Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Erweiterung der Richard-Müller-Schule in Fulda

Preisträger

1. Preis: Staubach + Partner Architekten, Fulda

€ 6.000

Andreas Staubach
Mitarbeit: Thomas Nadler, Julia Vogt, Paul Schmelzer, Peter Riethmüller

2. Preis: BLFP Frielinghaus Architekten - Planungs- und Bauleitungs GmbH, Friedberg

€ 6.000

Michael Frielinghaus
Christopf Anders, Natalija Krutsch, Ladislav Dolezal
Fachberater: SHK Sommerlad Haase Kuhli Landschaftsarchitekten,Gießen
ADW Modellbau GmbH, Frankfurt/Main

3. Preis: Bauatelier Werner Pfeffer, Fulda

€ 6.000

Werner Pfeffer
mit Alfred Lerg, Wartenberg

3. Preis: Ollertz & Ollertz, Fulda

€ 6.000

Dieter Ollertz, Andreas Ollertz
Mitarbeit: Benjamin Qropp, Christiane Faraq

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb
Preisgerichtssitzung 14.04.2009
Ort Fulda
Auslober Magistrat der Stadt Fulda
Betreuung Magistrat der Stadt Fulda Stadtplanungsamt/Gebäudemanagement
Preisrichter Hermann Sträb, Prof. Thomas Bieling (Vorsitz), Andreas Becker, Dr. Wolfgang Dippel, Albert Post

Qualität trotz Zeitdruck
Erweiterung der Richard-Müller-Schule in Fulda

Die Zeit drängt. Alles geht viel zu langsam. Solche Klagen ertönen, wenn es um die Wirtschaftskrise geht, vor allem um die Ausschöpfung der Gelder aus den Konjunkturpaketen. In Fulda, wie auch vielerorts in Hessen, gibt man hingegen Gas. Beispiel: Die Erweiterung der Richard-Müller-Schule, für die Gelder aus dem Konjunkturprogramm von Bund und Land zur Verfügung stehen. Der nicht offene Architektenwettbewerb war in kaum zwei Monaten gestemmt, bis 2011 soll alles stehen.

Dass Qualität nicht unter Zeitdruck leiden muss, beweist der Siegerentwurf des Fuldaer Büros Staubach + Partner, für den sich das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Thomas Bieling einstimmig entschied. Wie auch die Entwürfe der drei anderen Teilnehmer verlängert er die Schule in den Freiraum in südlicher Richtung. Doch ihm gelingt der Spagat am besten, die vorhandene, relativ filigrane Architektur der 1960er Jahre und einer Erweiterung aus den 1970er Jahren aufzugreifen und in eine zeitgemäße eigenständige Sprache zu übersetzen. Das Konzept des zweitplatzierten Büros BLFP Frielinghaus Architekten setzt ganz darauf, beim Neubau die Maßstäblichkeit, Formensprache und Gestaltungselemente des Bestandes zu wahren, während sich die Preisrichter eine stärkere Eigenständigkeit gewünscht hätten. Bei einem der zwei dritten Preise, die vergeben wurden, nämlich bei Ollertz & Ollertz aus Fulda, war es umgekehrt: Da führte der avisierte massive viergeschossige Baukörper zu einer kritischen Betrachtung, insbesondere hinsichtlich denkmalpflegerischer Aspekte. Und beim Friedberger Bauatelier Werner Pfeffer stieß der Vorschlag, zentrale Einrichtungen wie die geforderte Mediothek und die zusätzlichen Klassenräume in die südliche Verlängerung quasi ab vom Schuss zu verlagern, auf wenig Zustimmung.

Für das Konzept von Staubach + Partner sprach der Einfall, die kammartige Verbindungsachse fortzuführen und diese in einen niedrigen, eingeschossigen Trakt münden zu lassen, der sich terrassenartig in das Gelände zu integriert. Dadurch tritt er nicht in Kontrast zum historischen Bestand und setzt dennoch ein eigenes Zeichen. Alle wichtigen Orte zentral zu halten, ist ein weiterer Pluspunkt des Entwurfs: der Lehrerstützpunkt im Verbindungsbau bzw. die neue Verwaltung im Endpunkt der Verbindungsachse, die Cafeteria neben der Pausenhalle und die Mediothek in einem umgenutzten nördlichen Seitentrakt, ruhig gelegen, aber leicht erreichbar. Den Schulhof konzentrieren die Verfasser im südwestlichen Eingangsbereich, sodass auch hier ein neues Zentrum entsteht und trotzdem der Parkcharakter des Geländes erhalten bleibt.

Das Konjunkturprogramm soll der Wirtschaft zugute kommen. Im Falle der Schulen, die einen Großteil der baulichen Maßnahmen auf sich vereinigen, gibt es aber noch mehr Nutznießer. Die Umwelt natürlich, denn die Modernisierungen und Sanierungen erfolgen energieeffizient. Im konkreten Fall aber sind es vor allem die rund 2.900 Schüler der Richard-Müller-Schule, die von der zügigen Umsetzung profitieren; zwölf Klassen, die einst ausgelagert worden waren, kehren zudem zurück. Und da die Schüler in der Richard-Müller-Schule eine der vielen dort angebotenen kaufmännischen Ausbildungsformen von der Berufsschule bis zum beruflichen Gymnasium durchlaufen, werden sie unter besseren Bedingungen eben für die Wirtschaft fit gemacht, die dringend auf neue Ideen angewiesen ist. Ein Kreislauf, der durchaus gute Noten verdient.