Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Bürogebäude der Mitteldeutsche Hartstein-Industrie AG, Hanau

Preisträger

1. Preis: SHP Architekten, Darmstadt

€ 10.000

Hubert Deforth
Mitarbeit: Elvira Weiss, David Oldenburg

2. Preis: grabowski.spork architektur, Wiesbaden

€ 7.500

Christoph Grabowski
Mitarbeit: Isabel Gärtner, Fabian Ehrlich

3. Preis: Claus + Pretzsch Architekten, Darmstadt

€ 5.000

Henning Pretzsch
Mitarbeit: Maike Springer, Johannes Schlüter, Manuel Pfänder, Philipp Schaarschmidt

Anerkennung: A-Z Architekten, Wiesbaden

€ 2.500

Holger Zimmer
Mitarbeit: Christian Stock, Sascha Lehnhardt, Caroline Krawczyk
Fachberater: T I S I B, Prof. Dr. Tichelmann, Alfredo Barillias

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 11.09.2015
Ort Hanau
Auslober Mitteldeutsche Hartstein-Industrie AG, Hanau
Betreuung THOMAS GRÜNINGER ARCHITEKTEN, Darmstadt
Preisrichter Joachim Klie (Vorsitz), Andreas Fuchs, Kristin Dirschl, Christoph A. Hagemeier, Volker Hagemeier, Alexander van Zweeden

„Ausgewogenes Maß“

Realisierungswettbewerb "Neubau eines Verwaltungsgebäudes für die MHI AG in Hanau-Steinheim"

Die Mitteldeutsche Hartstein-Industrie (MHI) AG beabsichtigt, ihren Unternehmenssitz in Hanau-Steinheim durch ein neues Verwaltungsgebäude zu erweitern. Das existierende Firmengebäude steht im Gewerbegebiet „Im Lämmerspiel“, unmittelbar südlich grenzt das Naturschutzgebiet „Amerikafeld + Schindkaute“ an und im Westen das Naherholungsgebiet „Oberwaldsee bei Diedesheim“. Für den Neubau hat das Unternehmen das östliche Nachbargrundstück gekauft. Dies wird im Norden über die Senefelder Straße erschlossen und hat zum bestehenden Firmensitz einen Höhenversatz von etwa 1,40 Metern.

Auf dem rund 2.100 Quadratmeter großen Grundstück soll ein modernes, energieeffizientes Bürogebäude entstehen, das mindestens die Vorgaben der aktuellen EnEV erfüllt und schlüssig an das Bestandsgebäude angebunden ist. Da die MHI langfristig beabsichtigt, ihren Standort in Hanau weiter auszubauen, soll eine spätere, zusätzliche Erweiterungsmöglichkeit bereits mitgedacht werden. Nach Beratungen durch Gesine Ludwig, Referentin der AKH, und Harald Etzemüller, Mitglied im Landeswettbewerbs- und Vergabeausschuss, entschied sich die Firmenleitung, einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb für das Bauvorhaben auszuloben. Dieser ist nun entschieden.

SHP Architekten aus Darmstadt erhielten den ersten Preis. Sie schlugen einen zweigeschossigen Atriumbau vor, der sich nicht an der Typologie der umgebenden Gewerbebauten orientiert, sondern nach eigener Angabe dem Leitbild "Villa im Park" folgt. Die Preisrichter lobten das „ausgewogene Maß zwischen Repräsentation, Identifikationsmöglichkeit und Angemessenheit“ sowie die „hohe städtebauliche und räumliche Qualität“ des Entwurfs: „Der in sich ruhende, kubische Baukörper“ ordne die heterogene städtebauliche Situation „in klar identifizierbare, gefasste Räume“ und schaffe „einen Innenhof mit hohem Identifikationspotenzial und räumlicher Qualität“, so die Preisrichter. Durch die offene, unterschnittene Ecke an der Nordwest-Seite des Gebäudes gelinge den Planern zudem eine Verknüpfung der verschiedenen Wegebeziehungen. Als weitere wesentliche Qualität des Entwurfs bezeichneten die Preisrichter das gleiche Niveau beider Erdgeschosse, wodurch „eine großzügige, gemeinsame Fläche zwischen Alt- und Neubau als gemeinsame Plattform“ entstehe. Der Höhenunterschied der Grundstücke wird durch ein Sockelgeschoss ausgeglichen. Die funktionalen Anforderungen bezeichneten die Preisrichter ebenfalls als „sehr gut gelöst“: Die öffentlich zugänglichen und allgemeinen Nutzungen befinden sich im Erdgeschoss, die Büros liegen im ersten Obergeschoss, wodurch eine „organisatorisch optimale Flexibilität“ entstehe. Die Hauptnutzflächen sind nach außen orientiert und werden ringförmig erschlossen. Dies führe zu einer relativ hohen Verkehrsfläche, sei räumlich jedoch eine „sehr ansprechende Lösung“, betonte das Preisgericht.

grabowski.spork architektur aus Wiesbaden nahmen einen Quader als Grundfigur, in den sie den Eingangsbereich, eine Terrasse sowie eine Dachterrasse einschnitten. Dieser „sehr kompakt und wohlproportioniert formulierte Baukörper“, so die Preisrichter, überzeuge durch „seine sehr ausgewogene Mischung, aus einer hochwertigen und anspruchsvollen Gestaltung einerseits und einer der Aufgabenstellung und dem Kostenrahmen angemessenen Bescheidenheit andererseits“. Der inneren Organisation bestätigten die Preisrichter „eine große Klarheit und Selbstverständlichkeit“. Im Erdgeschoss befinden sich der Seminarraum und der Essbereich mit dazugehöriger Terrasse. Darüber liegen zwei durch einen Luftraum miteinander verbundene Büroetagen. Der bestehende Höhenversatz zwischen Alt- und Neubau wird beibehalten. Auf eine Anbindung des Neubaus verzichte der Entwurf „zugunsten einer größeren Eigenständigkeit der Baukörper“, so die Preisrichter. Die vorgeschlagene Erweiterung, eine campusartige Lösung, führe diesen Ansatz „konsequent fort“. Der Entwurf wurde mit dem zweiten Preis ausgezeichnet.

Claus + Pretzsch Architekten aus Darmstadt „nehmen die Produktpalette des Roh- und Baustoffproduzenten MHI als Muster und entwickeln hieraus ein Gestaltungskonzept für die Fassade“, so die Preisrichter. Der Eindruck von Massivität sei dabei bewusst von einem Steinbruch abgeleitet. Mit der Anordnung im Süden des Grundstücks gelinge den Planern „sowohl die Erhaltung bestehender Nutzungen und Grünräume als auch die Sicherung eines großzügigen Baufeldes für einen möglichen zweiten Bauabschnitt“. Die Baufluchten und Wegeführungen aus dem Bestand würden „sinnvoll weiterentwickelt“, die Nutzungsverteilung in den Geschossen sei „richtig und angemessen“ und wesentliche funktionale Anforderungen, wie beispielsweise die Anbindung an das Bestandsgebäude, seien „erfüllt“, fasste das Preisgericht zusammen. Für ihren Entwurf erhielten die Planer den dritten Preis.

Neben den Preisen vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Joachim Klie eine Anerkennung. Diese ging an A-Z Architekten aus Wiesbaden. Betreut wurde das Verfahren von Thomas Grüninger Architekten aus Darmstadt.

Kerstin Mindermann