Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Realisierungswettbewerb Sprachheilzentrum - SkF Gießen e.V.

Preisträger

1. Preis: BAUFRÖSCHE Architekten und Stadtplaner GmbH, Kassel

€ 15.000

Uwe Hoegen, Manfred Lenhart
Mitarbeit: Michael Rudek
Sachverständige: Innovatec Energiesysteme, Ahnatal

2. Preis: Bub Architekten, Poppenhausen und Sturm und Wartzeck, Dipperz

€ 11.000

Alexandra Bub-Vogler, Jörg Sturm, Susanne Wartzeck
Mitarbeit: Steffen Heil

3. Preis: Ulrich Böttger, Köln

€ 6.000

Mitarbeit: Andreas Trick, Stefan Lutzke, Hetta Böttger (Freianlagen)
Sachverständige: Pfeil + Koch Ing.Gesellschaft, Köln (Beratung Energie/Haustechnik)

Anerkennung: architektei mey GmbH, Frankfurt/Main

€ 3.000

Bernd Mey
Mitarbeit: Peter Ritter, Katja Widmann, Adrienne Viertel, Veronika Beigel, Annette Breuer

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 25.05.2009
Ort Gießen
Auslober SkF Gießen e.V.
Betreuung a:dk architekten datz kullmann, Mainz
Preisrichter Prof. Thomas Meurer (Vorsitz), Prof. Kerstin Schultz, Johannes Krämer, Matthias Triebel, Maria Graubert-Bellinger, Dr. Gertrud Pollak, Hubert Hoffmann

Lockeres Zusammenspiel

Schönes Ensemble für das Gießener Sprachheilzentrum / Agnes-Neuhaus-Schule

Seit über 30 Jahren werden im Sprachheilzentrum Gießen Kinder und Jugendliche mit beeinträchtiger Kommunikationsfähigkeit bzw. gestörter Sprache betreut. 40 Kinder im Alter zwischen sechs und 16 Jahren wohnen in dem heilpädagogisch-therapeutischen Zentrum. Betreiber ist der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), zugleich Träger der Agnes-Neuhaus-Schule, welche diese und weitere Kinder besuchen. Die Räumlichkeiten, besonders die der Förderschule, sind mittlerweile zu klein und nicht mehr im besten Zustand. Deshalb hat der SkF im Gießener Neubaugebiet Schlangenzahl ein 5700 Quadratmeter großes Gelände erworben. Dort sollen sowohl das Sprachheilzentrum als auch die Schule neu entstehen.

Da das Grundstück einerseits am Rand des schnell gewachsenen Neubaugebiets hin zur Autobahn liegt, andererseits der finanzielle Spielraum nicht allzu groß ist, war die Aufgabe für den Realisierungswettbewerb eine doppelte: ein Ensemble aus Sprachzentrum, Schule und Integrationsbetrieb zu schaffen, das modular konzipiert ist und trotzdem eine gestalterische Geschlossenheit zeigt.

Gelungen ist dies vor allem dem Kasseler Büro Baufrösche. Es schafft mit drei Gebäuden einen differenzierten Quartiersplatz, frei von Verkehr und Parken, mit interessanten Schneisen-Durchblicken Richtung Stadt und Landschaft. Unter dem Vorsitz von Prof. Thomas Meurer zeichnete das Preisgericht die Arbeit mit 6:1 Stimmen mit dem ersten Platz aus. Zweiter wurde die ArGe Bub Architekten (Fulda) / Sturm + Wartzeck (Dipperz), die eine nahezu geschlossene rechtwinklige Anlage um einen zentralen Hofbereich entworfen haben. Dritter wurden Böttger Architekten aus Köln, bei deren Konzept die Preisrichter allerdings wegen der hohen Verdichtung im nördlichen Baukörper Schule-Wohnen-Therapie, Zweifel an der getrennten Realisierbarkeit hatten.

Die bestehen beim Siegerentwurf nicht, die Flexibilität für verschiedene Bauabschnitte ist gegeben. Das Wohnhaus mit Lichthof ist Richtung Landschaft ausgerichtet, die Schule mit einer langen Fassade zur Straße hin und dient damit zugleich als Schallpuffer für das Sprachheilzentrum und den Hof. Das Ganze öffnet sich hin zur Wohnumgebung, vermeidet also den Eindruck von geschlossener Gesellschaft, was bei der Integration von Kindern sehr wichtig ist. Das Zusammenspiel von Gebäudehöhen und den gegeneinander geneigten Dächern ergeben ein angenehme Leichtigkeit. Der Zugang zu der Anlage erfolgt über das öffentliche Café. Zu monieren hatten die Preisrichter hingegen die Lage der Mehrzweckhalle, die Grundrisslösung für die Schule und die Belichtung. Insbesondere bei der großen Gebäudetiefe des Wohnhauses schien ihnen der Lichthof zu klein.

Insgesamt ist es aber ein Entwurf mit viel Gespür für Details, der berücksichtigt, dass es sich um eine therapeutische Anlage handelt, etwa in dem er differenzierte Spielflächen und einen Therapie- und Sinnesgarten vorschlägt, sowie, gut platziert an der Rückseite der Küche, einen Kräutergarten.