Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Feuerwehrstützpunkt und Jugendfeuerwehrausbildungszentrum, Marburg-Cappel

Preisträger

1. Preis: Storch.Landschaftsarchitektur, mit pussert kosch architekten, Dresden

€ 32.000

Robert Storch, Dirk Pussert, Achim Kosch
Mitarbeit: Susanne Wittber

3. Preis: dasch zürn architekten, Stuttgart, mit Johann Senner, Überlingen

€ 16.000

Helmut Dasch, Joachim Zürn, Johann Senner
Mitarbeit: Sebastian Kittelberger, Joachim Ziligen
Fachberater: tragwerkeplus, Reutlingen (Tragwerk), IB Wagner, Reutlingen (TGA)

3. Preis: ArGe Ludwig Karl, mit Ludwig Schegk, München

€ 16.000

Mitarbeit: Luis Gutiérrez Sagũillo

Anerkennung: Kersten + Kopp Architekten, mit Schwarz Landschaftsarchitektur, Berlin

Minka Kersten, Andreas Kopp, Christiane Schwarz
Mitarbeit: Katharina Cielbatzki, Sebastian Latz, Torsten Suschke, Lisa Winter

Anerkennung: Schätzler Architekten, mit Kronenbitter Landschaftsarchitekten, München

Walter Schätzler, Katrin Kronenbitter
Mitarbeit: Tanja Scharf, Zeynep Sasi, Modellbau Mathes, München

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 29.09.2015
Ort Marburg-Cappel
Auslober Magistrat der Universitätsstadt Marburg
Betreuung BSMF Beratungsgesllschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Wolfgang Schulze (Vorsitz), Kristin Dirschl, Karl Hermann Krombach, Christian Nasedy, Prof. Rainer Sachse, Dr. Franz Kahle, Frank Ullrich, Egon Vaupel

Kompaktes Ensemble mit hoher städtebaulicher Signifikanz

Neubau eines Feuerwehrstützpunktes, Trainingszentrums und Jugendfeuerwehrausbildungszentrums in Marburg

Das hessische Jugendfeuerwehrausbildungszentrum liegt im Marburger Stadtteil Cappel; 1972 wurde es zusammen mit der dortigen Freiwilligen Feuerwehr errichtet. Heute ist die Bausubstanz sanierungsbedürftig, zudem haben sich die Anforderungen an den Feuerwehrbetrieb bzw. die -ausbildung geändert, so dass sich der Magistrat der Stadt Marburg und das Land Hessen entschieden, die Gebäude abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen. Dabei soll der Standort durch ein neues Trainingszentrum ergänzt werden.

Das Feuerwehrgrundstück liegt am westlichen Ortsrand, an der Umgehungsstraße. Landwirtschaftliche Flächen dominieren die Umgebung, lediglich im Osten, getrennt durch die Umgehungsstraße, schließt ein Wohngebiet an. Die Neubauten sollen als funktional eigenständige Gebäude errichtet werden, aber ein gestalterisch und städtebaulich zusammenhängendes Ensemble bilden. Zudem soll die Möglichkeit bestehen, das Feuerwehrhaus und das Trainingszentrum zeitlich getrennt in zwei Bauabschnitten zu realisieren.

Für die Bauaufgabe lobten die Stadt und das Land einen Realisierungswettbewerb aus. Zugelassen waren Bewerbergemeinschaften aus Architekten und Landschaftsarchitekten. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Wolfgang Schulze vergab einstimmig einen ersten und zwei dritte Preise sowie zwei Anerkennungen.

Den ersten Preis erhielten pussert kosch architekten zusammen mit Storch.Landschaftsarchitektur aus Dresden. Sie entwarfen zwei Winkelbauten, die einen offenen Hof bilden. Im nordöstlichen Gebäude befinden sich die Feuerwehr und das Trainingszentrum, im südwestlichen das Ausbildungszentrum. Von den umgebenden Straßen sind beide Bauten zurückgesetzt, so dass Vorzonen mit Grünflächen, den Eingangsbereichen und Stellplätzen für die Einsatzkräfte entstehen. Der Innenhof bleibt als Übungs- und Freizeitfläche frei. Der Entwurf zeige ein „prägnantes, kompaktes Ensemble von hoher städtebaulicher Signifikanz“, „das alle wesentlichen Funktionen wie selbstverständlich erfüllt“, so das Preisgericht in seiner Beurteilung. Die Baukörper könnten durch „ihre räumliche Komposition interessante skulpturale Aspekte entfalten“, das „repräsentative Foyer“ habe eine „gute Fernwirkung“ und die helle Ziegelfassade verleihe zusammen mit den dunklen Fensterbändern den Gebäuden „ein einheitliches und hochwertiges Erscheinungsbild“, betonten die Preisrichter. Die funktionalen Abläufe seien ebenfalls „gut abgebildet“: „Die Einsatzkräfte erreichen die Wache kreuzungsfrei und die Umkleiden auf kurzem Weg“ zudem könnten die Einsatzfahrzeuge „störungsfrei ausrücken“. Den Auslobern empfahl das Preisgericht einstimmig, die Entwurfsverfasser mit den weiteren Planungsleistungen zu beauftragen und dabei die im Protokoll aufgeführten Hinweise zu berücksichtigen.

dasch zürn Architekten aus Stuttgart und Johann Senner aus Überlingen entwarfen drei Baukörper, die sie zu einem asymmetrischen, U-förmigen Ensemble arrangierten. „Die städtebauliche Figur schafft einen angemessenen Übergang zur kleinteiligen Nachbarbebauung und beruhigt die heterogene stadträumliche Situation“, lobte das Preisgericht. Die Gesamtkomposition wirke „sehr maßstäblich und elegant“ und der Übungsturm bilde ein „städtebauliches Signet“. Die Organisation des Feuerwehrstützpunktes und des Trainingszentrums sei „optimal gelöst“, das Jugendfeuerwehrausbildungszentrum „logisch und konsequent“ organisiert. Die „einheitliche, wertige Klinkerfassade“ verbinde alle Gebäude „ohne den Charakter der einzelnen Nutzungen zu verwischen“, die wirtschaftlichen Daten lägen unterhalb des Durchschnitts aller Arbeiten und eine Realisierung in zwei Bauabschnitten sei möglich, so die Preisrichter, die den Entwurf mit einem dritten Preis auszeichneten.

Ein weiterer dritter Preis ging an Ludwig Karl, mit Ludwig Schegk, beide aus München. Sie entwarfen zwei Riegel mit einer einheitlichen Fassade aus senkrechten Latten. Die Bauten seien „städtebaulich sinnvoll platziert“ und hätten einen „angemessenen Maßstab“, führte das Preisgericht aus. Das Jugendfeuerwehrausbildungszentrum bilde „die wesentliche Adresse“, die notwendigen, funktionalen Gebäude der Feuerwehr rückten in den Hintergrund. Für den Feuerwehrbetrieb ergäben sich dadurch „geschützte und gut funktionierende Bereiche“. Die notwendige kurze, kreuzungsfreie Erschließung sei gegeben und die Kenndaten, wie das Verhältnis Oberfläche zu Volumen, die Bruttogrundfläche, die Kosten und der Bruttorauminhalt, ließen im Vergleich zu den anderen Arbeiten „eine nachhaltige und wirtschaftliche Umsetzung“ erwarten, so das Fazit der Preisrichter.

Die beiden zusätzlich vergebenen Anerkennungen gingen an Kersten + Kopp Architekten aus Berlin zusammen mit Schwarz Landschaftsarchitekten aus Berlin und an Schätzler Architekten, mit Kronenbitter Landschaftsarchitekten, beide aus München.

Gesine Ludwig, Referentin der AKH, und Gerd Kaut, Mitglied im Landeswettbewerbs- und Vergabeausschuss der Kammer, hatten die Stadt und das Land vor der Auslobung beraten. Betreut wurde der Wettbewerb durch die Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH (BSMF) aus Frankfurt am Main. 

Kerstin Mindermann