Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Geschosswohnungsbau Lincoln Siedlung, Darmstadt

Preisträger

1. Preis (Teilaufgabe 1): Bitsch + Bienstein Architekten, Wiesbaden

€ 30.000

Peter Bitsch, Burkhard Bienstein
Mitarbeit: Adelheid Jung, Julia Klein, Klaus-Peter Witt, Torsten Maceus
Fachberater: Ingenieurgemeinschaft Walter, Aarbergen

1. Preis (Teilaufgabe 2): Bitsch + Bienstein, Architekten, Wiesbaden

€ 18.000

Peter Bitsch, Burkhard Bienstein
Mitarbeit:Adelheid Jung, Julia Klein, Klaus-Peter Witt, Torsten Maceus
Fachberater: Ingenieurgemeinschaft Walter, Aarbergen

2. Preis (Teilaufgabe 1): werk.um GbR, Darmstadt

€ 20.000

Erhard Botta, Thomas Lückgen, Arne Steffen
Mitarbeit: Oliver Legat, Marius Riepe

2. Preis (Teilaufgabe 2): werk.um GbR, Darmstadt

€ 12.000

Erhard Botta, Thomas Lückgen, Arne Steffen
Mitarbeit: Oliver Legat, Marius Riepe

3. Preis (Teilaufgabe 1): florian krieger architektur und städtebau gmbH, Darmstadt

€ 12.000

Mitarbeit: Tobias Preuß, Jakob Klingenhöfer

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Ideenwettbewerb
Preisgerichtssitzung 30.07.2015
Ort Darmstadt
Auslober bauverein AG, Darmstadt
Betreuung BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Jo Eisele (Vorsitz), Prof. Kerstin Schultz, Cormelia Zuschke, Dr.-Ing. Hans-Jürgen Braun, Sybille Wegerich

Beispielhafte Modernisierung und Erweiterung von Wohnbauten

Einladungswettbewerb „Lincoln Siedlung Darmstadt“

Durch den Abzug der amerikanischen Streitkräfte sind in den letzten Jahren 314 Hektar zuvor militärisch genutzter Flächen in Darmstadt frei geworden. Ein Teil davon ist die 2008 geräumte, rund 24 Hektar große, innerstädtische Lincoln-Siedlung. Nach jahrelangem Leerstand erwarb das städtische Immobilienunternehmen Bauverein Darmstadt 2014 das Areal und will dies nun zu einem differenziert gestalteten Wohnquartier mit ausgewogener Sozialstruktur weiterentwickeln. Nach der Sanierung und Modernisierung der Bestandsbauten sowie der geplanten Nachverdichtung sollen auf dem Grundstück rund 3.000 Menschen wohnen.

Um das Entwicklungspotenzial der vorhandenen 33 dreigeschossigen Zeilenbauten zu überprüfen, führte der Bauverein nach einer Beratung von Gesine Ludwig, Referentin für Vergabe und Architektenwettbewerbe, und Joachim Klie, Vorsitzender des Landeswettbewerbs- und Vergabeausschusses, einen geregelten Wettbewerb nach RPW mit zehn Büros durch. Aufgabe war es, am Beispiel von zwei Bestandsgebäuden exemplarische Lösungen für den Umbau und die Erweiterung – einmal im Rahmen des geförderten Wohnungsbaus und in einem zweiten Entwurf als frei finanzierte Maßnahme – zu erarbeiten. Betreut wurde das Verfahren von der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH in Frankfurt/Main.

Für beide Teilaufgaben vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Eisele drei Preise.

Umbau und Aufstockung im Rahmen des geförderten Wohnungsbaus

Der erste Preis ging an Bitsch + Bienstein Architekten aus Wiesbaden. Ihre zweigeschossige Aufstockung ergebe zusammen mit dem Bestandsgebäude einen „ruhigen, monolithischen Baukörper mit angenehmer Plastizität“, der sich zudem „unaufdringlich in die bestehende Zeilenstruktur einfügt“, so das Preisgericht. Die Grundstruktur des Gebäudes erhielten die Architekten weitgehend, entwickelten jedoch ein neues, „flexibles und belastbares“ Grundrissangebot mit einer „einfach und geschickt gelösten Erschließung“, einem „gut strukturierten Freiraum“ und „durchgehender Barrierefreiheit“. Aufgrund des Bestandserhalts und des geplanten Innenausbaus in Leichtbauweise gingen die Preisrichter darüber hinaus von einer wirtschaftlichen Umsetzung aus.

Die Zweitplatzierten, Werk.um GbR aus Darmstadt, schlugen eine zweigeschossige Aufstockung vor, die auf den Längsseiten um jeweils zwei Meter auskragt. Darin sind großzügige 2-Zimmer-Wohnungen mit offenen Grundrissen geplant. Die Preisrichter würdigten die „formal ansprechende Gestaltung“ sowie die „im Wesentlichen behutsamen Eingriffe in den Bestand“.

Florian Krieger aus Darmstadt entwarf eine zweigeschossige Aufstockung sowie eine markante Stahlkonstruktion vor den Längsfassaden: Auf der Eingangsseite dient diese als Laubengangerschießung, auf der Rückseite beinhaltet sie Balkone. Das Preisgericht würdigte den entstehenden „formal eigenständigen und qualitätsvollen Gesamtausdruck“ sowie den ausgewogenen Wohnungsmix. Der Entwurf erhielt den dritten Preis.

Umbau, Aufstockung und Erweiterung als frei finanzierte Maßnahme

Auch bei der zweiten Aufgabenstellung vergab das Preisgericht den ersten Preis an Bitsch + Bienstein Architekten aus Wiesbaden. Diese schlugen neben einer zweigeschossigen Aufstockung die Erweiterung der Bestandswohnungen durch vorgestellte „Module“ und einen neuen Kopfbau vor. Ihnen gelinge dadurch „eine angemessene Gliederung der Außenräume und der Baumassen“, „eine Hofbildung, ohne die bestehende Grundstruktur aufzugeben“, „ein völlig neues Erscheinungsbild mit einer neuen Gestaltungsqualität“ und eine „gut ablesbare Adressbildung im gesamten Ensemble“, so das Fazit der Preisrichter.

Der zweite Preis ging wiederum an Werk.um GbR aus Darmstadt. Die Architekten ergänzten den Bestand um einen fünfgeschossigen Neubau, der sich optisch mit den beiden aufgestockten Geschossen verbindet. Es entstehe „ein spannendes Verhältnis zwischen Alt und Neu“ und durch die Ergänzung „eine bessere räumliche Ausbildung der Freiflächen zwischen den Riegeln“, hob das Preisgericht hervor.

schneider+schumacher aus Frankfurt/Main stockten die Gebäudezeilen nur punktuell auf fünf Geschosse auf und ergänzten das Ensemble um Stadtvillen. Das Preisgericht würdigte diese ungewöhnliche Idee zur Nachverdichtung, hinterfragte aber die Wirtschaftlichkeit. Der Entwurf wurde mit dem dritten Preis ausgezeichnet.

Dem Auslober empfahl das Preisgericht einstimmig, Bitsch + Bienstein Architekten mit den weiteren Planungen für beide Teilbereiche zu beauftragen und dabei die im Protokoll aufgeführten Hinweise des Preisgerichts zu berücksichtigen.

Eine schnelle Umsetzung ist vorgesehen. Bereits 2019 soll die Transformation des Quartiers abgeschlossen sein, so das ehrgeizige Ziel des Bauvereins.

Kerstin Mindermann