Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Städtebaulicher Wettbewerb für das Gebiet "Wörsbachaue", Idstein

Preisträger

1. Preis: 03 Architekten, München mit Landschaftsarchitekten Keller + Damm, München

€ 11.000

Andreas Garkisch, Franz Damm

2. Preis: AG 5 Architekten, Darmstadt mit Landschaftsarchitekten Lukowski + Partner, Darmstadt

€ 7.000

Joachim Klie, Matthias Pilz,

Mitarbeit: Christoph Kornmayer, Andres Krause

3. Preis: 4 SENKRECHT GbR, Oestrich mit Adler + Olesch Landschaftsarchitekten, Mainz

€ 4.000

Hans Reinsch, Stefan Büchel, Dietmar von der Weiden, Stefan Bitter

Mitarbeit: Viktoria Gastauer, Florian Braun, Robert Waumann

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 29.06.2009
Ort Idstein
Auslober Stadt Idstein und Kommunale Wohnungsbaugesellschaft Rheingau-Taunus
Betreuung goedeking architekten, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Manfred Hegger (Vorsitz), Hans-Egon Baasch, Dieter Herrchen, Ditmar Joest, Dr. Kurt Rauschnabel, Karl-Wilhelm Höhn, Dr. Petra Schneider

Locker-dörflich
In Idstein wird das Gebiet Wörsbachaue neu strukturiert

Einen Stadtteil um- bzw. neu zu bauen, ist eine Herausforderung für jede Stadt, aber für Kleinstädte bekommt ein solches Unterfangen immer noch einmal eine besondere Note. Nicht nur die Wohnqualität des konkreten Viertels hängt davon ab. Die Maßnahmen strahlen auch rasch auf den ganzen Ort ab. Im hessischen Idstein etwa will man das Gebiet Wörsbachaue/Hahnstück ganz in der Nähe der schmucken Altstadt umstrukturieren. Dort stehen viele recht schlichte Häuser aus den 1950er Jahren mit Mängeln sowohl was die Bausubstanz als auch ihre stadtplanerische Anlage anbelangt.

Die Stadt Idstein und die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft Rheingau-Taunus haben dafür einen Wettbewerb ausgelobt. Das war möglich, weil die Stadt Idstein in das Stadtumbauprogramm des Bundes aufgenommen wurde. 130 Wohneinheiten mit allen Wohnformen vom sozialen Wohnungsbau bis zum Einfamilienhaus sollen hier entstehen. Sie sollen langfristig Bestand haben in einem Umfeld, das so reizvoll wie schwierig ist: Denn die östlich gelegene Ochsenwiese als Teil der Aue macht zwar großartige freiraumplanerische Lösungen möglich, doch zugleich gibt es auf dem ca. 44.500 Quadratmeter großen Wettbewerbsgebiet, das elf Meter Höhenunterschied aufweist, einige Gebäude, die nicht im Besitz des Auslobers sind, und nach Westen hin muss man sich mit der der Limburger Straße und Einkaufszentren arrangieren.

Unter den acht eingereichten Arbeiten wusste der Entwurf des Münchener Büros 03 Architekten in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten Keller + Damm, gleichfalls aus München, zu überzeugen. Ihre mit dem ersten Platz prämierte Vision orientiert sich am Dörflichen: mit einer neuen, lockeren Bebauungsstruktur, quadratischen, zum Teil gekoppelten Grundrissen und ungerichteten Gebäuden, die Zugänge von allen Seiten haben. Mit 6:1 Stimmen entschieden sich die Preisrichter unter dem Vorsitzenden Prof. Manfred Hegger für diesen Ansatz. Mit dem gleichen Stimmverhältnis wurden auch die Plätze zwei und drei vergeben, nämlich für AG 5 Architekten, Darmstadt, mit Landschaftsarchitekten Lukowski + Partner, Darmstadt sowie für 4 SENKRECHT GbR, Oestrich, mit Adler + Olesch Landschaftsarchitekten, Mainz. Die Zweitplatzierten schlagen einige wenige Baukörper mit einer maßvollen Höhenentwicklung vor, die sich am Bestand orientieren und sich gegen die Limburger Straße hin zum Teil abschotten. Die Drittplatzierten wiederum setzen auf Stadtvillen und ein anspruchsvolles Freiraumkonzept, zu dem unter anderem ein Stadtplatz zählt.

Beim Siegerentwurf lobten die Preisrichter vor allem die räumliche und topographische Fortführung des Gebiets aus der Wörsbachaue heraus, das dem Areal einen ganz eigenen Charakter verleiht, sowie der unverkrampfte Umgang mit den Bestandgebäuden. Die Auflösung der Randbebauung an der Limburger Straße dürfte zwar lärmtechnisch Nachteile haben, überzeugt aber stadträumlich. Da der Akzent auf den Freiflächen liegt mit vielen Gärten, Terrassen, gemeinschaftlichen Plätzen, gestaffelten Treppen, die zur Wörsbachaue führen, und einem dichten Wegenetz, markiert das Gebiet sehr gut den Übergang von der Innenstadt hin zur Landschaft. Die konsequente Ausnutzung der Hanglage für Tiefgaragen der Häuser ermöglicht es zudem, mehr Freiraum zu erhalten.

Da Idstein vor allem von seinem Erholungspotenzial profitiert, dürfte dieses Konzept jene langfristige Sicherung des Standortes bieten, die man sich von dem Wettbewerb erhofft hat. Ein locker-dörfliches Wohngefühl ist oft die beste Lösung am Rande einer Kleinstadt.