Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Aktuelles

26.08.2018

Gelungener Perspektivwechsel

Knapp 90 Stadtplaner und Städtebauarchitekten trafen sich am 22. August unter dem Motto "Regionen anders sehen" im Deutsches Architekturmuseum DAM, um über neue Herangehensweisen in der Stadt- und Regionalentwicklung zu diskutieren.

Fotos: AKH/ Christoph Rau

Abb: Team berchtoldkrass Projekt: Metrobild


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Viele der Teilnehmer hatten sich dort bereits am Nachmittag bei einer Führung durch die aktuelle Ausstellung "RHEIN MAIN – Die Region leben" mit dem Kurator Christian Holl auf das Vortragsprogramm eingestimmt, das von der Arbeitsgruppe Stadtplanung der AKH unter Vorsitz von Torsten Becker konzipiert worden war.

Nach Begrüßung der Zuhörer durch die Stadtplanerin Annelie Bopp-Simon vom Vorstand der AKH sprach zunächst Kammergeschäftsführerin Gertrudis Peters über die Lust auf Planung. Der Diskurs über Planung sollte sich nach Auffassung von Frau Peters zukünftig verstärkt auch mit den Entwicklungen in ländlichen Räumen auseinandersetzen und dabei die Grenzen des Wachstums reflektieren. Mit positiven Zukunftsbildern kann Planung auch Lust auf Zukunft machen, was Frau Peters am Beispiel der Zukunftswerkstatt der AKH veranschaulichte.

Christian Holl erläuterte den Hintergrund der Ausstellung und verwies auf die zahlreichen Bemühungen für die Region Frankfurt / Rhein-Main, mittels innovativer Planungsinstrumente die regionale Zusammenarbeit zu fördern, so u.a. die Ideen zur Durchführung einer Internationalen Bauausstellung. Die Region sei als »kulturelles Produkt« das »Ergebnis von Gestaltung« und müsse von den Akteuren »gemacht« werden. Als Anregung für eine Diskussion stellte Holl folgende Thesen auf:

  1. Mythen wie das Wohnen im freistehenden Einfamilienhaus oder das Automobil blockieren die Herausforderungen der Stadt- und Regionalplanung.
  2. Wir steuern auf eine soziale Segregation im regionalen Maßstab zu.
  3. Der Wohnungsmarkt ist kein Markt, sondern eine Aufgabe der politischen Steuerung.
  4. Verkehr ist kein Problem, das gelöst werden kann und damit verschwinden würde. Vielmehr geht es um einen stadt- und umweltverträglichen Umgang mit Mobilitätsansprüchen und -bedürfnissen.
  5. Gestaltung matters. Gestaltung ist eine politische, planerische und architektonische Aufgabe.

Als Hauptredner stellte Philipp Krass unter dem Titel Eine gute Zeit für große Pläne! Städte und Regionen neu denken (PDF) seine Erfahrungen mit großräumigen strategischen Konzepten dar. Sein in Karlsruhe ansässiges Büro berchtoldkrass space&options experimentiert mit bildhaften Analysemethoden, die jenseits der formellen Planung räumliche und funktionelle Zusammenhänge herausarbeiten und somit die Grundlage für Zukunftsbilder von Städten und Regionen darstellen. Anhand der inspirierenden Projekte »Metrobild Zürich« und »Räumliches Leitbild Karlsruhe« zeigte Philipp Krass, wie man Räume im regionalen Maßstab lesen kann, Thesen und Szenarien entwickeln und die daraus resultierenden Konsequenzen verdeutlichen kann und wie schließlich mögliche »Zukünfte« entworfen werden können. Pläne im großen Maßstab seien mehr als funktionale Zuweisungen, sie hätten auch eine gestalterische und gestaltende Komponente. Dazu müssen Planer Stadt und Landschaft zusammen denken und durch bildhafte Methoden Konzepte entwerfen. Große Pläne entstehen seiner Meinung nach im Wettbewerb der Ideen und im Diskurs der Akteure gleichermaßen. Es gebe hierzu erprobte Verfahren, die leider noch viel zu wenig Anwendung fänden.

Im Anschluss an die Vorträge bestand Gelegenheit zur Diskussion und zu Fragen an die Vortragenden, wovon ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Dabei ging es mehrheitlich um die konkrete Umsetzung der unterschiedlichen vorgestellten Ansätze und Modelle. Die Vortragenden machten sich mit sichtlichem Vergnügen an die Beantwortung, zunächst auf dem Podium, später dann noch in lockerer Atmosphäre bei einem kleinen Imbiss in den Räumen des DAM. Als Erkenntnis aus dem Stadtplanerabend lässt sich festhalten, dass das Interesse am Planen im großen Maßstab groß ist. Das Aufbrechen eingeprägter Denkmuster und das Ausprobieren innovativer bildhafter Methoden kann die Diskussion um die Zukunft von Räumen durch aktive, vorausschauende Stadt- und Regionalplanung wirksam beeinflussen.

Torsten Becker
Vorsitzender der AG Stadtplanung der AKH



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