Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Künstlerisch gestalteter Kinderspielplatz am Schulberg in Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: ANNABAU, Berlin

€ 10.000

Sophia Petersson, Moritz Schloten
Mitarbeit: Marko Bendel, Davide Tognon

2. Preis: Die Landschaftsarchitekten, Wiesbaden

€ 7.500

Petra Bitkau, Prof. Dr. Friedrich Bartfelder
Mitarbeit: Konrad Deines, Andreas Heinemann, Michael Anstatt
Künstler: Titus Grab, Wiesbaden

3. Preis: Kunder³ Landschaftsarchitektur, Leinfelden-Echterdingen

€ 3.500

Ingrid Kunder
Mitarbeit: Dennis Kunder, Mark Kunder, Dejan Zarkovic (Mediengestalter)
Künstler: Thomas Rappaport, Stuttgart

4. Preis: bbz Landschaftsarchitekten, Berlin

€ 2.500

Timo Herrmann

5. Preis: Ernst + Partner, München

€ 1.500

Helmut Ernst, Stefan Jacobs, Winfried Scherf
Mitarbeit: Christina Kirchhöfer, Andreas Jessen
Künstler: Florian Aigner, München
Christoph Mancke, Lünebach

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil
Preisgerichtssitzung 01.07.2009
Ort Wiesbaden
Auslober Landeshauptstadt Wiesbaden
Betreuung Scheuvens + Wachten, Dortmund
Preisrichter Dr.-Ing. Birgit Kröninger, Dirk Schelhorn, Ina Bimberg (Vorsitz), Prof. Dr. rer. hort. Stefan Bochnig, Carola Schnug-Börgerding, Prof. Dr. Grit Hottenträger, Dr. Tilli Reinhardt, Rita Thies, Hans Peter Schickel, Gabriel Dessauer, Stefan Rausch-Böhm

Hohe Spielkultur
In Wiesbaden wird der Spielplatz am Schulberg künstlerisch aufgewertet

Städte konzipieren bzw. sanieren ihre Spielplätze in der Regel selbst. Dass sie dafür einen Architektenwettbewerb ausschreiben, ist eher ungewöhnlich. In Wiesbaden hat man das getan – für einen ungewöhnlichen Ort. Was man auf den ersten Blick nicht sieht, denn der Spielplatz am Schulberg ist zunächst einmal einfach nur heruntergekommen. Die Kinder des Bergkirchenviertels trifft man dort weniger an. Doch der 1.900 Quadratmeter große Spielplatz liegt an einer sehr guten Hanglage mit Blick über die Innenstadt im Umfeld von Römertor, Alter Synagoge, wo eine Gedenkstätte für NS-Opfer entsteht, und Kunsthaus, das einen Anbau erhält. Wegen dieser „Kulturstrecke“ soll nun auch der Spielplatz zum Kunstort werden – und so waren auch Künstler aufgerufen, sich in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten an dem Realisierungswettbewerb zu beteiligen.

Nun war zwar just beim Erstplatzierten Entwurf des Berliner Büros ANNABAU kein eigens kooperierender Künstler beteiligt, wohl aber bei den weiteren Preisträgern. Und künstlerisch ist der Siegerentwurf allemal ausgefallen: Denn die Umsetzung des vorgegebenen Themas „Weltkulturen“ – fast 50 Prozent der Bewohner des Bergkirchenviertels haben einen Migrationshintergrund – erfolgt durch eine Raumskulptur. Nämlich ein Fünfeck, das zum einen das historische Fünfeck Wiesbadens zitiert, zum anderen durch modellierte (Spiellandschafts)Kontinente die Kulturen der Welt versinnbildlicht. Auf den zweiten Platz kam das Wiesbadener Büro Die Landschaftsarchitekten zusammen mit dem Wiesbadener Künstler Titus Grab. Sie schlagen eine streifenförmige Gliederung des Platzes vor, mit einer offenen Platzmitte, um die sehr individuelle Spielobjekte wie eine Kletterschräge herum angeordnet sind. Platz drei belegten Preis Kunder³ Landschaftsarchitektur aus Leinfelden-Echterdingen mit dem Stuttgarter Künstler und Holzbildhauer Thomas Rappaport. Sie setzen auf einen spiralförmig angelegten Platz, der sich nicht festlegt, sondern den Nutzern selbst Freiräume zu entdecken gibt.

Was den Siegerentwurf unter den insgesamt 27 Wettbewerbern auszeichnet, ist die Unverwechselbarkeit der Spielskulptur: ein interaktiver Loop aus zwei sich immer wieder annähernden, sich entfernenden oder überlagernden Stahlrohren in Form eines Fünfecks, zwischen denen ein Netz gespannt ist und der zwischen den Bestandsbäumen „schwebt“, die fast alle erhalten bleiben. Klettern und balancieren kann man hier in jeder Form – vom Trampolin, über Seiltunnel, hin zu Seilnestern und Seillianen. Hinzu kommt nach Einschätzung der Preisrichter unter Vorsitz der Iserlohner Landschaftsarchitektin Ina Bimberg ein hoher, altersübergreifender Nutzungswert der anderen Spiel- und Freizeitbereiche, ob Tischtennisplatten, Spieltische, Liegestühle, Lounge, ob Sand oder Wasser, oder die Promenade, die den Loop umgibt und den Blick auf Wiesbadens Altstadt freigibt. Weniger anfreunden konnte sich das Preisgericht mit einigen Platzierungen der Spielgeräte und vor allem mit der Idee, dass etwa die Straßenlaternen aus verschiedenen Ländern stammen könnten (bei der Auswahl sollten sich interessierte Bewohner mit Migrationshintergrund beteiligen können) – „recht banal“ lautete dazu das Urteil. Handfester ist hingegen die Wahl des robusten und langlebigen Materials – und das muss sie auch sein, denn „vandalismussicher“ hieß eine der Vorgaben für die Spielgeräte.

Spielkultur für alle – das dürfte das Motto sein, unter dem man den Wiesbadener Schulberg künftig gut fassen kann. Denn Klettergerüste kommen im jeweiligen Stadtteil an sich schon gut an – so wurde unlängst im Biebricher Schlosspark in Wiesbaden ein kleiner Kletterparcours eröffnet, der seither von Kindern und Jugendlichen an Wochenenden überrannt wird –, der Loop selbst aber könnte übers Bergkirchenviertel hinaus zum Anziehungspunkt werden.