Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Kindertagesstätte „St. Blasius“ in Fulda

Preisträger

1. Preis: Reith+Wehner Architekten GbR, Fulda

€ 4.000

Manfred Reith, Stefan Wehner
Mitarbeit: Stefan Storch, Mario Krick, Nadin Hasel, Matthias Schöner

3. Preis: Möller Architekten + Ingenieure, Hünfeld

€ 4.000

Charly Möller
Mitarbeit: Jürgen Onderka
Fachberater: Behrend + Männschen, Frankfurt/Main (Visualisierung)
Hanke - Kappes + Kollegen GmbH, Sulzbach (Landschaftsarchitekten)

3. Preis: BUB Architekten, Darmstadt

€ 4.000

Alexandra Bub-Vogler, Marion Bub
Mitarbeit: Martin Gerhardt

4. Preis: Hodes / Diegelmann, Fulda

€ 4.000

Jutta Diegelmann, Michael Hodes
Mitarbeit: Thomas Post
Fachberater: Tobias Wohletz (Modellbau)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb
Preisgerichtssitzung 14.04.2009
Ort Fulda
Auslober Magistrat der Stadt Fulda
Betreuung Magistrat der Stadt Fulda Stadtplanungsamt/Gebäudemanagement
Preisrichter Prof. Thomas Bieling (Vorsitz), Dr. Burkhard Preusler, Andreas Becker, Dr. Wolfgang Dippel, Thomas Bach

Kunterbunte Zukunft
Die Fuldaer Kindertagesstätte St. Blasius wird neu gebaut

Die Sonne lacht, ein Regenbogen leuchtet, und ein großer roter Kranlaster schwingt eine Abrissbirne über einem kleinen Haus. Was ist los mit einem Kind, das sich die Zerstörung seines eigenen Kindergartens so wasserfarbenfroh ausmalt?

Nichts. Alles in Ordnung. Denn erstens wird die marode Kita St. Blasius in Fulda tatsächlich abgerissen. In den frühen 1980er Jahren war sie mit ihrer Containerbauweise eine Übergangslösung gewesen. Nun kann dank des Konjunkturprogramms von Bund und Land mit einem Volumen von ca. 1,5 Millionen Euro neu gebaut werden. Und zweitens sollten die derzeit 50 kleinen Bewohner von St. Blasius, zu denen sich künftig noch zwei Gruppen gesellen werden, bewusst Bilder malen, in denen sie sich mit der Zukunft ihrer (neuen) Tagesstätte auseinandersetzen. Die Ergebnisse der Junior-Planer waren in einer Ausstellung im Fuldaer Stadtschloss ebenso zu sehen wie die Arbeiten der Profis, die am nicht offenen Wettbewerb teilgenommen hatten, der seitens des Magistrats von Fulda für den Neubau ausgeschrieben war.

Gewonnen hat ihn das Fuldaer Büro Reith+Wehner. Das Urteil der Preisrichter, unter denen Prof. Thomas Bieling den Vorsitz innehatte, fiel einstimmig. Reith+Wehner setzen auf einen ruhigen quadratischen Grundriss, was in dem heterogenen Umfeld städtebaulich ordnend wirkt. Der Neubau soll, das schlugen auch alle anderen Teilnehmer vor, an der gleichen Stelle wie der Altbau stehen, also zurückgesetzt von der Straße und den meisten anderen Häusern, sodass es weiterhin eine Kita im Grünen bleibt.

Sonst aber hätten die Entwürfe unterschiedlicher nicht sein können. So wählt etwa Möller Architekten + Ingenieure, Hünfeld, einer der zwei dritten Preisträger – ein zweiter Platz wurde nicht vergeben –, die Form einer Schnecke. Das Gebäude orientiert sich nicht an Raumkanten, sondern definiert mit geschwungenen Außenwänden eine neue Insellage. Und der zweite Drittplatzierte, BUB Architekten aus Darmstadt, wiederum nimmt mit einem U-förmigen Gebäude das abfallende Gelände auf, sodass ein Teil der Dachfläche zugleich zur Spiel und Aufenthaltsfläche wird.

Das Leitmotiv des Siegerentwurfs ist Raum, Licht und Schutz – und damit das, was Kleinkinder am nötigsten brauchen. Die zentrale Halle ist mit Glasoberlichtern versehen und führt zu einem Gartenhof, der teilweise überdacht ist. Auch der Vorplatz ist überdacht – die Eltern, die mit einem Geschwisterkind im Kinderwagen anrücken, werden es danken. Das Freigelände ist eingezäunt, die Spiel- und Aufenthaltsbereiche sind der Ausschreibung gemäß den Altersgruppen 0-3 und 3-6 zugeordnet. Teil der Aufgabe war auch, den Außenbereich Richtung Buseckstraße bzw. Altenheim und Musikschule neu zu ordnen. Die Überlegung, südlich der Musikschule eine neue gemeinsame Erschließung für Kita und Altenheim zu schaffen, sah das Preisgericht allerdings kritisch: zu groß sei der Eingriff, in die öffentliche Parkfläche und ein solcher auch nicht nötig, die bestehende Erschließung reiche auch für das neue Konzept aus. Zufrieden waren die Preisrichter allerdings mit den inneren flexiblen Nutzungsmöglichkeiten und den klaren Strukturen. Diese sollen sich nach außen in froschhautgrün und froschaugenrot vermitteln – wobei sich die Preisrichter den Kindergarten auch sehr gut ohne das Thema „Frosch“ vorstellen können.

Ginge es allerdings nach den kleinen Pinselarchitekten von St. Blasius, so könnte ihre neue Bleibe gar nicht farbig genug sein: Zumindest freuen sie sich in ihren Bildern auf eine kunterbunte Zukunft.