Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Rathaus Reinheim

Preisträger

1. Preis: Schoener und Panzer Architekten, Leipzig

€ 12.000

Michael Schoener, Fabian Panzer
Mitarbeit: Fabian Weis

2. Preis: gernot schulz : architektur, Köln

€ 9.500

Prof. Gernot Schulz
Mitarbeit: André Zweering, Niklas Menn, Dorle Zweering

3. Preis: ARGE Andreas Schwarz mit Piero Bruno (Büro Bruno Fioretti Marquez), Berlin

€ 6.000

Andreas Schwarz, Piero Bruno (Büro Bruno Fioretti Marquez Architekten)
Mitarbeit: Christoph Rokitta (Visualisierung)
Fachberater: 2B Planungsgesellschaft bR, Marko Ludwig, Berlin (Tragwerksplanung),
HDH Ingenieure, Berlin (Haustechnik), Fernando Gonzales (Modell)

Anerkennung: hjparchitekten, Gießen

€ 1.500

Prof. Dipl.-Ing. Jürgen Hauck, Dipl.-Ing. Herbert Osel
Mitarbeit: Laura Küllstädt
Fachberater: Professor Pfeifer und Partner, Dipl.-Ing. René Schantz, Darmstadt (Tragwerksplanung), rendertaxi, Alexander Pfeiffer und Felix Volland, Aachen (Rendering),
modellwerk weimar, Julia Missner, Weimar (Modell)

Anerkennung: SHP Architekten, Darmstadt

€ 1.500

Dipl.-Ing. Dietmar Opitz, Dipl.-Ing. Hubert Deforth
Mitarbeit: David Oldenburg, Sebastian Müller, Nina Simon

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 09.09.2015
Ort Reinheim
Auslober Magistrat der Stadt Reinheim
Betreuung goedeking architekten, Frankfurt/Main
Preisrichter Christian Nasedy (Vorsitz), Harald Clausen, Hans Rittmannsperger, Oliver Witan, Karl Hartmann, Michael Knapp, Marcus Englert

Das Charakteristische betont

Nichtoffener Realisierungswettbewerb Rathaus Reinheim – Reorganisation, bauliche Ergänzung und energetische Sanierung

Das Rathaus in Reinheim soll umfassend saniert und modernisiert werden. Anlass für das Vorhaben waren Brandschutzmängel des 1974 erbauten Stahlbetonskelettbaus. Da seine Instandhaltung jedoch über Jahre vernachlässigt worden war, soll das Rathaus nun gleichzeitig energetisch saniert, neu geordnet, erweitert und barrierefrei umgebaut werden. Ziel ist eine bürgernahe, moderne Verwaltung, die für die Beschäftigten wie für die Bürger benutzerfreundlich und übersichtlich ist und ein angemessenes Erscheinungsbild hat. Darüber hinaus soll die Baumaßnahme den Kernbereich von Reinheim aufwerten und positiv auf zukünftige bauliche Entwicklungen ausstrahlen.

Nach einer Beratung durch Gesine Ludwig, Referentin der AKH, und Joachim Klie, Vorsitzender des Wettbewerbs- und Vergabeausschusses der Kammer, entschied sich die Stadt Reinheim, einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb für die Planung auszuloben. Dieser ist nun entschieden.

Den ersten Preis vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Christian Nasedy einstimmig an Schoener und Panzer Architekten aus Leipzig. Diese schlugen vor, den Nordflügel zweigeschossig auf die gleiche Länge wie den Südflügel zu verlängern. Die Kantine kann so aus dem Keller ins Erdgeschoss verlegt werden. Das Gebäude wird auf seine bauliche Grundstruktur zurückgebaut und erhält eine neue Fassade. Im zentralen Gebäudeteil werden die publikumsintensiven Abteilungen wie das Ordnungsamt, das Einwohnermeldeamt oder die Sozialverwaltung, entlang einer „Magistrale“ mit Wartezonen konzentriert. Mit ihrem Entwurf gelinge es den Architekten, „das Charakteristische des Gebäudes nicht nur zu erhalten, sondern in gewisser Weise zu bereinigen“, lobte das Preisgericht. Die Rückführung des Gebäudes auf seine Grundstruktur werde „konsequent und überzeugend umgesetzt.“ Die vorgeschlagene neue Fassade – eine geschosshohe Verglasung unmittelbar vor der Stützenebene – lasse einen Fassadenzwischenraum entstehen, „der nicht nur energetisch sinnvoll, sondern auch gestalterisch hochwertig und der Aufgabe angemessen erscheint“, so die Preisrichter. Die „klare und effiziente Grundrissorganisation“ überzeugte sie ebenfalls und auch die Lösung des zweiten Rettungswegs werteten sie als „besonders gelungen“. Der Ausloberin empfahl das Preisgericht, sich im weiteren Verfahren nachweisen zu lassen, dass das gesetzte Budget eingehalten werden kann. Gegebenenfalls könne darüber nachgedacht werden, die ergänzenden Bauteile zu reduzieren.

Das Büro gernot schulz : architektur GmbH aus Köln schlug vor, das Rathaus im 2. Obergeschoss gen Südwesten zu erweitern. Durch die weitgehende Beibehaltung der Kubatur „gelinge die Einbindung in die Umgebung“ und die vorgesehene Erweiterung biete sogar noch Raumpotenzial, betonte das Preisgericht. Auch die vorgeschlagene neue Fassade überzeugte die Preisrichter: Diese sei von „hoher Qualität“, „klar“ und „ausgewogen“. Das Raumprogramm sei ebenfalls „gut erfüllt“, „funktional“ und „mit klaren Zuordnungen“, der aufgeweitete Eingangsbereich „positiv“ und die direkte Anbindung der Sozialabteilungen „überzeugend gelöst“. Auch bei diesem Entwurf wurde die Kantine vom Untergeschoss ins Erdgeschoss verlegt. Das Preisgericht zeichnete den Entwurf mit dem zweiten Preis aus.

Der drittplatzierte Entwurf sah vor, das zweite Obergeschoss zurückzubauen und den u-förmigen Grundriss zu einem Quadrat zu ergänzen. In der Kernzone platzierten die Verfasser, Andreas Schwarz und Bruno Fioretti Marquez Architekten aus Berlin, ein zweigeschossiges Atrium sowie die Besprechungs- und Nebenräume. Es entstehe eine „geschlossene und klare Figur“, die sich „gut in die städtebauliche Umgebung einfügt“, so das Preisgericht, das zudem die „neue, moderne Fassade“ hervorhob: Diese stehe „im Kontrast zur historisch gewachsenen Bebauung“, entwickle aber „eine hohe gestalterische Qualität“.

Neben den drei Preisen vergab das Preisgericht zwei Anerkennungen. Diese gingen an: hjparchitekten aus Gießen/Schweinfurt und SHP Architekten aus Darmstadt. Betreut wurde das Verfahren von goedeking architekten aus Frankfurt/Main.

Der Umbau des Rathauses soll möglichst zügig erfolgen. Für die Dauer der Bauarbeiten ziehen die Mitarbeiter in umliegende Gebäude und zum Teil in Bürocontainer.

Kerstin Mindermann