Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohngebiet "Auf den Eichen", Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: reicher haase associierte GmbH, Aachen

€ 10.000

Christa Reicher
Mitarbeit: Anna Killert, Melina Vasen

2. Preis: Regina Stottrop, Büro für Stadtplanung, Köln

€ 5.000

Mitarbeit: Philipp Skoda, Theresa Foydl, Lukas Wöhrderhoff

3. Preis: Planquadrat Elfers Geskes Krämer PartG, Darmstadt

€ 3.000

Martin Geskes
Mitarbeit: Christina Kölling, Philipp Kunkel, Holger Grobe

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 23.03.2015
Ort Wiesbaden
Auslober Stadt Wiesbaden
Betreuung Freischlad + Holz, Planung und Architektur, Darmstadt
Preisrichter Prof. Dr. Franz Pesch (Vorsitz), Ulf Begher, Klaus Bierbaum, Thomas Metz, Sigrid Möricke, Hans Martin Kessler, Ralf Weber

Neue Wohnungen braucht die Stadt

Städtebaulicher Realisierungswettbewerb Wohngebiet „Auf den Eichen“

Wie auch in anderen deutschen Städten treffen in Wiesbaden derzeit steigende Einwohnerzahlen auf einen zunehmend angespannten Wohnungsmarkt. Insbesondere kostengünstige Wohnungen sind knapp. Um die Situation zu entspannen, entwickelt die Stadt verstärkt verfügbare Freiflächen. Eine davon ist das 7,3 ha große Wettbewerbsgebiet im Stadtteil Biebrich.

Nach Beratungen zwischen der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen – Gesine Ludwig, Referentin für Vergabe und Wettbewerbe, und Joachim Klie, Vorsitzender des Landeswettbewerbsausschusses – und dem Amt für Wirtschaft und Liegenschaften sowie dem Projektsteuerer SEG ­– Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden mbH hatte sich die Stadt Wiesbaden entschieden, einen städtebaulichen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren auszuloben. Vier Büros waren zur Teilnahme eingeladen, fünf weitere wurden durch das vorgeschaltete Auswahlverfahren ermittelt. Die Betreuung des Wettbewerbs erfolgte durch das Büro Freischlad + Holz aus Darmstadt.

Das zu überplanende Areal liegt zwischen der Siedlung „Gräselberg“ und der nahegelegenen Autobahn A 643. Ein entsprechender Schallschutz ist daher Grundvoraussetzung für die Bebauung und war eines der Hauptkriterien im Wettbewerb. Die angrenzende Siedlung besteht überwiegend aus einer für die 1960er und 1970er Jahre typischen, aufgelockerten Zeilenbauweise mit für heutige Verhältnisse kleinen Wohnungen. Aufgabe des Wettbewerbs war es, den städtebaulichen Rahmen für rund 250 neue Wohnungen zu schaffen, die die bestehende Siedlung erweitern und aufwerten. Insbesondere Wohnungsangebote, die es bislang auf dem „Gräselberg“ nicht gibt, sollten realisiert werden.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Dr. Franz Pesch vergab drei Preise. Der erste ging an reicher haase associierte aus Aachen, die mit ihrem Entwurf dem neuen Quartier eine „identitätsstiftende Qualität“ verliehen, so das Preisgericht. Die 4-geschossige Kammstruktur, die im Westen das Quartier vor dem Verkehrslärm abschirmt, generiere auch für die darin vorgesehenen Wohnungen „einen optimalen Schallschutz“ bei guter Belichtung und Besonnung. Die weiterentwickelte Struktur der Stadthäuser, Reihen- und Doppelhäuser in der Quartiersmitte und am Übergang zur vorhandenen Siedlung sei „schlüssig und qualitätvoll, insbesondere in der Freiflächenzuordnung“. Das Grünband am nordwestlichen Quartiersrand und der zentral gelegene Quartiersplatz mit Kindertagesstätte böten zudem „hohe Aufenthaltsqualitäten“ und stärkten die Identität des neuen Quartiers.

Am Entwurf der zweitplatzierten Regina Stottrop aus Köln lobte das Preisgericht die „systematisch entwickelte und leicht umzusetzende städtebauliche Struktur mit einer guten Durchmischung der Wohnformen“. Die zweigeteilte Haupterschließung biete Entwicklungspotenziale und das Rückgrat des Gebietes ­– eine Spange öffentlicher Räume und gemeinschaftsorientierter Nutzungen – wirke identitätsstiftend. Das Konzept eigne sich optimal auch für Sonderwohnformen und unterschiedlichste Wohnungstypen. Insgesamt verspreche das städtebauliche Konzept „eine hochwertige Quartiersentwicklung“, allerdings sei die Bebauung schallschutztechnisch insbesondere im nordöstlichen Bereich optimierungsbedürftig und die Machbarkeit des Entwurfs nicht sichergestellt, da sich notwendige Erschließungsflächen im Bereich der Privatgrundstücke befänden. Durch „die engmaschige Erschließung und ein Überangebot an öffentlichen Räumen“ sei der Entwurf nur schwer umzusetzen, merkte das Preisgericht an.

Planquadrat aus Darmstadt erhielt den 3. Preis. Als Schallschutz schlug das Büro eine Kette terrassierter Punkthäuser vor, die durch glasgeschützte Balkone und vertikale Gärten miteinander verbunden sind. Durch diese „eigenständige Gebäudetypologie mit besonderen Wohnformen“ sowie die gebogenen Reihenhauszeilen und die großflächigen, zusammenhängenden Grünflächen im Quartiersinneren entständen „besondere Adressen“, lobte das Preisgericht. Es merkte jedoch kritisch an, dass „die Quartiersplätze, entgegen den dargestellten Nachbarschaftsfunktionen, überwiegend für Stellplätze in Anspruch genommen werden“ und der Ansatz, Teile des Verkehrs außerhalb des Quartiers zu belassen, zur Folge hat, „dass viele Gebäude im Inneren nicht direkt anfahrbar sind und überdies lange Transportwege entstehen“. Zudem sei der anspruchsvolle Geschosswohnungsbau mit den großen Wintergärten im öffentlich geförderten Wohnungsbau nur „schwerlich zu realisieren“ und auch die Lage der Kita am Nordrand der Siedlung wurde kontrovers diskutiert.

Der Ausloberin empfahl das Preisgericht einstimmig, die Verfasser des 1. Preises mit der weiteren Planung zu betrauen.

Kerstin Mindermann