Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Anbau an die Hessische Hochschul- und Landesbibliothek in Fulda

Preisträger

1. Preis: Sichau & Walter, Fulda

€ 5.000

Hartmut Walter, Peter Sichau
Mitarbeit: Christine Naske, Marcus Leinweber
Fachberater: Tobias Mann, Kassel (Freianlage)

3. Preis: Müller & v. Soden, Fulda

€ 5.000

Eckehart Müller, Alfred von Soden
Mitarbeit: Mario Schwarzer, Bertram Bräutigam, Eva-Maria Nüdling-Müller

3. Preis: Trojan & Trojan, Darmstadt

€ 5.000

Prof. Klaus Trojan, Verena Trojan
Mitarbeiter: Andreas Schuldes, Nan Wang, Xiaozhen Zhu, Moritz Mücke, Nicolas Kramar, Carl Wilkens, Anke Thestorf

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb
Preisgerichtssitzung 04.05.2009
Ort Fulda
Auslober Magistrat der Stadt Fulda
Betreuung Magistrat der Stadt Fulda Stadtplanungsamt/Gebäudemanagement
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Prof. Rebecca Chestnutt, Prof. Ruth Berktold, Manfred Balg, Gerhard Möller, Prof. Dr. Karim Khakzar, Dr. Marianne Riethmüller

Oberirdisch schlicht und schmal

Der Anbau an die Fuldaer Hochschul- und Landesbibliothek punktet unter der Erde

Bei aller Geschwindigkeit, die bei der Verwendung der Mittel aus den Konjunkturprogrammen von Bund und Land geboten ist – einfach nur Bauen kann auch nicht die Devise sein. Vor allem an sensiblen Orten, an historischen, etwa in der Nähe von Kirchen. In Fulda wusste man um solche Probleme, als es um einen Anbau für das Gebäude der Hochschul- und Landesbibliothek am Heinrich-von-Bibra-Platz ging, unmittelbar neben der Christuskirche. Die Architekten, die an dem vom Fuldaer Magistrat ausgeschriebenen nicht offenen Wettbewerb teilnahmen, glücklicherweise auch.

Vor allem das erstplatzierte Büro Sichau & Walter aus Fulda zeichnete sich durch eine filigrane Lösung aus: Der Anbau ist oberirdisch schlicht und schmal, der Hauptteil wird in einen unterirdischen Sockel verlegt. Die beiden Drittplatzierten - Müller & v. Soden, gleichfalls Fulda, sowie Trojan & Trojan aus Darmstadt - setzen dagegen auf einen eigenständigen zweigeschossigen Neubau: Müller & v. Soden mit nötigem Abstand zum Altbau, um den Denkmalschutz zu wahren, und Trojan & Trojan mit einem Neubau, der sich mit konvexer Fassade zur Grünfläche hin wendet. Ein zweiter Preis wurde nicht vergeben.

Den Preisrichtern unter dem Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali fiel die einstimmige Entscheidung für den Siegerentwurf leicht. Unter den fünf Arbeiten war er es, der mit dem geringsten Eingriff in die Freiflächen auskommt, der die Ruhe des Ortes wahrt und der „in hervorragender Weise die nachbarschaftlichen Interessen“ berücksichtigt, wie das Preisgericht attestierte. Der Neubau schließt oberirdisch verglast an den Bestand an und ist nur an den Stirnseiten mit farbigen Metallplatten verkleidet – mit einem Lilienmuster als Reminiszenz an das Fuldaer Stadtwappen. Im Obergeschoss sind die Büros untergebracht, im Erdgeschoss ein Lesecafé, die Hauptbereiche wie die Medienbestände und die Lesesäle befinden sich im Sockelgeschoss. Dabei wird ein Versprung auf dem Gelände genutzt: Durch eine raumhohe Glaswand blickt man in einen angrenzenden Innenhof, über den auch die Belichtung erfolgt. Die Fläche des Sockels dient zugleich als Terrasse des Lesecafés und integriert sich in die neu gestaltete öffentliche Grünfläche.

Das ca. drei Millionen Euro teure Projekt im Rahmen des Sonderkonjunkturprogramms der Hessischen Landesregierung vereint künftig Teile der Hochschul- und Landesbibliothek mit der Stadtbibliothek – ein Spagat zwischen Kinder- und Lehrbuch, der aber, wenn er gelingt, zur Belebung der Fuldaer Innenstadt beitragen sollte. Der Spagat zwischen Denkmalschutz und notwendiger Modernisierung ist bereits gelungen.