Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Ludwig-Weber-Schule, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Behnisch Architekten, Stuttgart

€ 28.000

Stefan Rappold, Stefan Behnisch
Mitarbeit: Konstantin August, Michael Innerarity, Achim Buhse, Heba Mostafa, Maximilian Viol
Fachberater: Behnisch Architekten, Nadine Waldmann, Berlin (Landschaft)
Endress Ingenieurgesellschaft, Thorsten Trautmann, Frankfurt/Main (Brandschutz)
Transsolar, Thomas Auer, Stuttgart (Energiekonzept)

 

 

2. Preis: Wulf Architekten GmbH, Stuttgart

€ 17.500

Tobias Wulf
Mitarbeit: Petra Marton, Michael Müller-Vogelsang, Carolin Jauss
Fachberater:  Adler & Olesch, Stefan Bitter, Mainz (Landschaft)

 

 

Anerkennung: raum-z architekten gmbh Frankfurt

€ 6.125

Lukas Hundhausen, Thomas Zimmermann
Mitarbeit: Dennis Nicolaisen, Sandra Hundhausen, Johannes Kibler, Jennifer Lenk, Bianca Reusert

Annerkennung: harris + kurrle architekten, Stuttgart

€ 6.125

Joel Harris, Volker Kurrle
Mitarbeit: Hasan Tosun, Andreas Plaianu
Fachberater:  Prof. Stefan Peters, Stuttgart (Tragwerk)
TEB GmbH, Thomas Dippel, Vaihingen - Enz (Energie)
Jetter Landschaftsarchitekten, Frank Jetter, Stuttgart (Außenanlagen)

 

 

Anerkennung: Hausmann Architekten GmbH, Aachen

€ 6.125

Frank Hausmann
Mitarbeit: Oliver Kratz
Fachberater: Club L94, Köln (Landschaft)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungs- und Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 08.06.2015
Ort Frankfurt/Main
Auslober Magistrat der Stadt Frankfurt/Main
Betreuung Bäumle Architekten | Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Andreas Theilig (Vorsitz), Stefanie Fuchs, Prof. Jean Heemskerk, Matthias Hein, Andreas Krawczyk, Dr. Hans Jürgen Pritzl, Monika Weber-Pahl, Susanne Wartzeck, Olaf Cunitz, Ute Sauer, Prof. Dr. Coelen, Cihad Taskin, Martin Müller-Bialon, Eva-Maria Lang, Sieghard Pawlik

Freie Formen vor Stringenz

Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungs- und Auswahlverfahren Ludwig-Weber-Schule, Frankfurt/Main

Die Ludwig-Weber-Grundschule im Frankfurter Stadtteil Sindlingen ist marode, so marode, dass sich eine Sanierung nicht mehr lohnt. Für den Neubau beschloss der Magistrat der Stadt Frankfurt, einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren auszuloben.

Das neue Gebäude soll auf dem Grundstück der jetzigen Schule entstehen; während der Bauzeit werden die Kinder übergangsweise in einem temporären Ersatzbau unterrichtet. Die Ludwig-Weber-Schule ist zweizügig, sie bietet Ganztagsbetreuung und eine Eingangsstufe, in der die Inhalte und Arbeitsweisen eines Kindergartens mit denen einer Grundschule verbunden werden, und benötigt eine 1-Feld-Turnhalle. Derzeit gehen rund 200 Kinder aus 16 verschiedenen Herkunftsländern auf die Schule. Die Schülerzahlen werden jedoch absehbar steigen, weshalb eine optionale Erweiterungsmöglichkeit zu einer insgesamt vierzügigen Schule mit Eingangsstufe und weiterer 1-Feld-Turnhalle beim Neubau bereits mitgedacht werden sollte. Die Umgebung der Schule ist heterogen: im Nordosten steht ein siebengeschossiges Wohnhochhaus, im Norden und Süden schließen viergeschossige Wohn-Zeilenbauten aus den 1950er und 1960er Jahren an und im Westen liegen ein Kindergarten und eine private Internationale Schule.

Die Ludwig-Weber-Schule hat sich zum Ziel gesetzt, ein Klima zu schaffen, das von sozialem Zusammenhalt geprägt ist und gewaltfreie Konfliktlösung ermöglicht. Das Unterrichtskonzept entspricht den aktuellen Erkenntnissen: Weg vom Lernen im Gleichschritt, hin zu einer Unterrichtsform, die jedem Einzelnen eine gerechte Chance gibt und individuelle Förderung ermöglicht. Gewünscht wird daher ein anpassungsfähiges Gebäudekonzept, das situative und konzeptionelle Veränderungen zulässt. Jeweils zwei Klassenräumen soll ein Gruppenraum zugeordnet sein, der von beiden abwechselnd genutzt werden kann. Zudem ist gemäß Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Frankfurt beim Neubau und der Sanierung stadteigener und städtisch genutzter Gebäude der Passivhausstandard anzustreben.

Den ersten Preis vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Andreas Theilig an Behnisch Architekten aus Stuttgart. Diese schlugen ein terrassiertes, bis zu dreigeschossiges, frei geformtes Gebäude im nordöstlichen Grundstücksbereich vor. Leitideen waren die Prinzipien „Leichtigkeit“ und „Offenheit“ sowie das Bild eines Marktes. Ähnlich einer unregelmäßigen Reihe von Marktständen bilden die Räume mit ihren abgerundeten Ecken im Inneren dann auch vielfältige Nischen, Aufenthalts- und Kommunikationsbereiche. Das Preisgericht würdigte den Entwurf als „sehr gelungen und durchdacht“. Den Haupteingang, der „in einen hellen und großzügigen“, über alle Geschosse erlebbaren Hauptraum mündet und dem bei Bedarf die Turnhalle zugeschaltet werden kann, hoben die Preisrichter ebenso hervor, wie die vorgelagerten Außenbereiche (Balkone, Terrassen), die auf allen Ebenen „erweiterte Nutzungsmöglichkeiten bieten“. Auch der große Außen- und Pausenbereich, der durch Bepflanzung und angelegte Themeninseln zoniert wird, sei „attraktiv“ und bleibe „als Ganzes für die Nutzung übersichtlich“. Zudem lobten die Preisrichter die angedachte Erweiterung, die „wie selbstverständlich“ im südöstlichen Teil des Geländes, im Anschluss an die Cafeteria, vorgesehen ist.

Der mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Entwurf von Wulf Architekten aus Stuttgart ist bedeutend stringenter. Er setzt sich aus Modulen zusammen, die wechselseitig entlang einer Mittelachse aufgereiht sind, so dass zwischen ihnen Höfe entstehen. Die Module beinhalten jeweils vier Klassenzimmer und ihre Nebenräume oder thematisch zusammengefasste Sondernutzungen wie die Fachklassen, die Verwaltung, den Ganztagesbereich oder die Sporthalle. Durch die Gliederung soll den Kindern eine Identifizierung mit „ihrem Klassenhaus“ und eine einfache Orientierung ermöglicht werden. Das Preisgericht bezeichnete dies als „überzeugenden Ansatz“ und hob hervor, dass es den Architekten durch die Kleinteiligkeit gelinge, „die Schule gut in die Umgebung einzufügen“. Der Hauptzugang und das dahinter liegende großzügige Foyer bildeten eine „gute Adresse“, so das Preisgericht, das zudem die flexible Grundstruktur der einzelnen Module, die zukünftige Nutzungsanpassungen ermögliche, lobte. Insgesamt bezeichnete das Preisgericht den Entwurf als „einen aus räumlicher und pädagogischer Hinsicht innovativen Beitrag“.

Zusätzlich zu den zwei Preisen vergab das Preisgericht vier Anerkennungen an die folgenden Büros: raum-z architekten GmbH aus Frankfurt, harris + kurrle architekten aus Stuttgart, Hausmann Architekten GmbH aus Aachen und gernot schulz : architektur GmbH aus Köln.

Dem Auslober empfahl das Preisgericht einstimmig, die Verfasser des ersten Preises mit der weiteren Planung zu beauftragen.

Parallel zur Auslobung wurde der Ersatzbau in Holztafelbauweise bereits errichtet und spätestens 2018/19 soll der Neubau fertig sein. Der Ersatzbau wird dann abgebaut und an anderer Stelle wiederverwendet.

Kerstin Mindermann