Architekten- und Stadtplankammer Hessen

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Wohnkomfort durch Barrierefreiheit

Foto © Kristina Schäfer, Mainz

An Haltestellen von Straßen-, S- oder auch U-Bahnen ist zwar selten ein Höhenunterschied zu überwinden, aber oft klafft zwischen Tür und Bahnsteig eine Lücke von 20 und mehr Zentimetern. Hier sind Behinderte vor allem auf die Initiative der öffentlichen Hand angewiesen.

Die eigene Wohnung oder das eigene Haus dagegen kann auf eigene Initiative hin barrierefrei gestaltet werden. Das ist besonders dann nötig, wenn der Wohnungsinhaber Rollstuhlfahrer ist. Architekten sind dabei kompetente Partner, da sie sich mit den Normen und Regeln für barrierefreies Bauen auskennen. Aber auch ohne Handicap sind Sie als Bauherr oder Bauherrin gut beraten, zumindest so flexibel zu bauen, dass Sie später problemlos barrierefrei nachrüsten können. Denn schnell können Unfälle, Krankheit oder auch das Alter Ihre Mobilität zumindest zeitweise einschränken. Und wer mit einem Kinderwagen unterwegs ist, weiß barrierefreie Zugänge ebenfalls zu schätzen.

Beim Neubau von Wohnungen regelt die DIN 18040-2 die barrierefreie Planung, Ausführung und Ausstattung von Wohnungen, Gebäuden mit Wohnungen und deren Außenanlagen, die der Erschließung und wohnbezogenen Nutzung dienen durch genaue Vorgaben für die barrierefreie Gestaltung. Die Norm bestimmt – je nach Behinderung des Bewohners – Größe und Ausführung von Eingang, Windfang, Wohnraum, Bad und WC.

Gerade Rollstuhlfahrer haben sehr spezifische Ansprüche ans Woh­nen. Architekten achten bei der Planung darauf, dass der Zugang zum Gebäude direkt vom Stellplatz beziehungsweise von der Garage aus möglich und vor der Witterung geschützt ist. Der Stellplatz sollte dabei auf gleichem Höhenniveau liegen wie der Hauseingang. Haus-, Wohnungs- oder Innentüren soll­ten keine Schwelle haben, mindestens 90 Zentimetern breit und leicht zu öffnen sein. Bad- und WC-Türen müssen Richtung Flur aufschlagen, der mindestens 1,50 Meter breit sein sollte. Dieses Maß gilt auch für den Wendekreis, den Rollstuhlfahrer in jedem Zimmer benötigen. Daher bezieht der Architekt frühzeitig die künftige Einrichtung in seine Planung mit ein.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Küche: Neben dem ausreichend großen Wendebereich für Roll­stühle erleichtern unterfahrbare Spüle und Herd die Arbeit. Ein Berührungsschutz bei sämtlichen Heißwasserleitungen und Heizkörpern verhindert Beinverbrennungen. Backofen und Kühlschrank wiederum sind auf einem Unterschrank besser erreichbar, ebenso wie Schränke mit ausfahrbarem Kasteneinzug an Stelle normaler Unterschränke. Hängeschränke sind dagegen unerreichbar, denn die maximale Greif­höhe von Rollstuhlfahrern liegt bei 1,45 Meter. Die Möblierung in der Küche macht es oft nötig, für Fenster und Rollläden elektrische Antriebe einzubauen.

Die angemessene Konzeption der Sanitärräume spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Die konkreten Bedürfnisse des Nutzers stehen auch hier für die Architektin oder den Architekten an erster Stelle. Je nach individueller Situation muss zusätzlicher Platz für eine Pflegeperson eingeplant und die Badewan­ne in der Höhe angepasst werden. Für den nachträglichen Einbau einer Badewanne sollte genügend Raum eingeplant werden, auch wenn zunächst nur eine Dusche gewünscht ist.

Liegen Wohn- und Schlafraum auf unterschiedlichen Geschossen, rät der Architekt in der Regel zu einem Aufzug. Aber auch ein Treppenlift, ein Hubbühne oder eine Treppenraupe sind denkbar. Letz­tere lässt sich allerdings nur mit Hilfe bedienen. Bei den Fußböden sind pflegeleichte Beläge zu emp­fehlen, denn Rollstühle bringen viel Schmutz und Nässe in die Wohnung. Hier eignen sich insbesondere Fliesen, PVC oder Kork. Erfahrene Architekten achten auch darauf, dass Lichtschalter, Türklinken und Rolladen-Gurtwickler 85 Zentimeter über Fußboden liegen. Diese Höhe ist für Rollstuhlfahrer optimal. Auch empfiehlt sich dringend eine Haussprechanlage. Tiefer gelegte Fensterbrüstungen erhöhen den Wohnkomfort: Sie ermöglichen Rollstuhlfahrern einen ungehinderten Ausblick.

Mit Kreativität und Kompetenz bewegen sich Architekten im engen Korsett der vorgeschriebenen Nor­men. Sie berücksichtigen die individuellen Bedürfnisse der Nutzer und sorgen für eine entsprechend barrierefreie Gestaltung des Wohnumfelds. Gemeinsam entscheiden Bauherr und Architekt, mit wel­chen baulichen Maßnahmen und welchem finanziellen Einsatz ein angemessener Lebensraum entste­hen kann. Barrierefreies Bauen steht für zeitgemäße Architektur: hoher Wohnkomfort und ansprechen­de Gestaltung schaffen die Voraussetzung für einen Leben in Würde und größtmöglicher Selbststän­digkeit.

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