Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

zur Detailseite

Neubau einer vierzügigen Grundschule, Kindertagesstätte und Sporthalle in Offenbach

Preisträger

1. Preis: waechter + waechter architekten, Darmstadt

€ 36.000

Felix Waechter, Sibylle Waechter

Mitarbeit: Esther Götz, Kathrin Sattler, Stephan Erkel

2. Preis: Werkgemeinschaft UKP – Architekten Königsmann Hettich – freie Architekten, Sindelfingen mit Planungsgruppe Hallmaier freie architekten, Stuttgart

€ 22.500

Albrecht W. Hettich, Stefan Hallmaier

Mitarbeit: Daniel Reuter

3. Preis: Hascher Jehle Architektur, Berlin

€ 13.500

Prof. Rainer Hascher, Sebastian Jehle

Mitarbeit: Kathleen Behrendt, Johannes Raible, Benjamin Böhringer

Fachberater: Ingenieurbüro Mayer AG, Jürgen Mayer, Jürgen Görlach, Ottobeuren

4. Preis: AllesWirdGut Architekten ZT GmbH, Wien (A)

€ 9.000

Andreas Marth, Herwig Spiegl

Mitarbeit: Jan Schröder, Isabelle Misamer, Cassandra Guimarães Carvas

Anerkennung: Architekten.3P – Feuerstein Rüdenauer & Partner, Stuttgart

€ 3.000

Gerhard Feuerstein, Arne Rüdenauer

Mitarbeit: Christina Maier, Mentor Halili

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 10.08.2011
Ort Offenbach
Auslober Stadt Offenbach
Betreuung BSMF GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Markus Eichberger, Anna Heep, Prof. Anett-Maud Joppien, Joachim Klie, Astrid Reese, Hubertus Sander, Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Prof. Carola Wiese, Brigitte Koenen, Prof. Bernd Kracke, Daniela Matha, Ulla Peppler, Horst Schneider, Oliver Stirböck, Roland Walter

Positiv ambivalent 
Neubau einer Grundschule mit Sporthalle und einer Kindertagesstätte in Offenbach am Main
In Offenbachs Schulen ist es eng. Besonders das Stadtviertel Nordend gilt als kinderreich und statt aus demografischen Gründen sinkender Schülerzahlen werden hier zukünftig mehr Grundschüler als bisher erwartet. Ein Grund dafür ist auch das neu entstehende Wohngebiet auf der Hafeninsel am Main. Abhilfe soll zukünftig eine neue, vierzügige Grundschule im Neubaugebiet für rund 400 Kinder schaffen. Zu den Räumen für Unterricht und Verwaltung sollen zudem zwei auch von Vereinen zu nutzende Turnhallen sowie eine Kindertagesstätte für 165 Kinder bis sechs Jahre hinzukommen.
Die Stadt Offenbach am Main, deren Vertreter vom Hochbauamt und von der Stadtplanung durch die Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen beraten wurden, entschied sich für die Auslobung eines offenen Architektenwettbewerbs mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren. Diesen betreute die BSMF – Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH aus Frankfurt am Main.
Unter den 25 eingereichten Arbeiten erhielt der Entwurf von waechter+waechter aus Darmstadt die meiste Zustimmung der Preisrichter: Der Entwurf sei ein „überzeugender Vorschlag für eine Grundschule samt Kita im innerstädtischen Kontext“. Die Architekten planen in Richtung des vielbefahrenen Nordrings einen fünfgeschossigen Gebäuderiegel, der zwei Sporthallen sowie die Schulverwaltung beherbergen soll. Alle Klassen- und Kitaräume orientieren sich hingegen zweigeschossig in Richtung Süden zum Hafenbecken hin. Diese „ambivalente Haltung“ werteten die Preisrichter positiv. Die fünfgeschossige Bebauung werde dem „zukünftig sehr urbanen Umfeld gerecht“, die Reduzierung auf zwei Geschosse stelle einen „zurückhaltenden Übergang zum Grünraum des Hafens“ her und verdeutliche die Nutzung. Die den Unterrichts- und Gruppenräumen jeweils zugeordneten Höfchen seien als Spielzimmer oder „grüne Klassenzimmer“ nutzbar, Innen- und Außenräume böten eine „hochwertige Aufenthalts- und Nutzungsqualität“.
Mit dem zweiten Preis ausgezeichnet wurde die Idee der Werkgemeinschaft UKP- Königsmann Hettich Architekten+ PGH Planungsgruppe Hallmaier aus Sindelfingen. Diese schlagen ebenfalls einen straßenbegleitenden fünfgeschossigen Baukörper vor, ordnen jedoch die Baumassen für die Kita und die Sporthallen relativ frei auf dem Wettbewerbsareal an. Nach Ansicht der Preisrichter wirke sich dies „positiv auf die Außenräume und die städtebauliche Qualität aus“. Sie lobten die Anordnung der Klassenräume Richtung Hafen sowie die Gestaltung der Frei- und Pausenflächen, beanstandeten jedoch die Fassadengliederung, die „allzu modischen Tendenzen“ folge.
Auch die Verfasser der drittplatzierten Arbeit, die Hascher+ Jehle Planungsgesellschaft mbH aus Berlin, formulieren mit ihrem Entwurf eine Raumkante am Nordring und kombinieren diese mit „einer, die Freiräume gestaltenden Topografie und weichgeformten Baukörpern“. In dieser Kombination sah das Gremium den Gestus einer schützenden Mauer. Durch die Dynamik aus Topografie und weicher Bauelemente entstünde eine räumlich-gestalterische Verzahnung nach dem Leitmotiv „Harte Schale, weicher Kern“. Die Preisrichter lobten die direkten Bezüge der Klassen- und Kitaräume zu den Freibereichen, kritisierten jedoch die Anordnung einiger Klassenräume Richtung Nordring.
Platz vier ging an die Architekten der Wiener AllesWirdGut Architektur ZT GmbH für ihren L-förmigen Baukörper mit Klinkerfassade, der sich zum Hafen hin öffnet. Die Preisrichter lobten die ruhige Fassade, vermissten jedoch eine innovative Verwendung des Materials Klinker. Der Innenraum im Erdgeschoss sei spannend; die Grundrisse der Kita wurden positiv, die Anordnung der Klassenräume als Teambereiche jedoch als nicht optimal gelöst bewertet. Nachbesserungsbedarf sahen die Preisrichter insbesondere hinsichtlich des Brandschutzes.
Das Gremium, dem der Frankfurter Architekt Prof. Zvonko Turkali vorsaß, gab ein eindeutiges Votum zur Realisierung für die erstplatzierte Arbeit ab. Im anschließenden Verhandlungsverfahren wird geklärt werden, ob waechter + waechter den Auftrag erhalten. Im Schuljahr 2014/15 – so jedenfalls die große Hoffnung – sollen Schule und Kita in Betrieb gehen.

Katja Klenz