolle Bauabschnitte und setzt Prioritäten. Der Architekt weist Sie auch auf die verschiedenen Fördermöglichkeiten beim Bauen im Bestand hin. Bei all dem ist er der Sachwalter Ihrer Interessen und kümmert sich um Ihre Belange. Durch eine gut geplante Modernisierung wird zeitgemäßes Wohnen im Altbau oft günstiger realisiert als durch einen vergleichbaren Neubau.

 

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