Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Kindertagesstätte Kinzenbach (Heuchelheim)

Preisträger

1. Preis: foundation 5+ architekten foitzik krebs spies partnerschaft, Kassel

€ 5.000

Matthias Foitzik, Prof. Phillip Krebs
Mitarbeit: Lisa-Marie Schmidt
Fachberater: Mark Weingart (Freiraumplanung)

3. Preis: atelier sz, München

€ 2.500

Ludwig Zitzelsberger

Mitarbeit: Ludovic Schober

3. Preis: Architekturbüro Johannes Pellkofer, Stuttgart

€ 2.500

Mitarbeit: Alexander Lang

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 14.08.2015
Ort Heuchelheim
Auslober Gemeinde Heuchelheim
Betreuung architekturbüro zieske, Gießen
Preisrichter Prof. Jürgen Hauck (Vorsitz), Jörg Sturm, Birger Rohrbach, Lars Burkhard Steinz, Gabriele Arnold

Im Zentrum das Spielen

Nichtoffener Realisierungswettbewerb „Kindertagesstätte Heuchelheim-Kinzenbach“

Die Anforderungen an Kindertagesstätten haben sich stark verändert, seitdem immer mehr Kinder unter drei Jahren in ihnen betreut werden. Für die Gemeinde Heuchelheim war dies auch einer der Gründe, warum man sich dazu entschied, die Kindertagesstätte im Stadtteil Kinzenbach durch einen Neubau zu ersetzen. Dieser soll auf einer Wiese neben der Mehrzweckhalle entstehen, 125 Kindern im Alter von ein bis sechs Jahren Platz bieten und ein Ort sein, den „Kinder mit und ohne Behinderung, Eltern und Personal gerne besuchen, weil er fantasieanregend, klar gegliedert und auf die verschiedenen Entwicklungsstufen und Bedürfnisse der Kinder hin konzipiert ist. Das Gebäude soll durch helle Räume, den Einsatz natürlicher Materialien und eine sensible Farbgestaltung eine angenehme Atmosphäre vermitteln“, so die Vorstellungen der Gemeinde. Für die Realisierung des Gebäudes stellte sie 1,52 Mio. Euro in ihren Haushalt ein.

Nach Beratungsgesprächen mit Gesine Ludwig, Referentin der AKH, und Ruth Möller, aus dem Landeswettbewerbs- und Vergabeausschuss der AKH, entschloss sich die Gemeinde, einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb für die Planung auszuloben. Betreut wurde der Wettbewerb vom Architekturbüro Zieske aus Gießen. Vier Büros wurden zur Teilnahme vorab ausgewählt, weitere elf per Losverfahren ermittelt, vier dieser Plätze waren für junge Büros reserviert. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Jürgen Hauck vergab unter den 15 Teilnehmern einen ersten und zwei dritte Preise.

foundation 5+ architekten landschaftsarchitekten + planer aus Kassel nutzten für ihren Entwurf die Topografie des Grundstücks, das von Nord nach Süd abfällt, und planten ein Split-Level-Gebäude: eingeschossig zur Straße im Norden und zweigeschossig im Süden. Auf der Eingangsebene liegen die Verwaltungsräume, der Mehrzweckraum und das Atrium mit dem sogenannten „Kinderbistro“, in den beiden rückwärtigen Etagen die Gruppenräume an Spielfluren. Das Zentrum der Kindertagesstätte – nicht nur räumlich – bildet die Treppe, die zugleich Kletterhügel, Rutsche und Höhle ist und „mit den weichen, sie umgebenden Innenwänden eine angenehme Wohlfühlatmosphäre vermittelt“, so das Preisgericht. Dieser zentrale Luftraum vereint die beiden Spielflure und das Kinderbistro über die drei Ebenen. Die äußere Gestaltung überzeugte die Preisrichter ebenfalls: „Der plastische Baukörper, die Holzfassade und die prinzipiell gut gesetzten Fenster zeigen einen sympathischen Kindergarten, der nach allen Seiten richtig reagiert und zur Straße sehr einladend wirkt“, so ihr Fazit. Sie zeichneten den Entwurf mit dem ersten Preis aus und empfahlen der Ausloberin einstimmig, unter Berücksichtigung der in den schriftlichen Bewertungen genannten Kritikpunkte die Architekten mit der weiteren Planung zu beauftragen.

Atelier sz, Ludwig Zitzelsberger, aus München gliederten die Baumasse optisch in vier Einzelhäuser, die sich von Nord nach Süd in die Tiefe des Grundstücks staffeln. Wie die umgebenden Wohnhäuser haben sie Satteldächer, jedoch mit asymmetrischen Giebeln. In einem „Haus“ befinden sich jeweils zwei Gruppenräume plus Sanitäreinheit, eine Ausnahme bildet das südlichste, in dem der Mehrzweck- und der Speiseraum zu finden sind. Ein Spielflur verbindet die Einzelbaukörper. Das Preisgericht würdigte die „angemessene, kleinteilige Bebauung, die sich in die Nachbarschaft einfügt“ und „sanft der Topografie des Hanges folgt“. Durch die „attraktive Dachfaltung“ entstehe ein „architektonisch hochwertiger Innenraum" und die großen Fenster erzeugten „eine freundliche Lichtstimmung“. Das Gebäude ist als Holzbau mit einer Fassade aus weiß lasierten, schuppenartig angeordneten Seekieferplatten und einem mit Schindeln gedeckten Dach geplant. Die „homogene Hülle“ überzeugte das Preisgericht ebenfalls. Es wies aber darauf hin, dass durch die eingeschossige Bebauung „der Freiraum leide“. Der Entwurf erhielt einen der beiden dritten Preise.

Den zweiten der beiden dritten Preise erhielt das Architekturbüro Johannes Pellkofer aus Stuttgart. Es schlug ein winkelförmiges Gebäude im Norden des Grundstücks vor. Im zweigeschossigen, an der Straße gelegenen Baukörper befinden sich in der Eingangsebene das Foyer, der Mehrzweck- und der Speiseraum und im Obergeschoss die Verwaltungs- und Schlafräume sowie der Gruppenraum der U3-Kinder. Im eingeschossigen südlichen Gebäudeteil liegen die restlichen vier Gruppenräume mit direkten Zugängen in den Garten. Die Preisrichter lobten: Das Gebäude reagiere mit „seiner Form und Höhenstaffelung auf die umgebende Bebauung“ und öffne sich „großzügig zur Grünfläche“, „differenzierte Außenbereiche“ und ein gemeinsamer Vorplatz mit der Mehrzweckhalle entstünden. Mit seiner vertikal strukturierten Holzfassade, „den präzisen Einschnitten und proportionierten Fenstern“ bilde der Baukörper ein „homogenes und doch differenziertes Volumen“. Die Preisrichter merkten jedoch an, dass die U3-Gruppe im Obergeschoss „von den anderen abgetrennt“ sei.

Kerstin Mindermann