Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Umgestaltung der Tulpenallee in Kassel

Preisträger

1. Preis: WES & Partner GbR, Hamburg

€ 20.000

Michael Kaschke
Mitarbeit: Henriette Henning, Sandra Kopp, Timm Clasen, Thomas Bohr
Fachberater: BPR Künne & Partner, Jens Wittrock, Bremen

2. Preis: Foundation 5+ Landschaftsarchitekten, Kassel

€ 10.000

Michael Herz, Dr. Hans- Peter Rohler
Mitarbeit:
Janine Rincke, Mark Weingart, Bastian Wahler
Fachberater:
B.A.S. Kopperschmidt + Moczala GmbH, Christian Moczala, Weimar(Architekt)
Ingenieurbüro Kühnert, Jürgen Kühnert, Bergkamen (Verkehrsplanung)

3. Preis: Rita Lex- Kerfers, Bockhorn

€ 7.000

Mitarbeit: Ines Siebrecht
Fachberater: Till Burkhardt, München (Verkehrsplanung)
Matthias Thoma (Visualisierung)

Anerkennung: Louafi/ Heilbronner/ Lachkareff Landschaftsarchitekten, Berlin

€ 5.000

Kamel Louafi, Florian Heilbronner, Nil Lachkareff
Mitarbeit: Dörte Eggert, Geraldine Radjeb, Judith Wacht

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener freiraumplanerischer Wettbewerb gemäß RPW 2008 mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 06.07.2009
Ort Kassel
Auslober Stadt Kassel in Kooperation mit dem Land Hessen
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Thomas Bieling, Prof. Heinz Hallmann (Vorsitz), Günter Schmitteckert, Monika Weber-Pahl, Prof. Klaus Trojan, Stefan Bernard, Dr.-Ing. Reinhold Baier, Thomas-Erik Junge, Eva Kühne-Hörmann, Heinz Spangenberg, Ernst Wegener

Das Welterbe im Blick
Die Tulpenallee in Kassel wird umgestaltet

Sagt man derzeit „Welterbe“, so fällt einem geradezu reflexhaft das Wort „Brücke“ ein – und all die unrühmlichen Vorgänge, die dazugehören. Dieser gedankliche Brückenschlag mag überstrapaziert sein, hat allerdings auch sein Gutes. Kein Politiker und kein Architekt dürfte es sich bei einem aktuellen Bauvorhaben leisten können, ins offene Messer zu rennen, wenn es auch nur im Entferntesten mit der UNESCO-Liste in Zusammenhang steht. Und vor dem Hintergrund des Dresdner Negativbeispiels fällt es einem doch immer wieder positiv auf, wie umsichtig und wie frühzeitig andernorts mit solch sensiblen Zusammenhängen umgegangen wird.

Beispiel Kassel. Dort ist die Anmeldung des Bergparks Wilhelmshöhe bzw. der Parkanlagen Karlsaue sowie Schlosspark Wilhelmsthal für das UNESCO-Welterbe in Vorbereitung. Zugleich erfolgen im Rahmen des 200-Millionen-Projekts zur „Neuordnung der Museumslandschaft Kassel“ in diesen Bereichen Um- und Neubauten. Also hat man bereits 2007 von Fachleuten diese Vorhaben auf UNESCO-Tauglichkeit prüfen lassen, und jede Maßnahme wird durch ein Welterbe-Komitee aus internationalen und nationalen Experten begleitet.

Das war auch bei der Umgestaltung der Tulpenallee, der wichtigen Zufahrtsstraße zum Bergpark, der Fall. Um ein Ergebnis des freiraumplanerischen Wettbewerbs vorwegzunehmen: Seitens der Monitoring Gruppe von ICOMOS, des internationalen Rats für Denkmalpflege, der die UNESCO zu Fragen des Weltkulturerbes berät, signalisierte man große Zufriedenheit mit dem Ausgang des Wettbewerbs.

Der unter den 16 Teilnehmern erstplatzierte Entwurf des Hamburger Büros WES & Partner verbindet in der Tat hervorragend die funktionalen und denkmalpflegerischen Aspekte der Umgestaltung, sprich: die Allee bleibt eine Verkehrsstraße, aber man sieht es ihr nicht mehr auf den ersten Blick an. Eine Reduzierung der Fahrbahnbreite auf (historische) 6 Meter nimmt ihr den Schneisen- und Durchfahrtverkehrscharakter und betont stattdessen den geschwungen Verlauf in der Landschaft. So verwandelt sie sich, wie in der Ausschreibung gefordert, in eine Parkstraße, optisch auch durch einen promenadenfarbigen Asphaltbelag betont. Entlang der Straße führt ein Bankett aus Schotterrasen von einem Meter Breite, der Fußweg ist deutlich von der Straße getrennt. Platz zwei ging an Foundation 5+ Landschaftsarchitekten aus Kassel, die die Tulpenallee von Rasen-, Wiesen- und Gehölzbereichen direkt umschlossen konzipieren und dafür fast völlig auf Fußwege verzichten. Dritter wurde Lex Kerfers Landschaftsarchitekten aus dem bayerischen Bockhorn, die gleichfalls mit einer reduzierten Fahrbahn und abgekoppelten Fußwegen arbeiten.

Zur Wettbewerbsaufgabe zählte neben der Straßengestaltung aber auch die Neuinszenierung der Übergänge zum Park – vor allem am Besucherzentrum und beim Ballhaus vor allem. Auch da punktet der Siegerentwurf, der das Thema des englischen Landschaftsgartens aufnimmt und dessen oberste Maxime der Erhalt der historischen Qualität ist. So vermittelt der Bereich um das Besucherzentrum künftig mit fließenden Übergängen zwischen der weiter unten ankommenden Straßenbahn und dem höher gelegenen Parkplatz. Hier lobte das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Heinz Hallmann vor allem die lang gezogene, terrassierte Freitreppe mit den großzügigen Bauminseln. Die Gestaltung des Übergangsbereichs Schlosshotel-Ballhaus ist äquivalent gelöst, mit einer grünen Bastionskante als landschaftsbezogener Fassung für das Ballhaus. In einigen Elementen wie einem Baumhain westlich der Alten Wache orientiert sich Entwurf an einem Plan der Wilhelmshöhe von 1903. Nicht ganz so zufrieden zeigte sich das Preisgericht mit einigen Zahlenwerten: die zu geringe Stellplatzzahl oder die zu große Menge an Pollern, aber auch mit der Umsetzung der Zufahrt zum Schlosshotel.

Das tut dem Fingerspitzengefühl, das der Entwurf in seiner zentralen Aussage beweist, keinen Abbruch. Er schlägt im übertragenen Sinne eine durchdachte Brücke zwischen Gestern und Heute.