Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wettbewerb Stadtplatz ENKA-Gelände, Kelsterbach

Preisträger

1. Preis: Timo Herrmann (bbz landschaftsarchitekten), Berlin

€ 8.000

Mitarbeit: Malte Stellmann, Marc Leppin

2. Preis: [f] landschaftsarchitektur gmbh, Bonn

€ 6.000

Gunter Urlichs-Fischer

Mitarbeit: Susanne Hoffmann, Neelja Gillich, Joachim Evers

3. Preis: Agence TER. de GmbH, Karlsruhe

€ 5.000

Prof. Henri Brava

Mitarbeit: Franziska Büching, Johanna Schmotzle, Victor Czulak

Anerkennung: Henrike Specht (BS + Städtebau und Architektur), Frankfurt mit Stefan Bitter ( Adler & Olesch Landschaftsarchitekten, Mainz GmbH)

€ 2.000

Mitarbeit: Kerstin Formhals, Franziska Höche, Viktoria Gastauer, Sebastian Lensch, Berenike Görsch

Fachberater: Christian Uitz (Lichtplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger Realisierungswettbewerb mit Ideenteil gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 16.08.2012
Ort Kelsterbach
Auslober Magistrat der Stadt Kelsterbach
Betreuung NH ProjektStadt, Kassel
Preisrichter Tobias Mann (Vorsitz), Prof. Dr. Maren Harnack, Susanne Wartzeck, Prof. Wigbert Riehl, Manfred Ockel, Bruno Zecha, Alfred Wiegand

Raumskulptur mit historischen Bezug
Wettbewerb für den Quartiersplatz ENKA-Gelände Kelsterbach
Seit 1999 stehen bei den ehemaligen ENKA-Werken in Kelsterbach, die für fast 100 Jahre Kunstfasern produziert hatten, die Maschinen still. Gut zehn Jahre vergingen zwischen der Stilllegung und dem Beschluss eines Rahmenplanes für eine Neunutzung des Geländes. Nach dem Abriss der Werkshallen im Jahr  2011 blieben auf dem rund 14 Hektar großen Gelände vom ehemaligen Werksensemble nur noch drei unter Denkmalschutz stehende Gebäude übrig. Die sanierte Werkszentrale aus den 1930er Jahren, die heute das Umwelt- und Nachbarschaftshaus beherbergt, das historische Sozialgebäude und die ehemalige Kantine. Derzeit entstehen auf dem ehemaligen Industriegelände das neue Wohngebiet „Mainblick“ sowie ein Fachmarktzentrum.
Für das neue Stadtquartier suchte Kelsterbach nun nach einer gelungenen Gestaltung für einen zentralen Platz, den die historischen Gebäude umrahmen und der das neue Wohnquartier und Gewerbegebiet verbinden und mit der Stadt verknüpfen soll. NH ProjektStadt aus Frankfurt betreute den nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil, den der Magistrat der Stadt Kelsterbach nach Gesprächen zwischen Gesine Ludwig (AKH) mit dem Landeswettbewerbsausschuss der AKH und dem Stadtbauamt ausgelobt hatte.
Aus elf Entwürfen wählte das Preisgericht, dessen Vorsitz der Fuldaer Landschaftsarchitekt Tobias Mann inne hatte, drei Preisträger aus. Den ersten Preis sprach es den Berliner bbz landschaftsarchitekten zu. Besonderen Anklang bei den Preisrichtern fanden die organische Raumskulptur des „ENKA-Pavillons“ und die Aufnahme des geschichtlichen Hintergrunds des Areals als Waggonfabrik und als Standort der Kunstseideproduktion in die Entwurfsgestaltung. Ebenso gefiel der Kontrast der freien Figur des Pavillons sowie den unsymmetrisch angeordneten Bäumen und Platzelementen zu den eher strengen Fassaden der umgebenden Industriebauten und dem linearen Platzbelag. Positiv bewerteten die Preisrichter außerdem die Sichtbarkeit der Skulptur von allen Platzzugängen aus und die Ausbildung „angenehmer Aufenthaltsräume“, sowie die „Zonen mit Licht und Schatten“ durch unterschiedlich dichte Bespannung der Pavillon-Skulptur.
Platz zwei sicherte sich die [f] landschaftsarchitektur gmbh aus Bonn. Eine Wasserwand sowie ein Baumhain prägen den Entwurf. Die Wasserwand auf der südlichen Seite des Platzes werteten die Preisrichter als „attraktive Begrenzung“ an dieser „schwierigen Platzseite“ zum Parkplatz hin. Der Hain erzeuge mit seinen Lichtungen ein „gutes Raumgefühl“, die Verdichtung nach Süden sei schlüssig, die Dichte an sich und die Wahl der Baumarten jedoch überprüfenswert. Dass die Baumkante über den Platz hinausrage und so schon von allen Platzzugängen aus sichtbar sei, fand Zustimmung. Als Platzbelag wählten die Entwurfsverfasser geschliffenen Gussasphalt, diese Wahl hinterfragten die Preisrichter jedoch. Als angemessen bewerteten sie das weiß eingelegte, frei geformte Band im Bodenbelag, das an die frühere Produktion von Kunstfasern an diesem Ort erinnere. In die geschwungene Linie integriert finden sich Sitzelemente.
Der Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros Agence TER. de GmbH aus Karlsruhe kam auf den dritten Platz. Die Verfasser schlagen für die Platzgestaltung einen einheitlichen Belag aus Betonplatten vor, den ein Glanzstreifen aus Metall gliedert. Die Preisrichter erkannten darin einen „‘Faden‘ als Reminiszenz an die Geschichte und Nutzung Ortes“ und attestierten dem Gestaltungsvorschlag einen „ruhigen, dem Ort angemessenen Charakter“. Baumreihen und Gräsergräben bilden die Raumkanten des Platzes; ein Wasserspiel, Einzelbäume und Retentionsgärten, die als Entwässerungsflächen dienen sollen, gliedern den Platz. Die Preisrichter werteten die durch die Retentionsgärten hergestellten Bezüge zum Umwelthaus positiv, stellten jedoch die Größe der Gärten ebenso in Frage wie die raumbildende Wirkung der Gräsergräben.
Das Preisgericht empfahl die erstplatzierte Arbeit von bbz landschaftsarchitekten umzusetzen, formulierte jedoch einige Überarbeitungshinweise, unter anderem hinsichtlich der Platzkanten im Süd- und Nordosten sowie des vorgeschlagenen Platzbelags Gussasphalt. Die Stadt Kelsterbach will rund 1.1 Millionen Euro in den neuen Platz investieren, auf dem eine Freiluftausstellung die Geschichte der ENKA-Werke präsentieren soll.

 

Katja Klenz