Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Architektenwettbewerb Teilneubau Pfarrheim, Schlüchtern

Preisträger

1. Preis: Turkali Architekten, Frankfurt/ Main

€ 2.600

Prof. Zvonko Turkali

Mitarbeit: Peter Brändle, Janina Nieper, Laura Olivier

2. Preis: Herbert Architekten, Petersberg

€ 1.920

Wolfgang Herbert, Timo Schütrumpf

Mitarbeit: Lisa Herbert

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 20.09.2012
Ort Schlüchtern
Auslober Katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius
Betreuung Bischöfliches Generalvikariat
Preisrichter Peter Sichau (Vorsitz), Dr. Burghard Preußler, Susanne Wartzeck, Norbert Griebel, Alfred Gabler

Intelligent und unprätentiös

Realisierungswettbewerb Pfarrheim der Katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius in Schlüchtern.
Die Katholische Kirchengemeine St. Bonifatius in Schlüchtern erlebte vor gut 50 Jahren einen kleinen Bauboom. Sie baute in der ersten Hälfte der 1960er Jahre eine neue Kirche – drei Mal größer als der Vorgängerbau. Und schon zuvor, zwischen 1958 und 1960, war das Pfarrheim errichtet worden, das 1970 und Mitte der 1980er Jahre unterkellerte Anbauten für die Jugendarbeit und für Nebenräume erhielt. Ein Garten, genutzt beispielsweise für Kirchenfeste, verbindet Kirche, Pfarrheim und Pfarrhaus. Doch während die Kirche des Steinauer Architekten Josef Kühnel sicher auf ihren 50 Stahlbetonpfählen ruht, setzten erhebliche Feuchteschäden in den Kellergeschossen vor allem den Anbauten des Pfarrheims zu.
Daher entschloss sich die Kirchengemeinde zu einem Teilneubau und einer Modernisierung des Pfarrheims und lobte hierfür einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb aus, dessen Betreuung das Bischöfliche Generalvikariat Fulda übernahm. Den Vorsitz des Preisgerichts übernahm der Fuldaer Architekt Peter Sichau. Die Preisrichter entschieden sich für die Vergabe eines ersten und eines zweiten Preises.
Das erstplatzierte Büro, Turkali Architekten aus Frankfurt am Main, überzeugte die Preisrichter mit einem „neuen, qualitätvollen Bauensemble“, dass eine „identitätsstiftende Adresse für das neue Pfarrzentrum“ bilde und die städtebauliche Situation verbessere. Ein eingeschossiger Neubau, als Anbau an das bestehende Pfarrheim konzipiert, fast den Pfarrgarten nach Süden hin, definiert die vorhandene Freifläche neu und setzt sie zu den Funktionen im Gebäudeinneren direkt in Beziehung. Dabei sei nach Ansicht der Preisrichter der Neubau sorgfältig proportioniert und kläre so die Hierarchie zwischen den Kirchenbauten. Die Architekten übernähmen zudem intelligent und unprätentiös die architektonischen Muster und Materialien der Kirche.
Auch für die Gestaltung der Innenräume fand das Preisgericht lobende Worte. Sie folge den Gedanken der Vernetzung der Erschließungsflächen mit dem Freiraum des Pfarrgartens und die dadurch gewonnen Großzügigkeit und Helligkeit verspräche hohe Raumqualität und Flexibilität. Die Preisrichter würdigten zudem insbesondere die Gestaltung des Gebetsraumes als Sakralraum und die Möglichkeit, einzelne Räume flexibel zuzuschalten. Überarbeitungsbedarf sahen sie hinsichtlich der barrierefreien Erschließung des ersten Obergeschosses des Pfarrhauses und in der Dimensionierung der Nebenräume.
Der zweitplatzierte Entwurf von Herbert Architekten aus Petersberg schlägt einen kompletten Neubau für das Pfarrheim im Westen des Grundstücks vor. Die geplanten Nutzungen – teilbarer Saal, Gemeinschaftsräume und Nebenräume – werden in zwei Gebäudeteilen untergebracht, die ein schmaler, gläserner Zwischenbau miteinander verbindet und deren Gebäudekante sich im Süden bis direkt an die Grundstücksgrenze schiebt. Der Pfarrgarten bleibt so in seiner bisherigen Ausprägung erhalten. Zur Straße hin orientiert sich ein eingeschossiger Flachbau für die Gruppenräume. Der hintere, höhere Gebäudeteil mit flachem Satteldach soll den Veranstaltungssaal beherbergen.
Die Preisrichter lobten die barrierefreie Unterbringung der Nutzungen auf einer Ebene, die kurzen Wege und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten. Jedoch erschien ihnen die Eingangssituation als zu eng und die Raumhöhen in den Gemeinschaftsräumen und im Foyer als zu niedrig. Zudem hinterfragten sie die Funktion des gläsernen Zwischenbaus.
Die Preisrichter empfahlen, mit beiden Büros die weiteren Planungsvorgespräche zu führen und anschließend einem der beiden den Planungsauftrag zu erteilen.
Katja Klenz