Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

zur Detailseite

Eingang Zoologischer Garten und Bärenanlage, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Henchion + Reuter Architects, Berlin und Prof. Ariane Röntz Landschaftsarchitektin, Berlin

€ 19.100

Klaus Reuter
Mitarbeit: Steffen Reimann
Fachberater: Eisat GmbH, Berlin, Achim Sattler
Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart, P. Voigt

2. Preis: knerer und lang Architekten, Dresden und lab landschaftsarchitekten, Landshut

€ 12.800

Eva Maria Lang, Prof. Hermann Brenner
Mitarbeit: Stefanie Elflein, Denise Ascoine

3. Preis: liquid architekten, Darmstadt und lad + landschaftsarchitektur diekmann, Hannover

€ 8.700

Kerstin Schultz, Martin Diekmann
Mitarbeit: Marco de Padova, Sebastian Heid, Sabine Schmidt, Harald Fay
Fachberater: Getec Zürich AG, Zürich (Gebäudetechnik)

4. Preis: Meixner Schlüter Wendt Architekten, Frankfurt /M. & Club L 94 Landschaftsarchitekten, Köln

€ 5.800

Florian Schlüter, Frank Flor
Mitarbeit: Mark Etling, Martin Goldhammer, Ute Günzel, Joost Rebske, Ewgenij Geppert, Felix Hartz, Annika Dellert, Eva Schiemann

Ankauf: Nieto Sobejano Architectos S.L., Madrid (E) und Maria lza, Bilbao (E)

€ 2.925

Enrique Sobejano
Mitarbeit: Alexandra Sobral, Pedro Guedes, Jorge Sobejano Nieto, Laguna Sanz, Nik Wenzke, Laura Ullrich, Sebastian Sasse

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Begrenzt offener, einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem qualifizierten Auswahlverfahren.
Preisgerichtssitzung 05.03.2009
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadt Frankfurt/Main / Zoologischer Garten
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Carlo Weber (Vorsitz), Prof. Henri Bava, Prof. Peter Cheret, Dr. Hans Jürgen Pritzl, Frank Barkow, Jutta Ebeling, Prof. Dr. Manfred Niekisch, Edwin Schwarz, Prof. Dr. Felix Semmelroth

Ein Platz für Bären

Im Frankfurter Zoo werden der Eingangsbereich und das Bärengehege neu gestaltet

Über mangelnde Aufmerksamkeit konnte sich der Frankfurter Zoo in den letzten Jahren nicht beklagen. 2008 feierte die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die den Frankfurter Zoo begründete, ihr 150-jähriges Bestehen. Das Jubiläum wurde von der Deutschen Bundespost ebenso mit einer Sondermarke bedacht wie 2009 der 100. Geburtstag des legendären Zoodirektors, Bernhard Grzimek. Groß war auch das Interesse für den Wettbewerb, bei dem es um die Planung des Haupteingangsbereichs des Zoos sowie des angrenzenden Bärengeheges ging. Denn hier drehte sich gleichfalls alles darum, an das Gestern zu erinnern, um das Heute zu stärken, sprich: das historische Zoogesellschaftshaus, erbaut 1875/76, das nur sehr unglücklich über den Kassenbereich zu erreichen ist, neu zu inszenieren und zugleich das in die Jahre gekommene Bärengehege artgerecht zu modernisieren.

Eine nicht ganz einfache Verquickung verschiedener Funktionen, wie der Vorsitzende des Preisgerichts, Prof. Carlo Weber urteilte, die aber unter den 25 Wettbewerbsteilnehmern Henchion + Reuter in Zusammenarbeit mit der Berliner Landschaftsarchitektin Prof. Ariane Röntz am besten meisterten. Das Berliner Büro, das unter anderem in Dresden und Leipzig viel Zoo-Erfahrung gesammelt hat, setzt einerseits auf ein sehr zurückgenommenes Gebäude im Eingangsbereich, welches das neo-klassizistische Zoogesellschaftshaus als Solitär betont, und andererseits beim Bärengehege auf einen kleinen Wald, der den Lebensraum der Bären in ein starkes Landschaftsbild übersetzt.

Die Entscheidung der Preisrichter fiel mit sieben zu zwei Stimmen, ebenso die Entscheidung für Platz zwei. Der ging an knerer und lang Architekten aus Dresden und lab landschaftsarchitekten aus Landshut, die mit der Anordnung des Neubaus den Bereich vor dem Zoogesellschaftshaus sehr präzise fassen, ebenso den Außenbereich der Bärenanlage und den Rand des Zoos. Platz drei wurde mit acht zu eins Stimmen liquid architekten, Darmstadt, und lad+ landschaftsarchitektur diekmann, Hannover, zugesprochen. Sie arbeiten mit drehbaren Zaunteilen, die den Alfred-Brehm-Platz und den Vorplatz des Zoogesellschaftshauses zusammenfassen, und mit einer freien Geometrie, die eine angenehme Leichtigkeit und eine naturnahe Kulisse verspricht.

Sehr viel naturnäher als beim Siegerentwurf geht es allerdings kaum. Schon im Eingangsbereich kann der Besucher erste Blicke auf die Bären durch die Fenster erhaschen und ihn erwarten dort die ersten Bäume, die sich dann zu einem kleinen Wald verdichten. Dieser kontrastiert sehr schön mit dem offenen Vorplatz und dem See hinter dem Gesellschaftshaus. Seine Hauptaufgabe ist aber, dem Besucher das Gefühl zu vermitteln, er bewege sich im gleichen Umfeld wie die Tiere. Zoodirektor Prof. Dr. Manfred Niekisch lobte denn auch vor allem die „tiergärtnerisch und gestalterisch optimalen Anlagen für die Vergesellschaftung von Bären“ und die „Möglichkeiten zum Aufbau einer erfolgreichen Zuchtstation“.

„Tiernah“ ist der Entwurf, aber auch „menschennah“. Denn die prägnante, aber dezente Eingangssituation zwingt künftig Zoobesucher und beispielsweise das Publikum des Fritz-Rémond-Theaters nicht mehr durch die gleiche Schleuse, das Zoogesellschaftshaus ist von der Stadt her frei zugänglich.

Vom neuen Gehege werden die jetzigen Bewohner, die Malaien- und Lippenbären, nicht mehr viel haben. Sie müssen umziehen, werden durch Brillen- und Nasenbären ersetzt. Aber angesichts des derzeitigen unzulänglichen Bärengeheges freuen sich sonst alle auf einen Platz für Tiere (und Menschen) im Sinne Grzimeks.