Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau für Sprach- und Kulturwissenschaften, Ffm 3. Ausbaustufe Campus Westend Goethe-Universität

Preisträger

1. Preis: BLK2 Böge Lindner K2 Architekten, Hamburg

€ 59.500

Jürgen Böge, Ingeborg Lindner-Böge, Lutz-Matthias Keßling, Detlev Kozian
Mitarbeit: Josep Vilardaga, Stefan Wälder, Yskert Schindel
Fachberater: wup Wiens und Partner GmbH, Hamburg (Modellbau)

2. Preis: Staab Architekten GmbH, Berlin

€ 41.560

Volker Staab
Mitarbeit: Petra Wäldle, Sarah Ruoss, Roberto Zitelli,
Jule Kuhn-Weidler
Fachberater: WBP Ingenieure für Haustechnik
Dipl.-Ing. Andreas Winkels, Münster

3. Preis: Atelier 30, Kassel

€ 33.320

Thomas Fischer, Ole Creutzig
Mitarbeit: Christian Stürmer, Yunus Coskun, Katharina Port, Anika Schmidt, Eva Sophie Bisdorf

4. Preis: harris + kurrle architekten, Stuttgart

€ 20.230

Volker Kurrle / Joel Harris
Mitarbeit: Hasan Tosun, Vojtech Bast
Fachberater: Herr Dr. Dippel, TEB, Vaihingen-Enz (Energiekonzept)
Herr Ruff, IB Heimann, Berlin (TGA-Planung)
Herr Dengler, Engelsmann Peters Ingenieure, Stuttgart (Tragwerksplanung)
Herr Iding, Planungsgruppe Kuhn, Sindelfingen (Brandschutzkonzept)

5. Preis: Max Dudler, Berlin

€ 14.280

Max Dudler
Mitarbeit: Jochen Soydan, Björn Werner, Miguel de Castro, Karin Weber-Mank, Alexander Bonte, Simona Capaul, Hye Kwang Shin
Fachberater: ZWP Ingenieur-AG, Niederlassung Berlin  (Haustechnik)
LAP Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG, Niederlassung Berlin (Tragwerk)
HHP Berlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin
Ingenieurbüro Peter Widell, Berlin (Kostenschätzung)
Modellbau Milde, Berlin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb mit vorangestelltem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 16.04.2015
Ort Frankfurt/Main
Auslober Land Hessen
Betreuung ANP Architektur-und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Inge Laste, Sabina Freienstein, Jorunn Ragnarsdottir, Prof. Dörte Gatermann, Prof. Ansgar Lamott, Irene Bauerfeind-Rossmann, Guido Brennert, Thorsten Dettmer, Thomas Platte, Prof. Birgitta Wolff

Schlussstein

Neubau Sprach- und Kulturwissenschaft Goethe-Universität Frankfurt/Main

Das von Hans Poelzig entworfene I.G.-Farben-Haus in Frankfurt ist eine Ikone der Architekturgeschichte: 1928 bis 1931 als Zentralverwaltung für die I.G. Farben errichtet, zog nach dem Ende des II. Weltkriegs die US-amerikanische Militärverwaltung ein und seit 2001 ist es Kernstück des neuen Campus´ Westend der Goethe-Universität. Zur Entwicklung des neuen Universitätsstandortes nördlich des historischen Gebäudes wurde 2003 ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb ausgelobt, den Ferdinand Heide aus Frankfurt gewann. Der nun entschiedene Realisierungswettbewerb für das Institutsgebäude der Sprach- und Kulturwissenschaft gehört bereits zum dritten Bauabschnitt und bildet den vorläufigen Abschluss der Neubebauung.

Gefordert war ein Gebäude mit rund 12.000 Quadratmetern Nutzfläche für die außereuropäischen Sprachen, Kunst und Musik mit einer gemeinsamen Bereichsbibliothek, infrastrukturellen Bereichen und einer Tiefgarage mit 250 Stellplätzen. In einem zweiten Bauabschnitt sollen zusätzlich 4.450 Quadratmeter Bruttogrundfläche für die Kunstpädagogik entstehen. Die Erweiterung war nicht Bestandteil des Wettbewerbs, sollte aber bereits mitgedacht und als Footprint dargestellt werden. Die Universität strebt eine variable Raumnutzung im Institutsbereich an, die neue Schwerpunkte, Fächerkombinationen und Forschungsaktivitäten durch Umorganisation problemlos ermöglicht. Zu beachten waren zudem die Gestaltungsrichtlinien für den Campus, die eine Orientierung an den architektonischen Grundprinzipien, dem Material und der Farbe des I.G.-Farben-Hauses vorgeben.

Der Entwurf von BLK2 Böge Lindner K2 Architekten aus Hamburg entspricht mit seiner gerasterten, zweischichtigen Travertin-Fassade den Vorgaben. Das Ensemble aus drei kubischen Baukörpern wird durch Innenhöfe räumlich strukturiert, so dass „die Typologie einer kleinen Stadt – als eigener Organismus in sympathischem Maßstab“ entstehe, erläuterte das Preisgericht, das den Entwurf mit dem ersten Preis auszeichnete. Das verbindende Erdgeschoss-Plateau verknüpfe zudem „selbsterklärend die horizontalen Raumfolgen“, biete eine gute Orientierung und entwickle eine hohe Identität. Auch die Erweiterung für die Kunstpädagogik, die „als selbstverständlicher Baustein im Ensemble der Gebäudefigur funktioniert und in die Erschließung eingebunden ist“, überzeugte die Preisrichter. Bücherei und Cafeteria im Sockelbereich werden separat erschlossen. Aus Nutzersicht wurden die Bibliothek und die Institutsbereiche als „funktional positiv und atmosphärisch angenehm beurteilt“, verkündete das Preisgericht. Das Projekt füge sich zudem „präzise in die städtebauliche und typologische Struktur und Materialität des Campus´ ein“ und „könne zu einem attraktiven Schlussstein werden“. Es entstünden „spannungsvolle, dabei maßstäbliche Raumfolgen mit guter Orientierbarkeit und einer angemessenen Abstufung von Öffentlichkeiten, die sich zu einem einladenden universitären Ort verdichten, der zum Lernen einlädt“, so das Fazit der Preisrichter.

Der zweite Preis ging an Staab Architekten aus Berlin. Auch sie gliederten das Gebäude in mehrere Bauteile, wodurch „eine präzise städtebauliche Setzung gelingt, die als eine adäquate Erweiterung der vorhandenen Bebauung gelesen wird“, so die Preisrichter. Dabei würden „starke Raumkanten ... formuliert und diese durch den spielerischen Umgang mit der Höhenentwicklung einzelner Bauteile gestärkt und präzisiert“. „Die eigenständige Handschrift und das plastische Erscheinungsbild“ böten zudem „ein hohes Maß an Wiedererkennbarkeit und daher ein großes Identifikationspotenzial für die Nutzer“, hob das Preisgericht hervor. Die Erschließung sei „gut gelungen“ und „durch spannende Raumfolgen zu einem Erlebnisraum aufgewertet“. Die Innenhöfe sind laut Preisgericht „schön gestaltet“ und „gezielte Lichtführung und gekonnter Umgang mit Tageslicht erhöhen die Aufenthaltsqualität in allen Ebenen des Gebäudes“. Auch die „klare Ablesbarkeit der Bibliothek“ und ihre Orientierung zum Campusplatz wertete das Preisgericht positiv und resümierte: Das Gebäude sei „im positiven Sinne bescheiden“, reihe sich „gut und dennoch sichtbar in die Hierarchie der Institution ein“ und verfüge „über ausgezeichnete innenräumliche Qualitäten“.

Atelier 30 Architekten aus Kassel entwarfen einen gestaffelten Baukörper mit vier bis sechs Geschossen, der „einen überzeugenden Abschluss des östlichen Campusgebietes schafft und durch die Höhenentwicklung sowie die in Schichten gegliederte Fassade eine gute Differenzierung der Baumasse erzeugt“, so das Preisgericht, das den Entwurf mit dem dritten Preis auszeichnete. „Die klaren Gebäudekanten bilden eindeutige Raumbezüge zur Hansaallee“ und die innere Verbindung zwischen den zwei Zugängen schaffe „einen attraktiven Raum mit direktem Bezug zur Bibliothek und den begrünten Innenhöfen“, lobten die Preisrichter, die zudem die Großzügigkeit der zweigeschossigen Bibliothek und ihre natürliche Belichtung über Oberlichter und zwei begrünte Höfe hervorhob. Der zweite Bauabschnitt der Kunstpädagogik ist als separater Baukörper ausgewiesen, „der gleichberechtigt am neuen Vorplatz liegt“, so die Preisrichter, die der Entwurf insgesamt „durch eine gute Baumassenverteilung sowie ein attraktives inneres Konzept“ überzeugte.

harris + kurrle architekten aus Stuttgart schlugen zwei sechsgeschossige Baukörper vor: einen zum Universitätsplatz orientierten für die Sprach- und Kulturwissenschaften und einen für die Erweiterung der Kunstpädagogik. Beide Baukörper sind mit einem dreieckigen Sockel verbunden. „Die vertikale Schichtung der Fassade mit einer zweigeschossigen Sockelzone führt zu einer sehr angenehmen Gliederung der Fassaden, die in konsequenter Weise aus der inneren Organisation entwickelt ist“, lobten die Preisrichter, die den Entwurf mit dem vierten Preis auszeichneten. Auch „die grundsätzliche Disposition der Bibliothek im Kern des Hauses hinter einem attraktiven Eingangsfoyer“ werteten sie positiv.

Max Dudler entwarf mit seinem Büro in Berlin einen Baukörper aus drei zueinander versetzten Volumina, welche durch ein gemeinsames Sockelgeschoss verbunden sind. Die Preisrichter hoben insbesondere das Zwischenfoyer im ersten Obergeschoss hervor, das „der sinnvollen Adressbildung aller Institute dient und einen kommunikativen Treffpunkt darstellt“. Insgesamt zeige der Entwurf „mehrere interessante Aspekte zur Organisation und inneren Verknüpfung einzelner Bereiche“, erläuterte das Preisgericht, das den Entwurf mit dem fünften Preis auszeichnete.

Zusätzlich zu den Preisen vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Professor Zvonko Turkali drei Anerkennungen an die folgenden Büros: Glass Kramer Löbbert aus Berlin, ingenhoven architects aus Düsseldorf und Ferdinand Heide aus Frankfurt/Main. Dem Bauherrn empfahl es einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit der weiteren Bearbeitung unter Berücksichtigung der in der Beurteilung genannten Kritikpunkte zu beauftragen.

Kerstin Mindermann