Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Erweiterung Erich-Kästner-Schule in Darmstadt

Preisträger

1. Preis: dasch zürn architekten GbR, Stuttgart

€ 13.000

Helmut Dasch, Joachim Zürn
Mitarbeiter: Sebastian Kittelberger, Joachim Zilligen

3. Preis: AG 5, Dipl.-Ingenieur Architekt + Stadtplaner, Darmstadt

€ 7.500

Joachim Klie
Mitarbeit: Christof Kornmayer, Andres Krause

3. Preis: Riehle+Assoziierte GmbH+Co KG Architekten und Stadtplaner, Reutlingen

€ 7.500

Wolfgang Riehle, Gerhard Loew, Thorismuth Gaiser, Jochen Kühl
Mitarbeit: Dirk Sabel
Fachberater: Ulrich Schreiner (Modellbau), Moritz Doerstelmann (Visualisierung)

4. Preis: Rieger Architekten GbR, Dresden

€ 4.000

Juliane Lehner, Joachim Rieger
Mitarbeit: Christian Steinborn, Edna Lufirs, Andreas Blume, Matthias Vossberg, Cornelia Locke

Anerkennung: ArGe Leckert Voigt, Frankfurt/Main

€ 2.000

Andreas Leckert, Prof. Eberhard Voigt
Mitarbeit: Sabine Michalke-Vieler (Modellbau)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 06.11.2015
Ort Darmstadt
Auslober Eigenbetrieb Immobilienmanagement, Schulbaukoordination, Darmstadt
Betreuung goedeking architekten, Frankfurt/Main
Preisrichter Christian Nasedy (Vorsitz), Petra Bittkau, Cornelia Zuschke, Peter Sichau, Sabine Michel-Sturm, Bernd Neis

Holzbau zwischen Betonbauten 

Nichtoffener Realisierungswettbewerb „Erich Kästner-Schule Darmstadt-Kranichstein“

Die Erich Kästner-Schule in Darmstadt-Kranichstein ist als sechszügige Grundschule mit rund 550 Schülern die größte in Darmstadt. Durch den Ausbau des Betreuungsangebots und die Einrichtung eines Ganztagsbetriebs sind die Anforderungen an die Schule gestiegen, die räumlichen Voraussetzungen fehlen jedoch. Ein Neubau soll diesen Bedarf decken. Für diese Bauaufgabe hatte die Stadt Darmstadt, Eigenbetrieb Immobilienmanagement, einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit 25 Teilnehmern ausgelobt: 21 Teilnehmer wurden per Losverfahren ermittelt, vier waren gesetzt.

Kranichstein wurde in den 1960er-Jahren von Ernst May als Trabantenstadt geplant. Die Erich Kästner-Schule entstand 1968, zunächst als zweigeschossiger Fertigteilbau. In den folgenden Jahren wurde dieser durch weitere Bauten in ähnlicher Typologie ergänzt: 1972 kam ein Pavillon hinzu, 1973 eine Sporthalle mit angeschlossenen Klassenräumen, 1979 der Förderstufenbau und 1989 ein weiteres Gebäude mit Klassenzimmern. Der Pavillon erfüllt heute weder die räumlichen noch die energetischen Standards und ist nach baufachlicher Untersuchung nicht mehr sanierungsfähig. Er soll daher abgerissen werden und an seiner Stelle der Neubau entstehen.

Der Schule mangelt es auch an einem großzügigen Pausengelände. Ein solches soll nun zusammen mit dem Neubau entstehen. Gewünscht sind differenzierte Bereiche für Bewegung, Spiel, Kommunikation, Ruhe und Entspannung, regen- und sonnengeschützte Zonen sowie ein „Grünes Klassenzimmer“. Die Außenraumgestaltung war ebenfalls Teil der Wettbewerbsaufgabe. Zusammen mit dem Neubau soll diese die Schule insgesamt aufwerten.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Christian Nasedy vergab einstimmig den ersten Preis an dasch zürn architekten GbR aus Stuttgart und empfahl der Ausloberin die Architekten mit der Umsetzung zu beauftragen. Ein zweiter Preis wurde nicht vergeben. Jeweils einen dritten Preis erhielten AG 5 Architekten aus Darmstadt und Riehle + Assoziierte GmbH + Co. KG Architekten und Stadtplaner aus Reutlingen. Ein vierter Preis ging an Rieger Architekten GbR aus Dresden. Darüber hinaus vergab das Preisgericht vier Anerkennungen an: Leckert | Architekten aus Frankfurt am Main zusammen mit Prof. Eberhard Voigt, voigt + herzig, Darmstadt, an Springmeier Architekten GbR aus Braunschweig, an Peter Kuhn (aus dem Büro Baurconsult), Frankfurt am Main, und an Lieb + Lieb aus Freudenstadt zusammen mit harris + kurrle aus Stuttgart und Jetter Landschaftsarchitekten aus Stuttgart. Betreut wurde der Wettbewerb von goedeking architekten aus Frankfurt/Main.

Die ein- und zweigeschossigen Bestandsgebäude ergänzten dasch zürn architekten durch einen eingeschossigen Holzbaukörper, mit dem es ihnen gelinge, „qualitätsvolle, differenzierte Außenräume“ zu schaffen, würdigte das Preisgericht. Der Zugang erfolgt über einen neu gebildeten Pausenhof, ein großes Vordach dient als überdachte Pausenfläche. „Im Inneren werden die einzelnen Bereiche über ein zentrales Foyer gut und logisch erschlossen“ und „eingestellte, begrünte Atrien sorgen für Belichtung, Belüftung und eine hohe Aufenthaltsqualität“, so die Preisrichter. Die im Raumprogramm geforderten funktionalen Anforderungen seien „sehr gut umgesetzt“ und die Möglichkeiten für ein pädagogisches Arbeiten „gut vorstellbar“. Foyer und Mensa können zusammengeschaltet werden, was eine außerschulische, multifunktionale Nutzung ermöglicht. „Den einzelnen Raumbereichen sind adäquate, durch die Gebäudeform gebildete Außenbereiche, wie Kunstgarten und grünes Klassenzimmer, vorgelagert“, die Barrierefreiheit sowie die Fluchtwege aufgrund der Eingeschossigkeit „umfassend erfüllt“ und die Erschließung „optimal gelöst“, so das Preisgericht.

AG 5 gliederten das Bauvolumen in zwei „maßstäbliche“ Kuben, „die sich in ihrer Typologie stringent an den Bestandsbauten orientieren“, führte das Preisgericht aus. Durch die versetzte Anordnung definierten sie unterschiedliche Außenräume, die „sinnfällig den jeweiligen Nutzungsbereichen zugeordnet sind“. Erschlossen wird der Neubau über eine Eingangshalle an der Schnittstelle der Kuben. Sämtliche Klassenräume befinden sich im Obergeschoss. Die Nutzungsbereiche seien „kompakt, zweckmäßig und differenziert gestaltet“, „die einfachen Grundrisse durch Lichthöfe, Loungebereiche und Glaswände überzeugend aufgelockert“ und die Freiräume „selbstverständlich und angemessen den jeweiligen Nutzungsbereichen im Inneren zugeordnet“, hoben die Preisrichter hervor und würdigten den Entwurf als „intelligenten, sparsamen und architektonisch qualitätsvollen Beitrag“.

Einen verglasten Pavillon entwarfen Riehle + Assoziierte Architekten und Stadtplaner. Die Fassadengestaltung vermeide Rückseiten und biete Transparenz, so die Preisrichter. Der Standort an der westlichen Grundstücksgrenze sei „im Gesamtgefüge der Schule richtig gewählt“ und führe zu „Außenräumen mit unterschiedlichen Größen und Qualitäten“. Positiv werteten die Preisrichter auch den „großzügigen eigenen Eingangsbereich in direkter Verbindung zur Cafeteria“ sowie „die Andienung der Cafeteria ohne eine Beeinträchtigung des Schulbetriebs“. Die Anordnung der Verwaltung sowie der Klassenräume sei „durchdacht und folgerichtig umgesetzt“, das pädagogische Konzept der Grundschule „sehr gut umsetzbar“ und die Barrierefreiheit gegeben, so die Preisrichter, die der Entwurf vor allem „durch seine typologisch sauber durchgearbeitete Formensprache“ überzeugte.

Rieger Architekten ergänzten die vorhandene, kleinteilige Gebäudestruktur der Schule „mit einem weiteren kompakten, zweigeschossigen Baukörper, in der für Kranichstein typischen, orthogonalen Struktur“, so die Preisrichter. Das Gebäude füge sich „mit seiner angemessenen Architektur, Materialität und Fassadengestaltung sehr gut in die bestehende, heterogene Struktur ein“ und schaffe „durch seine Positionierung drei Außenbereiche mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten“. Das Erdgeschoss werde durch den Mensabereich „klar zoniert“, die Verwaltung sei „klar strukturiert“ und die Klassen- und Funktionsräume im Obergeschoss „funktional gut zueinander angeordnet“. Durch die kompakte Bauweise sei der Entwurf zudem „sehr wirtschaftlich“, so die Preisrichter, die insbesondere „die klare und kompakte Architektursprache“ überzeugte.

Kerstin Mindermann