Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Rundschau-Areal, Frankfurt am Main

Preisträger

2. Preis: Hadi Teherani Architects GmbH, Hamburg

€ 42.500

Hadi Teherani
Mitarbeit: Dr. Christian Bergmann, Sebastian Appl, Carl-Christian Wentzel, Ewelina Janik
Fachberater: Ingenieurbüro Dr. Binnewies Ingenieurgesellschaft mbH, Hamburg (Tragwerksplanung), Mitarbeit: Werner Nagel
DS-Plan Ingenieurgesellschaft für ganzheitliche Beratung und Generalfachplanung mbH, Martin Lutz, Stuttgart (Fassadenplanung)
DS-Plan Ingenieurgesellschaft für ganzheitliche Beratung und Generalfachplanung mbH, Dr. Helge Plath, Hamburg (TGA-Planung)
hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Gunnar Buhl, Hamburg  (Brandschutz)
Breimann & Bruun GmbH & Co. KG Garten- und Landschaftsarchitektur, Moritz Möllers, Hamburg (Landschaftsplanung)

2. Preis: Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

€ 42.500

Prof. Ivan Reimann
Mitarbeit: Jonas Houba, Hieu Dan Tran, Torsten Glasenapp, Thomas Werner, Teresa Abrhámová, Sergey Kolesov
Fachberater: Jorg Enseleit, Berlin (Brandschutz / Statistik)
Vogt Landschaftsarchitekten AG, Nicola Eiffler, Zürich (CH)
Alhäuser + König Ingenieurbüro GmbH, Frank Dünschmann, Hachenburg

3. Preis: TEK TO NIK ARCHITEKTEN WENZEL & PARTNER, Frankfurt am Main

€ 15.000

Manfred Wenzel
Mitarbeit: Ilnur Arslanov, Andreas Derkum, Stephan Kessler, Marietta Rothe, Arne Steuck, Robert Weisert
Fachberater: Reese Ingenieure GmbH & Co. KG, Stefan Hoffmann, Hamburg (Gebäudetechnik), Mitarbeit: Gereon Raab
DBT Deutsch – Buckert – Thomas Beratende Ingenieure für Bauwesen, Ulrich Deutsch, Frankfurt/Main (Statik / Wärmeschutz / Brandschutz), Mitarbeit: Marco Bien
RMP Landschaftsarchitekten, Stephan Lenzen, Bonn (Landschaftsarchitekt)
IFFT Institut für Fassadentechnik Frankfurt GmbH, Prof. Larlotto Schott, Frankfurt/Main (Fassade), Mitarbeit: Stefan Heer
VKT Verkehrsplanung Köhler und Taubermann GmbH, Hendrik Ilcken, Frankfurt/Main (Verkehrsplanung)
Fritz Iversen Text + Konzeption, Fritz Iversen, Königstein (Real Estate Marketing)

Anerkennung: Langhof GmbH, Berlin

€ 6.000

Prof. Christoph Langhof
Mitarbeit: Claudia Quester, Tobias Hörning, Fabio Sebastianutti, Martin Lukac
Fachberater: Planungsbüro H. P. Schreiber, Walluf (TGA),
Mitarbeit: Rafael Slowik
DS-Plan, Stuttgart (Schallschutz)
Mitarbeit: Ralf Buchholz
hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH Niederlassung Frankfurt/Main (Brandschutz)
Mitarbeit: Kim Wolff
Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH, Prof. Rainer Schmidt, Dipl.-Ing. Thore Kokulinsky, Berlin (Landschaftsarchitektur)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 13.04.2015
Ort Frankfurt/Main
Auslober STRABAG Real Estate GmbH, Frankfurt/Main
Betreuung ANP - Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Ferdinand Heide (Vorsitz), Axel Bienhaus, Gregor Gutscher, Andreas Hülsken, Simone Walser, Olaf Cunitz, Martin Hunscher, Thomas Hohwieler

Neubebauung des Rundschau-Areals in Frankfurt am Main

Wohnungen, Hotel und Büros ersetzen die Frankfurter Rundschau

Mitten in Frankfurt, nur 250 Meter von der Haupteinkaufsstraße „Zeil“ entfernt, stand bis 2006 das Verlagshaus der Frankfurter Rundschau, ein markantes Gebäude aus den 1950er-Jahren mit eleganter Fassade und geschwungener Gebäudeecke. Dann wurde es abgerissen. Seitdem klafft an dieser Stelle eine Lücke. Dies will die neue Grundstückseigentümerin, die STRABAG Real Estate GmbH, nun ändern. Entstehen soll auf dem Grundstück ein rund 24.000 Quadratmeter umfassender Wohn-, Büro- und Hotelkomplex mit Läden im Erdgeschoss. Der Bauherr lobte Anfang des Jahres einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit neun geladenen Architekturbüros aus. Vorangegangen war ein Gespräch mit Gesine Ludwig, Referentin für Vergabe und Wettbewerbe bei der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen.

Das Grundstück liegt an der Ecke "Große Eschenheimer Straße/Stiftstraße", vis-à-vis des Eschenheimer Turms, eines der wenigen noch erhaltenen historischen Wehrtürme der Stadt. Durch den öffentlichen Platz rund um den Turm ist die Nordwest-Ecke des Grundstücks freigestellt und gut einsehbar. Die ansonsten dicht bebaute, innerstädtische Nachbarschaft wird durch 4- bis 7-geschossige Blockrandbebauungen und einzelne Bürohochhäuser geprägt – seit einigen Jahren befindet sich das Quartier jedoch in einem Transformationsprozess, der dies baulich neu akzentuiert. Unter anderem entstand direkt im Südosten an das Wettbewerbsgrundstück angrenzend das Bürohochhaus ‚Nextower’ von KSP Jürgen Engel. In dieser heterogenen Umgebung soll der neue Büro-, Wohn- und Hotelkomplex laut Auslobung „als selbstbewusstes und wiedererkennbares Gebäude in den Stadtraum wirken, ohne mit der expressiven Gestaltung des ‚Nextowers’ zu konkurrieren“, den Blockrand schließen und „eine spätere Realteilung ermöglichen“.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Architekt Ferdinand Heide vergab zwei gleichrangige 2. Preise, einen 3. Preis sowie eine Anerkennung. Dem Auslober empfahl das Preisgericht einstimmig, die beiden bestplatzierten Entwürfe von ihren Verfassern überarbeiten zu lassen und die endgültige Entscheidung über die Beauftragung von dem dann erzielten Ergebnis abhängig zu machen.

Einer der beiden 2. Preise ging an die Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten aus Berlin. Die Architekten schlugen „drei klar ablesbare Einheiten“ vor, die „eindeutig als Bürogebäude, Wohngebäude und Hotel zu erkennen sind“ und „dem Straßenraum einen kraftvollen, aber formal zurückgenommenen Halt geben“, würdigte das Preisgericht. Hotel und Bürogebäude bilden im Norden des Grundstücks einen um einen Innenhof organisierten Blockrand mit Fassaden aus strukturierten Betonelementen, die durch unterschiedliche Reliefs die beiden Nutzungen verdeutlichen. Die Wohnungen sind in einem eigenständigen, straßenbegleitenden Baukörper südlich davon vorgesehen. Dem Büro- und Hotelblock bescheinigten die Preisrichter „gut organisierte Nutzungen“, die Grundrissorganisation der Wohnungen überzeugte sie dagegen „nicht umfänglich“. Insgesamt biete der Entwurf „einen robusten und für den Ort nachvollziehbaren städtebaulichen Entwurf mit gut proportionierten Bauvolumen und Freiräumen“, „die Strenge und Regelmäßigkeit der Fassaden“ wirke allerdings „schwer und bisweilen monoton“, so das Fazit der Preisrichter, die zudem rieten, die geringe Nutzfläche weiter zu optimieren.

Die ebenfalls zweitplatzierte Hadi Teherani Architects GmbH aus Hamburg schlug drei Gebäudevolumina vor, „die die Architektur des ‚Nextower’ subtil in den Stadtraum übertragen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen“, so das Preisgericht, welches zudem die „hohe Eigenständigkeit der Arbeit, bei gleichzeitigem Respekt für die städtebauliche Situation“ sowie „eine ausgewogene Mischung aus öffentlichen Straßen- und halböffentlichen Platzbereichen“ lobte. Die Grundrisse seien „durch eine konsequente Organisation geprägt, die die Funktionen in einer Gesamtstruktur ablesbar machen“. Die Preisrichter rieten jedoch, die südliche Auskragung zum barocken Thurn-und-Taxis-Palais sowie die Maßnahmen zur Einhaltung der Abstandsflächen im Nordosten zu überprüfen.

TEK TO NIK Architekten WENZEL & PARTNER aus Frankfurt erhielten den 3. Preis. Sie definierten einen „klar ablesbaren Block für die Hotel- und Büronutzung“ im Norden, so die Preisrichter, und einen Wohnsolitär im Süden, der die Freiräume durch einen großzügigen Abstand zum Thurn-und-Taxis-Palais sowie eine kleinen Fuge zum nördlichen Block hierarchisiere. Der Entwurf nutze die maximal zulässige Gebäudehöhe aus, wobei jedoch „gerade der nördliche Block die Abstandsflächen wesentlich überschreitet“, merkte das Preisgericht an. Die Fassaden „zitieren die Architektursprache des Vorgängerbaus“ und seien „sehr stadtraumverträglich“, jedoch würden „die in den Visualisierungen gezeigten Qualitäten im Detail und in der Ausarbeitung nicht nachgewiesen“, so das Preisgericht abschließend.

Die vergebene Anerkennung ging an die Langhof GmbH aus Berlin.

Das Preisgericht forderte die beiden zweitplatzierten Entwürfe danach zur Überarbeitung ihrer Entwürfe auf. In der anschließenden Preisgerichtssitzung entschieden die Preisrichter, dass Hadi Teherani die Überarbeitung des Wettbewerbsentwurfs am besten umgesetzt habe.

Kerstin Mindermann