Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Erweiterung und Umbau des Gymnasiums, Rimbach

Preisträger

1. Preis: von Gerkan Marg and Partners, Berlin

€ 28.000

Prof. Volkwin Marg, Hubert Nienhoff
mit Mettler Landschaftsarchitektur, Berlin
Mitarbeit: Veit Lieneweg, Kristian Uthe-Spencker, Tobias Mäscher, Sarah Gerg, Adel Motamedi, Marie Poth, Izabel Kajzer

2. Preis: Enno Schneider Architekten GmbH, Berlin

€ 18.500

Prof. Dr. Enno Schneider + Co.GmbH
Mit: Ulrich Krüger Landschaftsarchitekt, Dresden
Mitarbeit: Giudo Pohndorf

3. Preis: Ralph Müller + Partner Architekten und Ingenieure, Darmstadt

€ 12.500

Ralph Müller
Mitarbeit: Jobst Jung, Thomas Sträßner, Markus Hug, Julia Müller

4. Preis: Kessler de Jonge Architekten, Heidelberg

€ 8.500

Wolfgang Kessler
mit Helleckes Landschaftsarchitektur, Karlsruhe
Stefan Helleckes

Anerkennung: Architektengruppe GHP, Oberursel

€ 4.200

Andreas Schling
mit Plan°D, Wiesbaden
Dirk Desor

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 18.06.2009
Ort Rimbach
Auslober Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft des Kreises Bergstraße
Betreuung Stadtbauplan, Darmstadt
Preisrichter Angela Bezzenberger, Prof. Johann Eisele (Vorsitz), Prof. Jean Heemskerk, Prof. Zvonko Turkali, Gunter Bistritschan, Hans-Jürgen-Pfeifer, Beate Wilhelm

Architektonisches Apfelbäumchen
Martin-Luther-Schule in Rimbach wird erweitert

Auf der Homepage der Martin-Luther-Schule in Rimbach in Odenwald prangt das Luther zugeschriebene, hoffnungsfrohe Motto. „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Bestimmte Bankerzweige und anglophile Globalisierer würde sicherlich einen Grund zum Baumpflanzen sehen, sprich: die Welt untergehen sehen, wüssten sie, dass dieses sechszügige Gymnasium einen musischen Schwerpunkt hat und gar als eine der wenigen Schulen der Region in einigen Fächern bilingualen Unterricht in Französisch anbietet. Doch genau das ist das Erfolgsrezept der Schule, die mit 1.600 Schülern eine der größten Schulen im Kreis Bergstraße ist und mit einem Einzugsgebiet von über 30 Kilometern stetig wachsende Schülerzahlen verzeichnet. Es ist eine Schule, die auf Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikationsfähigkeit und soziale Verantwortung setzt – Eigenschaften, die man bei den oben genannten Kreisen in der Finanzkrise schmerzlich vermisst hat.

Schmerzlich vermisst werden allerdings an der Schule selbst mehr Raum – und die Möglichkeit, ganztags zu unterrichten. Ein Neubau mit ca. 6.500 m² NF soll da Abhilfe schaffen: mit Klassenräumen, Musikräumen, einem naturwissenschaftlichen Bereich, einem Mensa-Cafeteria-Bereich, einer Zweifeld-Sporthalle sowie dazugehörige Freianlagen. Beim nichtoffenen Wettbewerb (Auslober: Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft des Kreises Bergstraße), an dem 19 Büros teilnahmen, erreichte von Gerkan Marg and Partners in Zusammenarbeit mit Mettler Landschaftsarchitektur (beide Berlin) den ersten Platz. Als neuen Kopfbau des Schulkomplexes, der sich um die bestehende denkmalgeschützte Kirche gruppiert, schlagen sie einen dreigeschossigen quadratischen Hauptbaukörper mit ausreichend Abstand zur Kirche und einen zweigeschossigen rechteckigen Baukörper vor. Letzterer fügt sich zwischen den Hauptbau und das bestehende Gebäude B, das Klassenräume und die Bibliothek beherbergt.

Platz zwei ging gleichfalls nach Berlin, nämlich an Enno Schneider Architekten mit dem Dresdner Landschaftsarchitekten Ulrich Krüger. Bei ihnen stehen die zentrale Eingangshalle und die Mensa im Mittelpunkt, die zwischen dem Neubau und Haus B angesiedelt ist. Der L-förmige Baukörper erzeugt eine klar Gliederung – nach innen wie nach außen zu den Freiräumen hin. Mit dem Vorschlag eines kommunikativen Schulcampus, der aus den Neubauten und einem Anbau an Haus B resultiert, erlangten schließlich Ralph Müller + Partner Architekten und Ingenieure aus Darmstadt den dritten Platz.

Kommunikation und Begegnungsqualität zeichnen auch den Siegerentwurf aus. So ist hier die Gefahr fügetechnischer Probleme der beiden sich verschneidenden Baukörper durch eine großzügige Haupttreppe, an der eine Schülerlounge liegt, entschärft. Und der südlich gelegene, gut zonierte Freiraum kann als Pausenhof, dank seiner Grünflächen aber auch für Sport genutzt werden. An ihn schließen Speiseraum, Cafeteria sowie die Musikräume an, im Obergeschoss die Lese- und Arbeitsplätze. Außerdem entsteht durch die zwei neuen Baukörper ein Vorplatz, der als neuer, repräsentativer Haupteingang der Schule dient. Insgesamt waren die Juroren unter Vorsitz von Prof. Johann Eisele vom klaren baulichen Konzept und den hohen Raumqualitäten überzeugt und lobten, dass das künftige Gesicht der Schule zurückhaltend und dennoch prägnant wirke.

Das ist auch eine Art, ein architektonisches „Apfelbäumchen“ zu pflanzen.